Jan-Philip Glania konzentriert sich für die Olympia-Qualifikation voll auf die 100-Meter-Distanz. / Foto: dpa

Glania im Interview: 31-Jähriger geht volles Risiko

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Frankfurt/Fulda - Spätestens mit dem Jahreswechsel hat für Deutschlands Schwimm-Elite der Olympia-Countdown begonnen. Die nächste Möglichkeit, die vom Deutschen Schwimmverband (DSV) geforderten Pflichtzeiten zu erfüllen, ist das Euro Meet in Luxemburg.

Von unserem Redaktionsmitglied Harry Wagner

Das hochrangig besetzte Schwimmfest im Großherzogtum findet am Wochenende vom 24. bis 26. Januar statt – und dabei ist auch der Petersberger Jan-Philip Glania.

Der 31-jährige Rückenspezialist möchte sich seinen Traum von der dritten Olympia-Teilnahme nach London 2012 und Rio de Janeiro 2016 erfüllen und muss in den kommenden Monaten bei offiziell zugelassenen (FINA approved) Qualifikationswettkämpfen nachweisen, dass er die 100 Meter Rücken in mindestens 53,70 Sekunden schwimmen kann. Für die 200 Meter ist eine Zeit von 1:57.00 Minuten aufgerufen.

Das Luxemburger Meeting ist bestückt mit einigen Stars der Szene wie Lagen-Weltrekordhalterin Katinka Hosszu (Ungarn), Schwedens Schwimmkönigin Sarah Sjöström, die Olympiasiegerin Pernille Blume (Dänemark) und Florent Manaudou (Frankreich).

Auch deutsche Medaillenhoffnungen wie Marco Koch (schwamm am 15. Januar in China die Norm über 200 Meter Brust) und Philipp Heintz sind mit von der Partie – und eben Glania.

Falls es in Luxemburg nicht klappt, gibt es noch mehr als ein Dutzend Schwimmfeste über ganz Europa verstreut, bei denen die Normen erfüllt werden können. Letzte Gelegenheit ist die Deutsche Meisterschaft in Berlin (29. April bis 3. Mai).

Nachdem Glania vor Weihnachten in Frankfurt auch vier Hessenmeistertitel eingesammelt hat, ging es zu Beginn des neuen Jahres ins Trainingslager des Hessischen Schwimmverbandes nach Fuerteventura – an dem auch Casian Zakota von den Wasserfreunden Fulda teilgenommen hat. Wir haben nachgefragt.

Herr Glania, wie ist das Trainingslager gelaufen, was hat es Ihnen gebracht?

Die Bedingungen in dem Sportresort auf Fuerteventura waren top. Zwischen den Jahren habe ich in Fulda trainiert und mir eine kleine Erkältung eingefangen. Die habe ich zum Glück rechtzeitig auskuriert. Auf Fuerteventura habe ich die Trainingspläne geschwommen, die mir mein Coach an die Hand gegeben hat. Es war harte Arbeit, aber es motiviert auch, mal wieder unter freiem Himmel bei schönem Wetter schwimmen zu können. Die Vorteil eines solchen Resorts ist zudem: Man hat kurze Wege, kann zwischendurch in den Kraftraum gehen, ohne Zeit zu verlieren. Nicht nur mental, auch sportlich haben diese zehn Tage etwas gebracht.

Ende der Woche geht es zum Euro Meet nach Luxemburg. Sie schwimmen die 100 Meter und sind dann noch als Startschwimmer für die hessische Staffel im Einsatz. Ist die Norm für Tokio da schon ein Thema?

Kaum. Es ist nicht damit zu rechnen, dass ich das mit meinem Trainingsrückstand jetzt schon schaffe. Es ist auch gar nicht so entscheidend, was rauskommt. Mein langfristiger Aufbau ist voll auf die Deutschen Meisterschaften ausgerichtet. Da muss ich topfit sein, da gilt es. Außerdem ist Luxemburg aufgrund der Beschaffenheit der Räumlichkeit kein gutes Becken für Rückenschwimmer.

Ist es nicht riskant, sich auf die letzte Quali-Gelegenheit zu fokussieren? Sie hätten dann keinen weiteren Schuss mehr frei...

Schon, erst recht, wenn man bedenkt, dass man auch krank werden kann. Aber ich möchte gerne das letzte Wort haben, so dass meine Konkurrenten nicht mehr kontern können. Es nützt mir nichts, wenn ich früh im Jahr die Norm erreiche und andere später dann noch schneller schwimmen.

Was steht denn sonst noch an zwischen Luxemburg und Berlin?

Im März starte ich in Stockholm. Ziel ist, da schon mal eine gute Zeit anzubieten.

Und es bleibt dabei, dass Ihr Hauptaugenmerk auf den 100 Meter Rücken liegen wird? Oder haben Sie die längere Strecke noch immer im Hinterkopf?

Nein, der Fokus liegt auf der kürzeren Strecke. Für die 200 Meter müsste ich in Sachen Grundlagenausdauer ganz anders als geplant vorgehen. Wenn die 50 Meter olympisch wären, hätte ich noch eine weitere Option gehabt.

Sie sagten kürzlich, dass sie unter anderem in Ihren Wenden Verbesserungspotenzial erkennen und daran mit Ihrem Coach arbeiten wollen. Sind Fortschritte erkennbar?

Die Wenden und die Starts, ja. Man muss da viele Details verändern, es ist Feinarbeit. Aber es ist ein ordentlicher Fortschritt zu sehen, da ist jetzt viel mehr Power drin.

Gesetzt den Fall, Sie qualifizieren sich in Berlin für Tokio. Was würde in den dann zweieinhalb Monaten bis zum Beginn der Sommerspiele passieren?

Das ist eigentlich der perfekte Zeitraum, um sich noch weiter nach vorne zu bringen. Trainingslager wären angesagt, ich würde dann auch eine kleine Wettkampftour ins Auge fassen.

Haben Sie sich gedanklich schon mit Tokio und den Bedingungen dort beschäftigt?

Eigentlich nicht. Das ist noch ziemlich weit weg. Die Schwimmhalle wurde ja für Olympia neu gebaut und ist erst vor einigen Wochen eröffnet worden.

Der Russe Evgeny Rylov hat 2019 die Jahresbestzeit mit 52,44 Sekunden erzielt. Schätzen Sie mal: Was wird man schwimmen müssen, um bei Olympia über 100 Meter eine Medaille zu holen?

Das dürfte in Weltrekordnähe gehen. Die Top-Athleten werden sich in Japan natürlich gegenseitig pushen. Um die 52,1 Sekunden wird man bringen müssen, um auf dem Podest zu landen.

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