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Gewalt gegen Helfer: Hochschule Fulda veröffentlicht Studie

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Von: Redaktion Fuldaer Zeitung

Symbolfoto: Patrick Seeger/dpa
Symbolfoto: Patrick Seeger/dpa

Fulda - Sanitäter wollen einen Verletzten versorgen und werden angegriffen – kaum vorstellbar, kommt aber regelmäßig vor. Das belegen die Ergebnisse einer Studie, die eine Forschungsgruppe der Hochschule Fulda durchgeführt hat.

Sie wollen helfen und werden selbst Opfer: Einsatzkräfte sind in ihrem Arbeitsalltag regelmäßig das Ziel von Gewalt. In Frankfurt wird derzeit ein solcher Fall vor dem Amtsgericht verhandelt. Ein Rentner soll zwei Sanitäterinnen angegriffen haben. Die Politik hat vor einigen Jahren reagiert, es gibt einen „Schutzparagrafen“ und empfindliche Strafen. Ärzte aus Praxen und Kliniken fordern weitere Nachbesserungen.

Die Aggressionen richten sich gegen alle Helfer und Einsatzkräfte. Naturgemäß sind am häufigsten Polizisten betroffen. Aber auch Feuerwehrleute und Rettungskräfte werden regelmäßig angegangen. Nach Einschätzung des hessischen Innenministeriums spielen bei der sinnlosen Gewalt oftmals „Respektlosigkeit und auch Imponiergehabe eine wichtige Rolle“.

2017 registrierten die hessischen Behörden mehr als 3500 Übergriffe auf Polizisten, 8 auf Feuerwehrleute und 53 auf Rettungsdienste. In den Zahlen sind sowohl Angriffe in Praxen und Kliniken als auch bei Einsätzen außerhalb erfasst.

Hochschule Fulda befragt Notaufnahmen

Eine Forschungsgruppe der Hochschule Fulda hat das Personal in 51 hessischen Notaufnahmen befragt, Zwischenergebnisse wurden vergangene Woche veröffentlicht und sie sind alarmierend: Knapp 76 Prozent von 354 Befragten erklärten, in den vergangenen zwölf Monaten körperliche Gewalt erlebt zu haben. Bei der verbalen Gewalt liegen die Zahlen mit 97 Prozent noch deutlich höher.

In der Studie der Hochschule Fulda gab mehr als jeder Vierte an, dass er über einen Berufswechsel nachdenkt. Knapp ein Drittel gab an, die Freude am Beruf zu verlieren. Nachts fühlen sich 39 Prozent der befragten Mitarbeiter meist nicht oder nie sicher. Weitere Folgen: Gereiztheit (43,7 Prozent), gedrückte Stimmung (36,2 Prozent), Abstumpfung (34,4 Prozent). Über drei Viertel der Befragten stimmten der Aussage zu, „dass das Erleben von Gewalt gegen die eigene Person in der Notaufnahme normal“ sei, berichtete die Hochschule.

In der Studie der Hochschule Fulda wurden die Mitarbeiter in den Notaufnahmen auch gefragt, was ihrer Ansicht nach Übergriffe auslöst. Die Annahmen dürften auch in anderen Bereichen zutreffen. Am häufigsten werden genannt: Alkohol oder Drogen (85,5 Prozent), lange Wartezeiten (83,3 Prozent), Verwirrtheit (55,1 Prozent), Unzufriedenheit mit der Versorgung (44,9 Prozent) und Verständigungsprobleme (37,7 Prozent).

Härtere Strafen für Täter

Im April 2017 wurde im Bundestag ein Gesetz verabschiedet zur „Stärkung des Schutzes von Vollstreckungsbeamten“. Damit sollen Polizisten, Retter und Feuerwehrleute besser vor tätlichen Angriffen geschützt werden. Solche Attacken können künftig mit bis zu fünf Jahren Haft geahndet werden. Das gilt auch für Übergriffe gegen Einsatzkräfte bei Streifenfahrten oder Unfallaufnahmen. Die Mindeststrafe beträgt drei Monate, Hessen macht sich für eine Verschärfung auf sechs Monate stark.

Im Februar 2018 gab es eine Demonstration unter dem Motto „Hände weg! Wir sind Eure Rettung“. Organisiert hatte sie die Frankfurter Feuerwehr, aber auch viele Sanitäter gingen mit auf die Straße, 250 waren es insgesamt. Ein halbes Jahr später zog einer der Organisatoren eine ernüchternde Bilanz: Die Situation im Alltag habe sich nicht geändert. Aber immerhin: „Die Bevölkerung hat wahrgenommen, dass wir ein Problem haben“, sagte der Frankfurter Feuerwehrmann Erik Brumm im Sommer. / dpa, lio

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