Die Gemeindevertreter lehnen die Erweiterung unter allen Umständen ab.
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Die Gemeindevertreter lehnen die Erweiterung unter allen Umständen ab.

Kritik: Belastung zu groß

Steinbrucherweiterung: Gemeindevertreter lehnen Pläne von ZKW Otterbein einstimmig ab

  • Marcus Lotz
    vonMarcus Lotz
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Die Erweiterungspläne der Zement- und Kalkwerke Otterbein (ZKW) haben die Sitzung der Gemeindevertretung dominiert. Die Vertreterinnen und Vertreter lehnen die Pläne einstimmig ab. Doch auch der Wahlkampf war präsent.

Großenlüder - „Der geplante ortsnahe Kalksteinabbau würde sowohl in Bezug auf Anwohnerbelastungen durch Lärm, Emissionen, Staub, Schadstoffe, Erschütterungen als auch für den Ort Müs bezüglich Grundwasserabsenkungen zu großen Schäden führen“, heißt es im Antrag der UBL, den der Fraktionsvorsitzende Manfred Ebert vorstellte. Die geplante Erweiterung, welche das Abbaugebiet bis auf 135 Meter an die Ortslage Müs heranführen soll, sei daher „vorbeugend und schützend zu vermeiden“.

Ebert erinnerte daran, dass sich die Gemeinde bereits seit Jahrzehnten immer wieder mit Plänen zu Erweiterungen habe befassen müssen. Ein Gutachten hätte bereits im Jahr 1995 den für Sprengungen „unkritischen Bereich“ auf 300 bis 1500 Meter festgelegt. Auch die ZKW-Geschäftsleitung selbst habe den Abstand von 300 Metern als Obergrenze festgelegt.

Gemeindevertreter lehnen Plan von ZKW-Otterbein zur Steinbrucherweiterung ab

CDU-Fraktionsvorsitzende und Bürgermeisterkandidat Marco Herbert betonte: „Die CDU-Fraktion und ich persönlich lehnen die Planungen von ZKW entschieden ab.“ Die Bürgerbefragung in Müs habe „ein sehr deutliches Bild“ ergeben: Die Belastungen durch den Abbau sei groß. Herbert fordere die ZKW-Geschäftsführung auf, diese Tatsache ernstzunehmen. Niemand könne mit Sicherheit sagen, welche Auswirkungen eine Erweiterung habe. „Ich prognostiziere, dass auch kein Gutachten diese Zweifel restlos ausräumen wird.“ Herbert legte sich fest: „Solange es noch ein Restrisiko gibt, ist dieses Vorhaben nicht genehmigungsfähig.“

Nun sei Standhaftigkeit, Durchsetzungskraft und klare Worte den Entscheidungsgremien gegenüber gefordert. ZKW müsse die Planungen auf den Prüfstand stellen und sich „neue, vielleicht sogar gänzlich andere Geschäftsfelder“ suchen.

Der SPD-Fraktionschef und Bürgermeisterkandidat Florian Fritzsch stimmte zu: „Die Wahrnehmung der Betroffenen ist, dass man hohen Schadstoffwerten, dauernden Sprengungen, Lärm, Staub und der Gefahr einer Grundwasserabsenkung ausgesetzt ist.“ Die Belastungen seien objektiv nachweisbar.

Kritik: Belastungen durch eine Erweiterung des Steinbruchs zu groß

Bereits im Jahr 1987 habe die Gemeinde große Vorbehalte wegen zerstörter Lebensräume gehabt. „Es gibt auch heute noch große Bedenken, dass wir diese Zerstörung je wieder auch nur ansatzweise reparieren können.“ Bereits damals habe man sich stark dafür gemacht, dass insbesondere der Abbau in den Gebieten, um die es in der aktuellen Debatte gehe, nicht genehmigungsfähig sei. Eine Erweiterung sei aufgrund der Abwägung von industriellen Interessen und der Bewahrung des Lebensraums für Mensch und Natur „mit mir oder der SPD nicht zu machen“.

An Herbert gerichtet sagte Fritzsch: „Bis zu der Erkenntnis, die du heute Abend offenbart hast, war es ein sehr kurviger Weg, weil du dich erst im Wahlkampf intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt hast.“ Ende August habe Herbert noch gesagt, dass er Neutralität wahren wolle und die unternehmerischen Interessen gewahrt bleiben müssten. Dazu kommt laut Fritzsch: „Das Wording, das du benutzt hast, findet sich eins zu eins auf der Internetseite von ZKW.“ Fritzsch kritisierte: „Ich habe keine Ahnung, was für eine Halbwertszeit deine Aussagen haben.“

Wahlkampf ist in Gemeindevertretersitzung präsent

Herbert warf Fritzsch daraufhin vor, das Thema „für einen ganz merkwürdigen Wahlkampf“ zu missbrauchen.

Karl Süss (UBL) stellte nach dem Wortwechsel ironisch fest: „Es freut mich, dass wir mit unserem Antrag den beiden Bürgermeisterkandidaten eine Plattform für ihren Wahlkampf bieten konnten.“

Die Gemeindevertretung beschloss anschließend einstimmig, dass sie die geplante Erweiterung auch mit Verweis auf den Beschluss aus dem Jahr 1987 ablehnt. Der Beschluss soll unter anderem der Regionalversammlung Nordhessen, Landrat Bernd Woide, dem Kreistag des Landkreis Fulda, dem Regierungspräsidium Kassel sowie der ZKW-Geschäftsleitung zugeleitet werden.

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