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Ukraine-Krieg lässt Spritpreise explodieren - Taxi-Unternehmen aus Fulda stellt auf Elektro-Autos um

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Von: Alina Komorek

Tanken in Deutschland wird immer teurer. Hiesige Unternehmen müssen sich überlegen, wie sie auf die Sprit-Krise reagieren.
Tanken in Deutschland wird immer teurer. Hiesige Unternehmen müssen sich überlegen, wie sie auf die Sprit-Krise reagieren. (Symbolfoto) © Sven Hoppe/dpa

Der in der Ukraine tobende Krieg treibt die Preise im Energiesektor nach oben. Auch die Spritpreise explodieren derzeit. Wie gehen Speditions- und Taxi-Unternehmen sowie Lieferdienste mit der Preisentwicklung um?

Fulda - Russlands Krieg gegen die Ukraine treibt die Spritpreise in Deutschland täglich auf neue Rekordhöhen. Bundesweit kostete ein Liter Super E10 am Sonntag im Durchschnitt schon 1,965 Euro - und Diesel war wegen der hohen Nachfrage nach Heizöl sogar noch zwei Cent teurer mit 1,984 Euro, wie der ADAC am Montag mitteilte. (Lesen Sie auch: Ukraine-Krieg macht Lebensmittel teurer - Experten rechnen mit weiteren Preiserhöhungen)

Seit Kriegsbeginn am 24. Februar ist Super E10 bereits um 21 Cent teurer geworden, der Dieselpreis ist sogar um 32 Cent emporgeschnellt. Während von den hohen Spritpreisen so gut wie jeder Bürger und jede Bürgerin betroffen sind, trifft die Preissteigerung gerade die besonders hart, die hart, die mit Lkw- und Autofahrten ihr Geld verdienen. So wie Unternehmen aus dem Kreis Fulda. Wie sich der Ukraine-Krieg auf die Region auswirkt, lesen Sie in unserem News-Ticker.

Fulda: Explodierende Spritpreise - So reagiert ein Taxi-Unternehmen

Spedition Dröder: „Der Anstieg der letzten Monate hat die Speditionsbranche vor Herausforderungen gestellt“, erklärt Hans-Jörg Dröder, Geschäftsführer der gleichnamigen Spedition in Künzell. „Im Preis ist schon ein sogenannter Diesel Floater enthalten, sodass wir uns an die höheren Dieselpreise anpassen können – denn wir haben aktuell sehr kurz laufende Preise, die schnell wieder hinfällig sind“, erklärt Dröder.

Die Situation stelle das Unternehmen vor Herausforderungen. „Man darf nicht vergessen, dass in jedem Produkt ein Anteil Transport und Logistik enthalten ist“, gibt Dröder zu bedenken. „Und erneut ist mit einem Anziehen der Inflation zu rechnen.“

Gegenüber der Kundschaft habe die Spedition die Preise noch nicht angepasst, denn so kurzfristig sei das nicht möglich. Einen Nachteil sieht Dröder vor allem darin, dass für Unternehmen im europäischen Ausland weniger hohe Kosten anfallen, da dort der Spritpreis nicht so hoch ist wie hierzulande.

Mehrere Preisanpassungen im Jahr - Spedition Dröder plant voraus

„Und da das ziel unserer Regierung ist, mit steigenden Preisen den CO2-Ausstoß zu verringern, müssen wir uns damit auseinandersetzen und die Preise anheben.“ Weil momentan viel Bewegung im Preis sei, plant Dröder, die Preise häufiger als einmal im Jahr anzupassen: „Vielleicht quartalsweise, denn wir müssen kurzfristiger reagieren.“

Dröder rechnet vor; wenn der Preis für Diesel sich innerhalb eines Jahres verdoppelt hat, bedeutet das für die Tankzüge, die sein Unternehmen beliefern: 3000 Euro mehr pro Tankzug. Der kommt einmal pro Woche und bringt 30.000 Liter.“ Sein Blick in die Zukunft der Kraftstoffpreise bleibt düster. Aber er bleibt zuversichtlich: „Wir sind ein traditionsreiches Unternehmen und haben schon einige Krisen überstanden.“

Hamperl hofft auf staatliches Eingreifen

Spedition Zufall: Michael Hamperl ist stellvertretender Niederlassungsleiter der Spedition Zufall. Zu dem preistreibenden Faktor Diesel sagt er: „Klar, die Spritpreise haben eine unheimliche Dynamik angenommen. Wir müssen diese Konditionen anpassen.“ Diese würden auch wieder reduziert, sobald der Dieselpreis wieder falle – jede Reaktion, nach oben und nach unten, fände aber zeitversetzt statt.

Hamperl weist aber auch daraufhin, dass nicht nur höhere Preise beim Tanken der Lkws anfallen, sondern die Preissteigerung allgemein auf das Unternehmen wirkt: „Zum Beispiel die höheren Anfahrtkosten – das wirkt dann auch zeitversetzt auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ja auch zum Unternehmen kommen müssen.“

Für die steigenden Gesamtkosten müsse sein Unternehmen nun auch Lösungen finden. Er hofft, dass der Staat ein wenig eingreift, um die Steigerungen zu dämpfen. „Ich glaube, der Dieselpreis wird sich nach unten regulieren müssen, aufgrund der wirtschaftlichen Zwänge dahinter.“ Er schaue noch immer zuversichtlich in die Zukunft, gibt aber zu: „Es gab schon angenehmere Zeiten.“

Neue Flotte für Fuldaer Taxi-Unternehmen - Sind E-Autos die Rettung?

Fulda-Taxi: Aus Falah Abbasi von Fulda-Taxi platzt es heraus: „Das ist schrecklich.“ Weil er die Preise von der Stadt vorgegeben bekommt, kann er sie nicht direkt auf die Kundschaft umlegen. Und bis die Preise an die gestiegenen Spritpreise angepasst sind, kann das dauern.

Abbasis Ausweg: „Ich steige sofort auf Elektrik um.“ Die Anfrage an diverse Autohändler sei schon raus, aber bis so ein E-Auto als Taxi geliefert wird, könne das dauern. Abbasi möchte seine gesamte Flotte auf E-Autos umstellen. Durch Corona seien Taxi-Unternehmen ohnehin schon gebeutelt. Doch alle, die momentan ein Taxi bräuchten, reagierten verständnisvoll, manche würden sogar mehr Trinkgeld als üblich geben.

DRK Fulda mobile Pflege: Christoph Schwab, Vorstandvorsitzender des DRK Fulda, erklärt für den Bereich der mobilen Pflege: „Kurzfristig ändert das nichts, weil das ja über die Pauschale der Krankenkasse abgerechnet wird. Langfristig werden sich die steigenden Spritpreise vermutlich schon auf die Pauschale auswirken.“ Direkt auf den Kunden umlegen könne das DRK aus diesem Grund nichts, auch Kunden ablehnen, die weiter entfernt wohnen, könne er deshalb nicht. „Das sind eben Kämpfe, die wir jeden Tag kämpfen müssen“, sagt er.

Günstig Tanken: 5 einfache Tipps zum Sparen beim Tanken

Lieferservice Taormina: Bujar Saragi, Inhaber der Pizzeria Taormina in Fulda, ist schon seit Beginn der Corona-Pandemie fast ausschließlich auf den Lieferservice umgestiegen. „Normalerweise bin ich der Letzte, der die Preise erhöht, aber gerade wird alles teurer und auch ich muss die Preise jetzt anpassen.“

Die Lieferungen seien der einzige Grund, weshalb es Taormina so noch gebe. „Wir haben vier Autos, die im Einsatz sind – und weil die so viel fahren, sind nicht nur die Spritpreise hoch, sondern auch die Kosten für Reparaturen und Verschleißteile. (Von Alina Komorek und Marie-Louise Zein)

Wie Tankstellenkunden die Situation wahrnehmen, lesen Sie am Dienstag in der Print oder E-Paper-Ausgabe der Fuldaer Zeitung.

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