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Harald Friedrich: Der Überraschungskandidat bei der Bürgermeisterwahl

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Eichenzell - Die Bürgerliste Eichenzell (BLE) ist die Fraktion, die die Ernennung ihres Bürgermeisterkandidaten am wirkungsvollsten in Szene gesetzt hat: Auf Plakaten hat die Fraktion einen „geheimen Kandidaten“ angekündigt – und erst im September Harald Friedrich aus dem Hut gezogen.

Von unserem Redaktionsmitglied Daniela Petersen

Sein Arbeitszimmer im eigenen Haus mitten in Eichenzell ist sein Lieblingsplatz. Hier hat sich der 56-jährige Harald Friedrich eingerichtet: Auf dem handgefertigten schweren Schreibtisch stehen zwei Monitore. In der Ecke liegt eine Matte („hier mache ich manchmal Sport, wenn ich nicht ins Fitness-Studio gehe“), und an der Wand hängt ein Schild mit dem Spruch „N Scheiß muss ich“.

Auf die Frage, ob das sein Lebensmotto sei, winkt Friedrich ab: „Das ist mehr ein Alibi für die Seele. Wenn man im Hamsterrad steckt, ist es hilfreich, sich den Satz ab und zu ins Gedächtnis zu rufen. Aber eigentlich bin ich jemand, der sich für andere einsetzen möchte.“

„Ich hätte viele Sachen anders gemacht“

Das sei auch die Motivation, weshalb er gern Bürgermeister werden möchte. „In Eichenzell ist viel mehr machbar. Das treibt mich an.“ Einiges sei in den vergangenen Jahren nicht optimal gelaufen, erklärt er und zählt auf: der Umgang mit der Sanierung des Daches im Bürgerhaus Löschenrod, das undicht war, oder bei der Erneuerung der Fatimabrücke, als ein Baufehler korrigiert werden musste. „Ich hätte viele Sachen anders gemacht. Fünf Jahre konnte die Brücke nicht genutzt werden. So etwas darf man doch nicht den Juristen überlassen“, betont der 56-Jährige, der sich selbst als „Lösungserzeuger“ beschreibt.

„Geht nicht“ würde es bei ihm nicht geben: „Ich bin Unternehmer, bei so einem Satz fängt es bei mir an zu rattern.“ Auch bei den Straßenbeiträgen oder beim Standort der geplanten Brecheranlage im Oberfeld seien die Aussichten zunächst nicht so gewesen, dass die Beiträge abgeschafft werden, beziehungsweise das Unternehmen Waider nicht im Oberfeld baut.

Diskussion um Brecheranlage ist abgehakt

„Aber siehe da, plötzlich sind die Beiträge abgeschafft. Und für Waider wurde eine andere Lösung gefunden. Ich bin froh, dass wir das erreichen konnten – auch weil sich mein Ingenieurbüro nahe zum Oberfeld befindet. Allerdings hätte ich den Schredder lieber irgendwo im Wald gesehen.“

Dass die Diskussion um den Standort der Brecheranlage so heftig geführt wurde, liegt sicher auch an Harald Friedrich selbst, der Flyer mit dem Satz „Kein Gift-Schredder in Eichenzell“ in Umlauf brachte. „Das wäre alles nicht so hochgekocht, wenn gleich miteinander geredet worden wäre“, ist Friedrich überzeugt. Für ihn ist das Thema abgehakt: „Ich will das auch gar nicht so hochkochen.“

Zusammenführung der Generationen

Friedrich möchte ein „Bürger-Bürgermeister“ sein, wie er sagt. „Wobei ,Meister‘ sich immer so anhört als würde derjenige über den anderen stehen. Das finde ich nicht. Ich möchte für die Bürger da sein und die Ortsbeiräte stärker einbinden.“ Ein wichtiges Thema für ihn ist das Zusammenführen von Generationen: „Ich plane, einen Generationenverein zu gründen, in dem Jung und Alt zusammenkommen. Eichenzell braucht außerdem eine Senioren-Tagesbetreuung, und es wäre sinnvoll, wenn es für Senioren eine Vereinsförderung gäbe.“

Auch die Ärzteversorgung möchte Friedrich verbessern, etwa durch ein medizinisches Versorgungszentrum (MVZ). „Als Bürgermeister will ich an den Sachen dran bleiben. Ich bin ein Gestalter und habe keine Angst vor Herausforderungen“, betont er.

Wenn er spricht, dann merkt man, dass er gut mit Sprache umgehen kann. Als ehrenamtlicher Schiedsmann, was er zehn Jahre war, habe er wichtige Erfahrungen im Umgang mit Menschen sammeln können. „Wie mein Nachname schon sagt: Ich bin ein friedlicher Mensch. Nur wenn ich merke, dass mich jemand für dumm verkauft, werde ich fuchsig“, erklärt Friedrich.

Sohn würde Federführung der Firma übernehmen

Die Kommunalpolitik hat es ihm schon länger angetan. Von 2011 bis 2016 war er Sprecher der SPD-Fraktion und Gemeindevertreter. Parteimitglied war er jedoch nie. „Und es ist im Moment auch so, dass ich mit Vielem, was die SPD auf Bundesebene macht, nicht übereinstimme“, erklärt er und erzählt, dass er überlegt habe, ob er als unabhängiger Kandidat antreten möchte. „Die Bürgerliste ist aber in meinen Augen die Triebfeder in der Gemeinde. Deshalb macht es mir auch Spaß, Kandidat der Bürgerliste zu sein“, betont er.

Sollte der Wirtschaftsingenieur die Wahl am 26. Januar gewinnen, dann würde sein Sohn Julius die Federführung seiner Firma übernehmen. Seinen Lieblingsplatz im heimischen Arbeitszimmer würde er dann seltener besuchen können. Aber ein Schreibtisch im Schlösschen wäre ja auch nicht schlecht.

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