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Großstadt-Debatte dreht sich weiter: Petersberger Bürgermeister meldet sich zu Wort

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Petersberg - Die Debatte, ob Fulda mit dem Gemeinden Petersberg, Künzell und Eichenzell eine Großstadt bilden soll, dreht weiter Kreise. Jetzt äußert sich auch Carsten Froß, Bürgermeister in Peterberg. Am Freitagabend meldete sich auch die FDP Fulda zu Wort.

„Es geht mir bei diesem Thema ähnlich wie meinem Amtskollegen Timo Zentgraf aus Künzell“, sagt Froß. „Eigentlich ist alles dazu gesagt; neue und nachvollziehbare Argumente gibt es nicht.“

Aufgrund der aktuellen Entwicklung scheine eine Stellungnahme aus Petersberg allerdings angebracht. „Es kann doch nicht sein, dass eine so wichtige Debatte alle Jahre wieder einseitig über die Presse angestoßen wird. Was soll das?“, so der Bürgermeister. „Auch der Hinweis aus Fulda, man wolle demnächst mit den Fraktionsvorsitzenden der betroffenen Gemeinden gemeinsam das Thema Fusion beleuchten, ist aus meiner Sicht nicht der richtige Ansatz.“ Hier würden definitiv alle Stadt- und Gemeindeoberhäupter (Oberbürgermeister und Bürgermeister) an einen Tisch gehören.

„Offensichtlich unrichtige Behauptungen“

„Inhaltlich werden teilweise auf Seiten der Verfechter einer Fusion offensichtlich unrichtige Behauptungen aufgestellt, um einer Entscheidung für eine großen Stadt Fulda Vorteile zu verschaffen“, sagt Froß und fragt: „Was soll das? Wie kann und soll beispielsweise einer künstlich fusionierten großen Stadt Fulda der Ankauf von nicht verfügbaren Gewerbeflächen besser gelingen, als einer Gemeinde Künzell oder Petersberg?“ Flächen seien nicht vermehrbar und es bleibe der berechtigte Anspruch vieler Haupterwerbslandwirte, ausreichend Flächen zur Bewirtschaftung vorhalten zu können. „In Petersberg habe ich die interkommunale Zusammenarbeit stets fest im Blick und arbeite an verbesserten Strukturen und Ergebnissen“, so der Bürgermeister.

„Dafür stehe und kämpfe ich!“

Sein Fazit lautet: „Handwerklich und inhaltlich ist diese Diskussion in dieser Form aus meiner Sicht hochgradig unprofessionell. Eine Gemeindefusion kann und soll niemals ohne Not und ohne mehrheitlichen Willen der Bevölkerung angegangen werden. Beides sehe ich für Petersberg nicht.“ Als gewählter Bürgermeister habe er sich dem Dienst der Gemeinde verpflichtet. „Dafür stehe und kämpfe ich!“

Stellungnahme FDP

In einer Stellungnahme der FDP Fulda äußerte sich Kreisvorsitzender Mario Klotzsche, die Vorsitzende des FDP Stadtverbandes Fulda Sibylle Herbert und der Vorsitzende des FDP Ortsverbandes Petersberg-Künzell, Jürgen Plappert, wie folgt:

„Wir Freie Demokraten sind uns einig. Die aktuelle Diskussion über eine Fusion der Stadt Fulda mit den Gemeinden Peterberg, Künzell und Eichenzell bringt die Stadtregion und den Landkreis Fulda nicht voran. Wir sind in der Region gut aufgestellt mit einem erfolgreichen Oberzentrum Fulda und wirtschaftlich gesunden Gemeinden im Umland, die ihren eigenen Charakter und ihre eigene Identität bewahren können und sollen. Welchen Nutzen hätten die Bürgerinnen und Bürger in einer Großflächenstadt Fulda, die sich über 25 Kilometer von Lüdermünd im Norden bis Zillbach im Süden ausdehnt?“

„Wir wollen keine zentralistischen Verwaltungsstrukturen, in denen die Bürgerinnen und Bürger nur eine anonyme Nummer sind. Die Stadt Fulda hat jetzt schon 24 Stadtteile, Petersberg besteht aus 6 Ortsteilen, Künzell erstreckt sich über 9 Ortsteile und Eichenzell besteht aus 11 Ortsteilen. Das zeigt, die Region zeichnet sich eben nicht durch eine starke Konzentration aus, sondern die Stadt Fulda und die Gemeinden im Umland leben von der Vielfältigkeit der Orte, wo man sich kennt, für einander Verantwortung übernimmt und vor Ort selbst entscheidet, was das Beste ist.“

„Befragt man Fachleute ergibt sich klar, dass die Überschreitung der 100.000 Einwohnermarke einer Flächenstadt Fulda nur eine wirkliche Veränderung mit sich bringen würde, die Anhebung der Besoldungsstufen für den hauptamtlichen Magistrat. Fulda ist bereits Oberzentrum, mehr geht nicht. Die Ansiedlung von Unternehmen richtet sich nicht nach der 100.000 Einwohnergrenze, sondern es geht hier schlicht auf gute Standortbedingungen an. Die Gemeinde Eichenzell hat das mit dem Industriepark Rhön eindrücklich bewiesen.“

„Für die Menschen in der Stadt Fulda und dem Landkreis hätte eine solche Fusion keinen Vorteil. Noch unsinniger sind die Bestrebungen eine fusionierte Flächenstadt Fulda kreisfrei zu machen. Wir brauchen nicht mehr Verwaltung und mehr Behörden, sondern eine Struktur, die möglichst nah an den Bürgern ist. Bürgernähe und das Verständnis von der Situation vor Ort sind wichtiger, als die Schaffung zusätzlicher bürokratischer Strukturen.“

„Statt durch Übernahmepläne und Großspurigkeit das Verhältnis zu den Gemeinden Petersberg, Künzell und Eichenzell zu belasten, sollten sich die Fusionsbefürworter mit den drängenden Problemen in der Region beschäftigen, beispielsweise dem Mangel an Fachkräften und Gewerbeflächen für heimische Betriebe, dem Wohnungsbau, dem Ausbau der Glasfasernetze und der Förderung von jungen Gründern und mittelständischen Unternehmen in der digitalen Welt von morgen.“ / lea, sec

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