Künzells Bürgermeister Timo Zentgraf / Archivfoto: Volker Nies

Großstadt-Debatte: Politiker aus Künzell und Eichenzell äußern harsche Kritik

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Künzell/Eichenzell - Die Großstadt-Debatte flammt neu auf. Nachdem sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Jonathan Wulff gegenüber unserer Zeitung und anderen Medien geäußert hat, dass er einen Zusammenschluss für dringlich geboten halte, meldet sich nun Künzells Bürgermeister Timo Zentgraf zu Wort.

In einer Pressemeldung erklärt Künzells Bürgermeister, dass er sich nach mehreren Medien-Berichten nun nicht zurückhalten können und äußern will. „Ich habe Puls“, heißt es in den ersten Zeilen der Pressemitteilung.

Außerdem heißt es darin weiter: „ ,Jeder profitiert am Ende und wir würden die wichtige 100.000 Einwohner-Marke knacken‘ ist eine seit Monaten oder auch Jahren getroffene Behauptung ohne sachliche Argumente, die gebetsmühlenartig wiederholt wird, aber dadurch nicht besser wird. Wer ist zum Beispiel ,jeder‘? Wie heißt es so schön in einer Weisheit der Dakota-Indianer: ,Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab!‘ Wer hilft Herrn Wulff endlich bei der Erkenntniserlangung?“

Neue Diskussionsansätze

Wulff äußert sich zudem zu einem Bericht aus der Fuldaer Zeitung vom 29. September 2017 („Wir sind keine Grundstücksliferanten“). Er kritisiert, dass die Landwirte ihn verschmähen, aber vor dem Oberbürgermeister der Stadt Fulda, Heiko Wingenfeld (CDU) in die Knie gehen und freudestrahlend ihr Land an die Stadt verkaufen würden.

Nach dieser Kritik brachte Künzells Bürgermeister neue Gedanken in die Diskussion ein: „Die Stadt will wachsen, mehr große Firmen anlocken – warum? Größenwahn? Wir haben nicht genug Gewerbeflächen für unsere eigenen heimischen Firmen, warum sollen wir dann weitere Firmen anlocken wollen? Wer soll in diesen Firmen arbeiten? Wir haben Vollbeschäftigung und alle heimischen Firmen suchen händeringend nach Fachkräften.“

Wohnraum muss geschaffen werden

Seiner Meinung nach müsse zunächst Wohnraum geschaffen werden, um einen Zuzug für Arbeitskräfte und ihre Familien möglich zu machen. „Reicht die Infrastruktur mit der aktuellen Straßensituation noch aus? Bekommen wir dann auch eine U-Bahn oder S-Bahn wie in einer richtigen Großstadt? Ist es für uns „Fuldaer“ erstrebenswert in einer Großstadt wie Frankfurt, Offenbach oder Hanau zu wohnen? Für mich jedenfalls nicht“, macht Zentgraf deutlich.

Zum Abschluss erklärt er, dass er auf Argumente für eine Eigenständigkeit von Künzell verzichten würde, da diese zu lange dauern würden. Für ihn hieße das Zauberwort „interkommunale Zusammenarbeit statt Fusion“. Bei den derzeit führenden Köpfen der Stadtregion sei dies möglich.

Stellungnahme von Lutz Köhler

Zentgraf ist aber nicht der einzige, der sich zur Großstadt-Debatte zu Wort meldet. Auch der SPD-Bürgermeisterkandidat in Eichenzell, Lutz Köhler äußerte sich am Donnerstag zu dieser Thematik. „Ich bin schon sehr enttäuscht darüber, dass eine Diskussion über eine ,Großstadt Fulda‘ ohne Rücksprache mit den anderen selbständigen Kommunen angestoßen wird. An Eichenzell wurde überhaupt keine ernst gemeinte Anfrage gerichtet. Ich halte das für einen schlechten Stil“, so Köhler.

Die Gemeinde Eichenzell sei solide aufgestellt und eine funktionierende Vereinskultur sei vorhanden, betonte der Bürgermeisterkandidat: „Diese ließe sich in der Großstadt in dieser Form nicht mehr aufrechterhalten, das würde den Charakter der Gemeinde zerstören.“

Er sei ebenfalls dafür, dass Eichenzell eigenständig bleibe, betonte er zum Schluss seiner Pressemeldung. / sec

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