Der Bürgermeister von Gersfeld, Dr. Steffen Korell, vor dem Rathaus.
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Steffen Korell will als Bürgermeister von Gersfeld wiedergewählt werden.

Wahl am 14. März

Gersfeld: Steffen Korell will Bürgermeister bleiben - Wildpark ist ein „Herzensprojekt“

  • Jessica Vey
    vonJessica Vey
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Bürgermeister Dr. Steffen Korell (37, CDU) strebt eine zweite Amtszeit im Gersfelder Rathaus an. Er steht am 14. März als einziger Kandidat zur Wahl und spricht zuvor mit der Fuldaer Zeitung über einen turbulenten Anfang, ein finanziell enges Korsett und über unausgeschöpfte Potenziale im Tourismus. 

Gersfeld - Am 14. März ist in Hessen nicht nur Kommunalwahl, auch zahlreiche Bürgermeisterwahlen stehen bevor. Im Landkreis Fulda wird in gleich fünf Gemeinden über einen neuen Rathauschef abgestimmt. Steffen Korell will Bürgermeister in Gersfeld bleiben.

Vor sechseinhalb Jahren hat er sich gegen zwei Mitbewerber durchgesetzt und wurden jüngster Bürgermeister im Landkreis. Korell hat Gersfeld in turbulenten Zeiten übernommen. Vorgänger Peter Wolff (FDP) wurde abgewählt und die Stadt war hoch verschuldet. (Lesen Sie hier: Wahlkampf auf dem Rad: SPD-Bewerber Jonathan Wulff startet Tour de Fulda)

Herr Korell wieso haben Sie sich damals dazu entschieden, für das Amt zu kandidieren? 
Ich war gerade 30 geworden und es war eine Zeit, an der ich ohnehin an einer Schwelle stand, an der man sich beruflich festlegt. Der Markt als Rechtsanwalt in Gersfeld ist überschaubar. Ich hätte mich irgendwann Richtung Fulda, Schweinfurt oder Frankfurt orientiert. Doch dann wurde der Stuhl frei, auf dem ich heute sitze. Ich habe das damals von außen verfolgt, ich war im CDU-Stadtverband engagiert und es hatte sich abgezeichnet, dass der Faden reißt und ein Abwahlverfahren in Gang gesetzt wird. Es galt, eine Entscheidung zu treffen. Dann hat das für mich alles gut geklappt. 
Wie schwierig war für Sie der Start? 
Anfangs war sehr viel Vertrauen zerschlagen – von der Politik in die Verwaltung und umgekehrt und vonseiten der Bürgerschaft. Eigentlich ist die Demokratie eine ganz tolle Errungenschaft – doch hier in der Kommune wurde damit zum Teil sehr grobschlächtig umgegangen. Die Sitzungen waren oft sehr schwierig und haben keinen Spaß gemacht, es gab ein großes Gegeneinander und persönliche Angriffe. Es war mir ein Anliegen, das Image von Gersfeld intern wie extern zu verbessern. Ich lege deshalb seit Beginn großen Wert darauf, transparent zu arbeiten. Ich bin für Bürgerinnen und Bürger und Mandatsträger immer ansprechbar und möchte alles sachlich und nüchtern besprechen, um Qualität anzubieten und eine Struktur reinzubringen. Ich glaube, das wird wertgeschätzt. Es führt dazu, dass gute Beschlüsse gefasst werden. 

Zur Person

Dr. Steffen Korell (CDU) ist 37 Jahre alt, in Marburg geboren und in Stadtallendorf aufgewachsen. 2003 lernte er seine Frau Verena kennen und zog mit ihr nach Gersfeld-Sparbrod. 2014 haben sie geheiratet, und eine Tochter Freya (fünf Jahre) und einen Sohn Veit (neun Monate) bekommen. Bevor er 2014 zum Bürgermeister gewählt worden ist, arbeitete Korell als Rechtsanwalt in der Gersfelder Kanzlei Schmitt, Hoff und Kollegen. 2017 hat er promoviert.

Gersfelds Bürgermeister Korell: „Sehr zufrieden mit dem, was in den sechs Jahren geleistet worden ist“

Aktuell stehen wir vor Kommunalwahlen. In Gersfeld tut sich einiges: Grüne, FDP und BWG verschmelzen zum neuen Bündnis für Gersfeld (BfG). Statt fünf wird es voraussichtlich drei Fraktionen geben. Sehen Sie das als Vor- oder als Nachteil an?
Weder noch. Ich halte das neutral. Es ist immer schön und interessant, wenn etwas Neues entsteht. Diese Entwicklung ist auch der Tatsache geschuldet, dass alle Fraktionen gut zusammenarbeiten können. Es gibt keine Grabenkämpfe mehr. Die Debatten laufen sehr überparteilich ab. Ich finde es gut, wenn Sachthemen gefördert werden. 
In Gersfeld wurden wegweisende Beschlüsse gefasst: Der Kindergarten wird gebaut und die Projekte im IKEK-Programm laufen an. Mancher sagt jedoch, in Gersfeld dauert alles sehr lange. Was sagen Sie dazu?
Wenn man ein millionenschweres Wasserbauprogramm und einen Kindergartenneubau umsetzen muss – dann wird am Anschlag gearbeitet. Das sind große Themen, die viel Zeit und Arbeitskraft bedürfen. Wir haben einige Baustellen, viele Projekte laufen parallel. Aufgrund von viel Personalwechsel und Stellenvakanzen blieb einiges liegen. Das ist oft ein schwieriges und unangenehmes Arbeiten in der Verwaltung: Man muss immer dort einspringen, wo es am hellsten brennt und da das Feuer löschen. Und wenn Sie das IKEK ansprechen – dieses Förderprogramm ist gut, aber es steckt sehr viel Bürokratie dahinter.
Auch die politische Meinungsbildung dauert, nicht nur in Gersfeld, manchmal sehr lange. Auf Schnelligkeit kommt es aber auch nicht immer an – das Ergebnis ist wichtig. Ich bin sehr zufrieden mit dem, was in den sechs Jahren geleistet worden ist – etwa das Wohnungsbauprojekt im Brembacher Weg, der Rewe-Neubau, die Ausweisung von Bauland – es tut sich einiges. Die Stadt hat auch nicht immer das Heft in der Hand und ist beispielsweise darauf angewiesen, dass ein Eigentümer verkauft oder andere Behörden mitziehen. So muss manches Projekt manchmal lange vorbereitet werden. Man muss beharrlich bleiben.
Gersfeld hat also viele Baustellen?
Wenn man das Bürgermeister-Sein und das Politikmachen mit Kommunen im Speckrand Fulda vergleicht, die mehrere Millionen Euro als Rücklagen haben, dann ist dies sicherlich etwas ganz anderes als hier in Gersfeld, wo wir vier Millionen Euro Schulden haben und jeden Euro zweimal rumdrehen müssen. Wir müssen immer nach Förderprogrammen schauen. Hinzu kommt die topografische und geografische Lage im Biosphärenreservat. Wir haben Raumwiderstände durch Naturschutzgebiete. Deshalb werden wir hier kein Großgewerbe ansiedeln können, um Steuern zu akquirieren. Wir sind daher, neben sehr guten Handwerks- und Gewerbebetrieben, fast schon zwangsläufig auch auf Tourismus ausgerichtet. Aber Freibäder, Wanderwege und dergleichen zu unterhalten, kostet die Kommune erst mal Geld, das an anderer Stelle fehlt. 

„Viele Dinge, die verbessert werden könnten“ - Das sagt Steffen Korell zum Tourismus in Gersfeld

Wie steht es um den Tourismus, hat Gersfeld sein Potenzial ausgeschöpft? 
Grundsätzlich sind wir gut aufgestellt, zum Beispiel im Bereich Gastronomie. Es steht kein Gasthaus mehr leer, was mich sehr freut. Aber es gibt viele Dinge, die verbessert werden könnten: Wir müssen mit dem Prädikat Heilklimatischer Kurort intensiver werben. Wir wollen die Wanderinfrastruktur verbessern – ich hätte gern einen Zubringerweg zum Hochrhöner, der Fliegerweg zur Wasserkuppe soll ausgewiesen werden, die Homepage der Stadt müsste aufgefrischt werden und Vieles mehr. Es fehlt nicht an Ideen, da könnte ich zwei Bücher vollschreiben. Aber es hilft nichts, Luftschlösser zu bauen. Zum einen ist die Tourist-Info-Leiterstelle vakant und das Projekt „Tourismusbeirat“ noch am Anlaufen – man wird sehen, wie es hier weitergeht. Zum anderen fehlt es an Eigenmitteln. Wir sind fast immer auf Fördermittel angewiesen.

Gersfelds Bürgermeister im Interview: Darum will Steffen Korell Rathauschef bleiben

Wieso wollen Sie Bürgermeister der Stadt Gersfeld bleiben?
Der Job macht mir großen Spaß, ist abwechslungsreich und erfüllend. Jeder Tag ist anders, man lernt Vieles dazu, hat mit unterschiedlichen Menschen und Sachverhalten zu tun und kann Einfluss nehmen. Was mir aber aktuell sehr fehlt, ist der direkte Umgang mit den Menschen. Deshalb mache ich Haustürbesuche, um wenigstens mit einigen Bürgern – mit Abstand – ins Gespräch zu kommen. 
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten und unendliche finanzielle Mittel – welches Projekt würden Sie sofort umsetzen
Die Pflichtaufgaben – Wasserversorgung und Kindergartenbau – hätte ich gern bewältigt. Ansonsten ist der Wildpark ein Herzensprojekt. Wir wollen den Biosphärengedanken integrieren und den Park erweitern. Der Wildpark macht Freude und ist ein Aushängeschild für Gersfeld. 

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