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Hantavirus: Achtung, Mäusekot!

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Staubige Schuppen, Garagen oder Waldhütten – überall dort kann man sich mit dem sogenannten Hantavirus anstecken. Übertragen wird er von Nagetieren wie der Rötelmaus.

Wo sich Rötelmäuse wohlfühlen, lauert womöglich auch der Erreger: Laut dem Robert Koch-Institut, das die Meldungen zu Erkrankungsfällen analysiert, leiden im Durchschnitt 500 Menschen jährlich an einer Hantavirus-Erkrankung.

Tiere dienen als Wirt

Hantaviren kommen in verschiedenen Nagetieren und anderen Kleinsäugern vor, vor allem in Mäusen wie der Rötelmaus und Ratten. Die infizierten Tiere bleiben dabei gesund und dienen dem Virus als Wirt. Die Nager scheiden die Erreger über Speichel, Urin und Kot aus. Dort bleiben die Viren über mehrere Tage infektiös.

Zahl der Erkrankungen schwankt

Die Zahl der erkrankten Patienten schwankt von Jahr zu Jahr erheblich. Experten sagen jedoch, dass etwa alle zwei bis drei Jahre deutlich mehr Menschen unter dem Virus leiden. Vermutlich hängen diese Schwankungen mit der Zahl der infizierten Nagetiere im jeweiligen Jahr zusammen.

Auch Osthessen betroffen

Vor allem im vergangenen Jahr erkrankten in bestimmten Gebieten Deutschlands wieder überdurchschnittlich viele Menschen am Hantavirus. Besonders betroffen waren die Schwäbische Alb, die Räume Stuttgart und Osnabrück, Unterfranken, der Bayerische Wald, der Osten Hessens, der Westen Thüringens und das Münsterland. Einen Rekordwert mit 2800 Infektionen gab es zuletzt im Jahr 2012.

Der Mensch kann sich mit dem Virus anstecken, wenn er die Erreger einatmet. Dies passiert zum Beispiel, wenn man im Garten Laub recht, Keller oder Garage putzt, sich in Ställen oder in Wald und Feld aufhält. Selten werden die Viren auch durch den Biss eines infizierten Tieres übertragen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch gilt derweil als sehr unwahrscheinlich.

Viele Betroffene merken nichts

Viele Menschen, die sich hierzulande mit Hantaviren anstecken, bemerken davon häufig gar nichts. Ihr Immunsystem hält die Viren in Schach, die Infektion verläuft ohne Symptome. Bei einem Teil der Infizierten stellen sich allerdings Beschwerden ein: Es beginnt mit hohem Fieber, das meist für drei bis vier Tage anhält. Dazu treten grippeähnliche Symptome auf – zum Beispiel Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost. Anschließend kann es zu Kreislauf- und Nierenproblemen kommen. Letztere zeigen sich unter anderem durch Eiweiß oder Blut im Urin sowie durch eine nachlassende Harnbildung. Mediziner sprechen bei der Hantavirus-Erkrankung auch vom sogenannten „Hämorrhagischen Fieber mit Renalem Syndrom“, kurz HFRS. Im schlimmsten Fall kann es zum dialysepflichtigen Nierenversagen führen.

Hat der Arzt den Verdacht, dass eine Hantavirus-Infektion vorliegt, nimmt er Blut ab. Im Blutbild lassen sich typische Veränderungen erkennen: Zum Beispiel ist häufig die Zahl der Blutplättchen erniedrigt (Thrombozytopenie), die Nierenwerte sind verändert und es finden sich spezifische Antikörper gegen das Virus. Leider gibt es bisher keine spezifische Behandlung gegen den Hantavirus. Nur gegen die Beschwerden lässt sich etwas unternehmen. / kra

Das sagt Klinikum-Ärztin Prof. Marion Haubitz:

„Der Hantavirus sollte nicht unterschätzt werden, auch wenn er bei uns in Deutschland nicht ganz so gefährlich ist wie in anderen Ländern, etwa in Amerika oder dem Balkan. Die Anzahl der Infektionen durch den Virus schwankt von Jahr zu Jahr. Insbesondere in Buchen-Mastjahren bekommen die Mauspopulationen durch das große Futterangebot einen Schub. Dadurch steigt die Anzahl der Erkrankten.

Hellhörig sollten Betroffene – vor allem junge, fitte Menschen – werden, wenn sie sich plötzlich schwer krankfühlen. Die Beschwerden ähneln dabei einer Grippe. Dazu kommen etwa dicke Beine und starke Rückenschmerzen. Die Ansteckung mit dem Virus bringt tatsächlich ein dramatisches Krankheitsbild mit sich. Es folgt eine lange Schmerztherapie, dem Erkrankten bleibt nichts anderes übrig, als das durchstehen zu müssen. Besonders wichtig ist es, die Phase zu überbrücken, in der die Nieren nicht mehr optimal funktionieren. Und: Wer einmal betroffen war, kann leider nicht auf Immunität hoffen. Eine erneute Infektion mit dem Hantavirus ist jederzeit möglich. Grundsätzlich können wir jedoch sagen, dass die Ärzteschaft hier in der Region gut informiert ist über den Hantavirus.“

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