Ortsvorsteher Jürgen Hübl ist in Sorge um die Zukunft des Kernorts Großenlüder.
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Ortsvorsteher Jürgen Hübl ist in Sorge um die Zukunft des Kernorts Großenlüder.

Klartext im Steinbruch-Streit

Ortsvorsteher Jürgen Hübl aus Großenlüder sagt: Für ZKW Otterbein wird es Zeit, sich ein neues Standbein zu suchen

  • Volker Nies
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Im Streit um die von den Zement- und Kalkwerken (ZKW) Otterbein geplante Erweiterung des Steinbruchs konzentrierte sich bisher auf den unmittelbar betroffenen Ortsteil Müs. Jetzt meldet sich der Ortsvorsteher des Kernorts Großenlüder zu Wort. Er lehnt die Erweiterung deutlich ab und spricht Klartext.

  • Jürgen Hübl, Ortsvorsteher von Großenlüder, lehnt die Erweiterung des Zement- und Kalkwerks (ZKW) Otterbein ab.
  • Nach 130 Jahren sei es für die ZKW an der Zeit sei, sich für die Zukunft ein neues Standbein aufzubauen, sagt Hübl.
  • Der Ortsvorsteher will „das letzte Stück vom Langen Berg“ als ein „wunderschönes Biotop mit seiner gesamten Flora und Fauna“ unbedingt schützen.

Großenlüder - „Die Erweiterung betrifft zwar in erster Linie Müs, doch auch die angrenzenden Ortsteile Großenlüder und Uffhausen haben schon jetzt mit erheblicher Luft- und Lärmbeeinträchtigung zu kämpfen“, sagt Ortsvorsteher Jürgen Hübl und spricht Klartext. Er gehört auch der UBL-Fraktion in der Gemeindevertretung an.

Hübl verweist auf die Aussage des Unternehmens, dass das geplante Abbaugebiet für zehn Jahre reichen würde. „Was kommt dann? In welche Richtung soll dann erweitert werden? Hier müssten die ZKW ihre weiteren Zukunftspläne darlegen. Ich bin überzeugt, dass da vom Unternehmen in den nächsten Jahren noch mehr beantragt wird.“

Die obige Abstimmung lief bis Samstag (11. Juli), 12 Uhr. Wir hatten gefragt: Halten Sie es für richtig, dass die Zement- und Kalkwerke Otterbein ihren Steinbruch bis auf 135 Meter an den Ort Müs heran erweitern wollen? Aus unserer nicht-repräsentativen Online-Umfrage mit krasser Beteiligung lassen sich einige interessante Ergebnisse herauslesen.

Bereits 130 Jahre bauten die ZKW Kalk ab. „Die Ressourcen neigen sich langsam dem Ende entgegen. Hier sollten es sich die Genehmigungsbehörden genau überlegen, ob die Erweiterung und Tieferlegung des Steinbruchs im Einklang mit Natur und Mensch vertretbar ist“, sagt der Ortsvorsteher. Er mache sich große Sorgen um die Absenkung des Grundwasserspiegels, die Luftverschmutzung, die Lärmbelastung und das Zurückdrängen der Natur.

Steinbrucherweiterung in Müs: Schlechte Luftwerte sollten berücksichtigt werden

Großenlüder nehme bei den Luftwerten in Hessen nach Angaben des Emissionskatasters Hessen einen der schlechtesten Plätze ein. „Die ZKW versichern, dass sie nach Gesetz und bestehenden Genehmigungen arbeiten und Grenzwerte einhalten, was ich ihnen nicht absprechen möchte. Nur nützt das der Bevölkerung wenig, wenn wir hier in einer Gegend leben, wo die Luftwerte so schlecht sind, dass viele Menschen mit Atemwegsproblemen und Krankheiten zu kämpfen haben.“

Gerade bei Quecksilber, Benzol und Feinstaub seien die Werte hoch. „Großenlüder ist eine junge Gemeinde, viele junge Familien lassen sich hier nieder. Deshalb sollte man nicht nur auf die Interessen der ZKW Otterbein bei der Erweiterungsgenehmigung achten, sondern in erster Linie auf die Natur und die Menschen, die in unmittelbarer Nähe zum Werk leben.“

Hübl sagt, er bitte das Regierungspräsidium Kassel, die Gemeinde Großenlüder in ihre Entscheidungen einzubeziehen. Die Geschäftsleitung der ZKW bitte der Ortsvorsteher, an den Sitzungen des Umweltbeirates sowie am Runden Tisch zur Steinbrucherweiterung teilzunehmen. „Durch seine Teilnahme hätte das Unternehmen Vertrauen aufbauen können.“

ZKW Otterbein: Fachexpeten kümmern sich um Genehmigungsverfahren für Steinbruch-Ausbau

Als Ortsvorsteher von Großenlüder sei er der Meinung, dass es nach 130 Jahren Lärmbelastung, Luftverschmutzung und Zurückdrängen der Natur sowie zu Ende gehender Ressourcen für die ZKW an der Zeit sei, sich für die Zukunft ein neues Standbein aufzubauen und andere Wirtschaftszweige zu suchen. Andere Betriebe hätten die Umstellung ihres Betriebs „auch hinbekommen“.

Auch ein Steinbruch sei irgendwann einmal leergeräumt. Hübls Appell: „Lasst uns das letzte Stück vom Langen Berg für uns und unsere Nachkommen erhalten. Dieses wunderschöne Biotop ist mit seiner gesamten Flora und Fauna unbedingt zu schützen. Es wäre schade, wenn unsere Kinder in Zukunft nicht mehr den schönen Ausblick vom Langen Berg auf unser schönes Lüdertal genießen könnten.“

Das Unternehmen ZKW Otterbein erklärt auf seiner Internetseite, es befinde sich in einer frühen Planungsphase. Aktuell hätten Fachexperten vor dem formellen Genehmigungsverfahren Untersuchungen zu einigen relevanten Themenfeldern aufgenommen. Die Untersuchungen münden in Gutachten zu den Themen Grundwasser, Lärm, Staub, Erschütterung, Standsicherheit, Abbau, Rekultivierung, Umweltverträglichkeit und Artenschutz.

Lesen Sie hier: Neben Marco Herbert (CDU) bewirbt sich auch SPD-Fraktionschef Florian Fritzsch, der als parteiunabhängiger Kandidat antritt, um die Nachfolge von Rathauschef Werner Dietrich (UBL).

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