Archivfoto: Stadtarchiv Fulda/Wolfgang Haber

Großstadt-Debatte: Kooperation statt Konfrontation

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Das Thema Gebietsreform ist für Fuldas Stadtpolitiker noch längst nicht durch. Die Etat-Debatte in der Stadtverordnetenversammlung hat aber auch gezeigt: Die Fraktionen setzen mehrheitlich auf Kooperation statt auf Konfrontation. Und: Am Ende müssten die Bürger entscheiden.

Von unserem Redaktionsmitglied Eike Zenner

In Künzell, Petersberg und Eichenzell stoßen die Debatten um eine mögliche Großstadt Fulda unverändert auf wenig Gegenliebe. Die Fuldaer Stadtpolitik gibt das Ziel nicht auf, betont aber das Gemeinsame in der Stadtregion und setzt auf interkommunale Zusammenarbeit. Lässt man die Spitzen von SPD-Fraktionschef Jonathan Wulff gegen Künzells Bürgermeister Timo Zentgraf (parteilos) außen vor, dann waren alle Redner, die sich zu dem Thema äußerten – auch Wulff selbst –, merklich um eine Versachlichung der Debatte bemüht.

Die Stadt müsse in Sachthemen den Dialog mit den Gemeinden Petersberg, Eichenzell und Künzell suchen und gemeinsam Antworten auf aktuelle Herausforderungen finden, erklärten sowohl die Vorsitzende der Unionsfraktion, Patricia Fehrmann, als auch Grünen-Fraktionschefin Silvia Brünnel.

Alt sprach von guter Nachricht

Fehrmanns Vize Hans-Dieter Alt lobte ausdrücklich den am Donnerstag bekannt gewordenen Beschluss der vier Stadtregion-Bürgermeister, die Kooperation im Bereich des interkommunalen Gewerbegebiets auszuweiten. „Das ist eine gute Nachricht“, betonte Alt.

Der Vorsitzende des Haupt- und Finanzausschusses machte aber zugleich deutlich, dass die Großstadt-Diskussion aus seiner Sicht noch nicht beendet ist. Es gehe darum, „eine vor 40 Jahren gegen große Widerstände der Bürgerschaft erzwungene Gebietsstruktur auf den Prüfstand zu stellen“, sagte Alt.

„Versachlichung der Debatte“ gefordert

Wenn eine Region nicht zumindest analysiere, welche Potenziale in einer veränderten Struktur steckten, dann würden Entwicklungsmöglichkeiten „fahrlässig vergeben“. Der CDU-Politiker betonte, es gehe nicht darum, größer zu werden, es gehe um Zukunftschancen im Wettbewerb der Regionen.

SPD-Fraktionschef Wulff forderte eine „Versachlichung der Debatte“. Er sprach sich einmal mehr für eine unabhängige Studie aus, die aufzeigen solle, wie die Kommunen in Zukunft zusammenarbeiten können und ob eine Fusion sinnvoll sein könnte.

Kritik sieht Wulff als Bestätigung seiner Position

Wulff sieht in einem Zusammenschluss viele Vorteile: „Wenn wir uns beispielsweise die Frage stellen, wo neue Wohngebiete entstehen sollen, dann könnten wir das an den Bedürfnissen der Menschen und der Umwelt ausrichten und müssen uns nicht um die Organisationsinteressen einer Gemeinde scheren.“

Die Kritik aus den Umlandgemeinden – unter anderem von Bürgermeister Zentgraf – sieht Wulff indes als Bestätigung seiner Position. „Wenn sich eine Reihe von Gemeindeoberhäuptern gezwungen sieht, auf Äußerungen eines Feierabend-Politikers zu reagieren, der obendrein der SPD – und das in Fulda – angehört, dann ist an den Thesen entweder beunruhigend viel dran oder der Hobby-Politiker ist als Person derartig bedeutsam, dass man um seine Äußerungen schlichtweg nicht herumkommt.“

Entscheidung liege bei Bürgern

Konsens ist die Haltung der SPD gleichwohl nicht. Der Vorsitzende der FDP-Fraktion, Michael Grosch, sprang in seiner Etat-Rede Zentgraf zur Seite. Dieser könne, so Grosch, die Diskussion „zu recht nicht nachvollziehen“.

Die Liberalen wollten sich Gesprächen nicht entziehen, aber „nur weil es gut klingt, muss es nicht gut werden“. Die Entscheidung, so Grosch, liege letztlich bei den Bürgern. „Und wenn man Gesprächen folgt, so scheint doch eine Mehrheit gegen ein solches Vorhaben zu sein.“

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