Stefan Mohr, Baujahr 1961, vor seinem Stanley Steamer 735D, Baujahr 1919.
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Stefan Mohr, Baujahr 1961, vor seinem Stanley Steamer 735D, Baujahr 1919.

Mit Volldampf über Feld und Flur

Kuriosum Dampf-Auto: Stefan Mohr aus Großenlüder repariert und fährt 101 Jahre alten Oldtimer

  • Marcus Lotz
    vonMarcus Lotz
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Dampfbetriebene Autos sind heutzutage weltweit eine Seltenheit. So gibt es in ganz Deutschland derzeit lediglich zwei fahrtüchtige Dampfautos. Eines davon fährt Stefan Mohr aus Großenlüder.

  • Stefan Mohr aus Großenlüder besitzt ein ausgefallenes Fahrzeug.
  • Seit Jahren repariert und fährt der 59-Jährige einen Stanley Steamer - Baujahr 1919.
  • In ganz Deutschland gibt es nur zwei fahrtüchtige Dampf-Autos.

Großenlüder - Über ein Trittbrett gelingt der Einstieg in den 101 Jahre alten Oldtimer. Ein Blickfang ist sofort das hölzerne Armaturenbrett, das mit seinen urigen Zählern, Uhren und Anzeigen den Charme des frühen 20. Jahrhunderts aufleben lässt. Statt moderner Gangschaltung befindet sich in der Mitte der Fahrerkabine ein großer Hebel. Mit ihm wird ein Diesel-Benzin-Gemisch nach vorne in den Kessel gepumpt, in dem rund 190 Meter Rohr verbaut sind und der das Auto antreibt. Mit einem Hebel hinter dem Lenkrad gibt Stefan Mohr Gas. Beim Anfahren zischt der Kessel wie der einer kleinen Lokomotive. Knarzend, klappernd und rumpelnd setzt sich das Gefährt in Bewegung.

„Ich bin ein waschechter Schrauber“, erzählt Stefan Mohr auf der Fahrt durch Großenlüder. Wie zum Beweis zeigt er seine geschwärzten, rauen Hände vor. Der gelernte Elektroingenieur schraubt am liebsten an Oldtimern, von denen er drei besitzt. Den ersten, ein Opel 1,2 Liter aus den 30er-Jahren, entdeckte der 59-Jährige vor einigen Jahren rein zufällig im Internet.

Den ersten Oldtimer hat Stefan Mohr für seine Tochter auf Vordermann gebracht

Nach dem Kauf fehlte ihm zunächst der Elan, das Fahrzeug zu reparieren und es stand ein Jahr lang unberührt in der Garage. Dann entdeckte Mohrs kleine Tochter ihre Liebe zu dem Vehikel. Von da an erledigte der Vater viele Besorgungen mit dem Oldtimer, die Tochter immer mit dabei. „Sie ist in dem Auto quasi groß geworden. Das ist bis heute ihr geschützter Raum, ihre Burg.“

Der Oldtimer „Stanley Steamer 735D" ist Stefan Mohrs ganzer Stolz

Dampfbetriebene Autos sind weltweit eine Seltenheit. Jedoch nicht in Großenlüder, wo Stefan Mohr seinen 101 Jahre alten Oldtimer - einen „Stanley Streamer“ fährt und repariert.
Dampfbetriebene Autos sind weltweit eine Seltenheit. Jedoch nicht in Großenlüder, wo Stefan Mohr seinen 101 Jahre alten Oldtimer - einen „Stanley Steamer“ fährt und repariert. © Marcus Lotz
Dampfbetriebene Autos sind weltweit eine Seltenheit. Jedoch nicht in Großenlüder, wo Stefan Mohr seinen 101 Jahre alten Oldtimer - einen „Stanley Streamer“ fährt und repariert.
Dampfbetriebene Autos sind weltweit eine Seltenheit. Jedoch nicht in Großenlüder, wo Stefan Mohr seinen 101 Jahre alten Oldtimer - einen „Stanley Steamer“ fährt und repariert. © Marcus Lotz
Dampfbetriebene Autos sind weltweit eine Seltenheit. Jedoch nicht in Großenlüder, wo Stefan Mohr seinen 101 Jahre alten Oldtimer - einen „Stanley Streamer“ fährt und repariert.
Dampfbetriebene Autos sind weltweit eine Seltenheit. Jedoch nicht in Großenlüder, wo Stefan Mohr seinen 101 Jahre alten Oldtimer - einen „Stanley Steamer“ fährt und repariert. © Marcus Lotz
Dampfbetriebene Autos sind weltweit eine Seltenheit. Jedoch nicht in Großenlüder, wo Stefan Mohr seinen 101 Jahre alten Oldtimer - einen „Stanley Streamer“ fährt und repariert.
Dampfbetriebene Autos sind weltweit eine Seltenheit. Jedoch nicht in Großenlüder, wo Stefan Mohr seinen 101 Jahre alten Oldtimer - einen „Stanley Steamer“ fährt und repariert. © Marcus Lotz
Dampfbetriebene Autos sind weltweit eine Seltenheit. Jedoch nicht in Großenlüder, wo Stefan Mohr seinen 101 Jahre alten Oldtimer - einen „Stanley Streamer“ fährt und repariert.
Dampfbetriebene Autos sind weltweit eine Seltenheit. Jedoch nicht in Großenlüder, wo Stefan Mohr seinen 101 Jahre alten Oldtimer - einen „Stanley Steamer“ fährt und repariert. © Marcus Lotz
Dampfbetriebene Autos sind weltweit eine Seltenheit. Jedoch nicht in Großenlüder, wo Stefan Mohr seinen 101 Jahre alten Oldtimer - einen „Stanley Streamer“ fährt und repariert.
Dampfbetriebene Autos sind weltweit eine Seltenheit. Jedoch nicht in Großenlüder, wo Stefan Mohr seinen 101 Jahre alten Oldtimer - einen „Stanley Steamer“ fährt und repariert. © Marcus Lotz
Dampfbetriebene Autos sind weltweit eine Seltenheit. Jedoch nicht in Großenlüder, wo Stefan Mohr seinen 101 Jahre alten Oldtimer - einen „Stanley Streamer“ fährt und repariert.
Dampfbetriebene Autos sind weltweit eine Seltenheit. Jedoch nicht in Großenlüder, wo Stefan Mohr seinen 101 Jahre alten Oldtimer - einen „Stanley Steamer“ fährt und repariert. © Marcus Lotz
Dampfbetriebene Autos sind weltweit eine Seltenheit. Jedoch nicht in Großenlüder, wo Stefan Mohr seinen 101 Jahre alten Oldtimer - einen „Stanley Streamer“ fährt und repariert.
Dampfbetriebene Autos sind weltweit eine Seltenheit. Jedoch nicht in Großenlüder, wo Stefan Mohr seinen 101 Jahre alten Oldtimer - einen „Stanley Steamer“ fährt und repariert. © Marcus Lotz
Dampfbetriebene Autos sind weltweit eine Seltenheit. Jedoch nicht in Großenlüder, wo Stefan Mohr seinen 101 Jahre alten Oldtimer - einen „Stanley Streamer“ fährt und repariert.
Dampfbetriebene Autos sind weltweit eine Seltenheit. Jedoch nicht in Großenlüder, wo Stefan Mohr seinen 101 Jahre alten Oldtimer - einen „Stanley Steamer“ fährt und repariert. © Marcus Lotz
Dampfbetriebene Autos sind weltweit eine Seltenheit. Jedoch nicht in Großenlüder, wo Stefan Mohr seinen 101 Jahre alten Oldtimer - einen „Stanley Streamer“ fährt und repariert.
Dampfbetriebene Autos sind weltweit eine Seltenheit. Jedoch nicht in Großenlüder, wo Stefan Mohr seinen 101 Jahre alten Oldtimer - einen „Stanley Steamer“ fährt und repariert. © Marcus Lotz
Dampfbetriebene Autos sind weltweit eine Seltenheit. Jedoch nicht in Großenlüder, wo Stefan Mohr seinen 101 Jahre alten Oldtimer - einen „Stanley Streamer“ fährt und repariert.
Dampfbetriebene Autos sind weltweit eine Seltenheit. Jedoch nicht in Großenlüder, wo Stefan Mohr seinen 101 Jahre alten Oldtimer - einen „Stanley Steamer“ fährt und repariert. © Marcus Lotz

Dies war der Beginn seiner Oldtimer-Leidenschaft. „Später fragten mich Leute, ob sie das Auto für Hochzeiten buchen könnten.“ Weil der erste Oldtimer dafür nicht komfortabel genug war, kaufte Mohr sich einen zweiten.

Das Dampfauto, sein dritter Oldtimer, besitzt er nun seit etwa fünf Jahren. „Ein funktionierendes Auto wäre viel zu teuer gewesen, also habe ich es kaputt gekauft“, erzählt Mohr. 2500 Arbeitsstunden hat er seitdem in die Restaurierung des Fahrzeugs investiert. Weil Dampfautos weltweit eine Seltenheit sind, ist es sehr schwer, Ersatzteile zu ergattern. „Jede einzelne Schraube ist wichtig. Wenn du eine verlierst, musst du Leute kennen, die noch eine haben oder eine herstellen können“, weiß Mohr.

Mohr: „Die Straßenzulassung zu kriegen war ein einziger Albtraum“

Während der Fahrt behält er den Wasserstand permanent im Auge. „Zu wenig Wasser ist der sofortige Tod des Kessels.“ Und auch wenn eine Tankfüllung rund 100 Kilometer reicht, muss der Großenlüderer etwa alle 22 bis 25 Kilometer Wasser nachfüllen. „Irgendwann weiß man, wer auf der Strecke einen Gartenschlauch hat“, sagt Mohr.

Gut erinnert er sich an die erste Probefahrt. „Ich fuhr etwa 1,50 Meter weit. Dann wurde ich tollkühn und versuchte es mal mit 10 Metern. Irgendwann hat der Kessel endlich das gemacht, was ich will. Dann habe ich es auch mal um den Block geschafft.“

Die nächste große Hürde war der TÜV. „Die Straßenzulassung zu kriegen war ein einziger Albtraum“, erzählt der 59-Jährige. Doch der Aufwand hat sich gelohnt: Etwa 120 fahrtüchtige Dampfautos gibt es laut Mohr derzeit in ganz Europa. In Deutschland seien es lediglich zwei – eines davon fährt er selbst.

Kuriosum Dampfauto: Bei Spazierfahrten gerne bestaunt

Zum Einsatz kommt es nicht nur auf Hochzeiten, auch privat unternimmt Mohr gerne mal eine Fahrt ins Grüne oder reist zu Treffen von „Dampffreunden“. Bei seinen Fahrten habe er schon abenteuerliche Geschichten erlebt. So zieht der Oldtimer hin und wieder dichte, weiße Rauchschwaden hinter sich her. Das kann schon mal für Irritationen sorgen. „Ich wurde schon darauf hingewiesen, dass mein Auto brennt“, erzählt Mohr.

Auf der jüngsten Fahrt durch Bad Salzschlirf zieht das Gefährt immer wieder erstaunte und erfreute Blicke auf sich. Früher, erzählt Mohr, seien Dampfautos so selbstverständlich gewesen wie Smartphones in der Gegenwart. „Heute kennt sich leider kaum noch jemand mit der Technik in Dampfautos aus.“

Und die hält Mohr kontinuierlich auf Trab. „Die eine Pumpe arbeitet leider noch nicht so, wie ich will“, stellt der Schrauber am Ende der Fahrt fest. „Da muss ich noch mal ran.“

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