Symbolbild: dpa

Aus dem Gericht: Eine Schlägerei, drei Instanzen

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

FULDA - Dieser Fall ging bis zum Oberlandesgericht Frankfurt. Jetzt wird er am Landgericht Fulda noch einmal verhandelt. Es geht um einen Streit in der Silvesternacht am 1. Januar 2016, der vor einer Bäckerei in der Turmstraße in Bachrain eskalierte. Angeklagt ist ein 27-jähriger Student aus Kaiserslautern, der einen anderen gefährlich verletzt haben soll.

Von unserem Redaktionsmitglied Daniela Petersen

Vier Jahre ist es her, dementsprechend lückenhaft sind die Erinnerungen der Beteiligten. Trotzdem wird die Verhandlung nun noch einmal – und damit zum dritten Mal – neu aufgerollt. Den Vorschlag des Vorsitzenden Richters, Landgerichtspräsident Dr. Jochen Müller, möglicherweise eine Geldstrafe zu zahlen und das Verfahren abzukürzen, lehnt der 27-jährige Angeklagte ab.

„Ich kann nicht für irgendetwas bezahlen, das ich nicht getan habe“, erklärt er. Der Mann scheint aufgebracht zu sein. Er antwortet mit Gegenfragen. Seine Erzählung ist nicht chronologisch. Und auf Nachfragen reagiert er patzig. Mehrmals ermahnt ihn Müller, dass er „mal ein bisschen runterkommen soll“. Sein Verhalten mache keinen guten Eindruck.

Zwei Versionen

Was genau in der besagten Nacht um kurz nach Mitternacht passiert ist, davon gibt es mindestens zwei Versionen: Dem Angeklagten zufolge fuhr das spätere Opfer, ein heute 35-Jähriger aus Eichenzell, auf den Parkplatz, wo die Familie des Angeklagten, die zum Teil in Künzell lebt, feierte. Der 35-Jährige und seine Freundin seien ausgestiegen und hätten die Gruppe mit rassistischen Worten beleidigt. Außerdem soll der 35-Jährige einem Cousin des Angeklagten die Brille von der Nase geschlagen haben. Er selbst habe lediglich schlichten wollen.

Der 35-Jährige schildert die Situation anders: Er selbst habe nicht zugeschlagen. Zwei Mädchen aus der Gruppe hätten sein Auto mit Böllern beworfen. Er habe sie daraufhin zur Rede stellen wollen. „Als ich ausstieg, war ich plötzlich umringt von Leuten“, erinnert sich der Mann. Er sei nicht auf Streit aus gewesen, sondern auf dem Weg nach Hause, wo er seiner Freundin einen Heiratsantrag machen wollte.

„Ich wurde dann über den Parkplatz geprügelt, meine Jacke war zerrissen, und mein Geldbeutel, das Handy und der Verlobungsring fielen raus. Das habe ich dann später alles wieder eingesammelt.“ Nach der Auseinandersetzung sei er zur Polizei und ins Krankenhaus. Sein kleiner Finger war gebrochen, und er hatte wohl auch ein geschwollenes Gesicht.

Knackpunkt: die Verletzungen

Wie stark die Verletzungen waren, das ist der Knackpunkt des Falles. Bereits im April 2017 wurde der Angeklagte vom Amtsgericht Fulda zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt waren. Dagegen legte er Berufung ein. Mit Erfolg: Das Landgericht sprach ihn Ende 2017 frei. Die Begründung: Laut Schilderung des Angeklagten müssten die Verletzungen heftiger sein, daher könnten die Aussagen so nicht stimmen.

Gegen das Urteil legte die Staatsanwaltschaft wiederum Revision ein. Das Oberlandesgericht Frankfurt gab dem statt mit der Erklärung, dass die Beweisführung des Landgerichts unzureichend gewesen sei, die Schwere der Verletzungen hätte stärker überprüft werden müssen.

Deshalb ist beim jetzigen Verfahren auch ein Gutachter mit dabei, der diesen Punkt beleuchten wird. Die Verhandlung wird fortgesetzt.

Das könnte Sie auch interessieren