Reisen in der Corona-Pandemie

Von Wetzlos in die Wüste: Joana Breitbart und Joshua Steinberg machen einen Roadtrip auf Motorrädern

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Es ist ein Roadtrip im wahrsten Sinne des Wortes: Joana Breitbart (31) und Joshua Steinberg (30) sind mit Motorrädern von Wetzlos im Haunetal bis nach Kenia gefahren. Ihre Reise ist noch lange nicht vorbei. Doch schon jetzt haben sie viel zu erzählen.

Wetzlos/Kenia - Es ist gerade mal 20 Uhr, als Joshua Steinberg sich bettfertig macht. Er und seine Freundin Joana sind momentan in der Nähe des Turkana-Sees in Kenia. Sie gehen früh schlafen, um am nächsten Tag schon vor 7 Uhr mit ihren Motorrädern aufbrechen zu können. „Wir sind gerade in einer Gegend, in der es bereits um 10 Uhr 40 Grad hat. In unserer Schutzkleidung wird das dann sehr heiß“, erklärt Joshua.

Seit dem 8. September 2020 ist das Paar mit zwei Motorrädern unterwegs. Fotos auf ihrer Webseite WetzlosWeltWärts.de zeigen die Bikes mit ihren Hersfelder Kennzeichen mitten in der Wüste. Übernachtet wird im Zelt oder in günstigen Hostels.

Haunetal: Von Wetzlos in die Wüste - Joana Breitbart und Joshua Steinberg machen einen Roadtrip

Es ist die zweite Reise dieser Art. 2016 und 2017 waren die beiden, die seit fünf Jahren zusammen sind, schon einmal 13 Monate in Südamerika unterwegs. „Danach war uns klar, dass wir das wiederholen möchten.“ Zwei Jahre lang haben sie den Roadtrip nach Afrika geplant. Dann kam Corona. Sie sind trotzdem losgefahren: Vom Haunetal über Österreich, Schweiz, Frankreich und Italien. „In Sizilien haben wir gesehen, dass sich die zweite Welle anbahnt, da haben wir geschaut, dass wir raus aus Europa kommen. Auf dem afrikanischen Kontinent ist das alles entspannter“, sagt der 30-Jährige. „Als um Weihnachten herum in Deutschland der Lockdown herrschte, konnten wir uns als Tourist in Tunesien recht frei bewegen.“ (Lesen Sie hier: Urlaub trotz Corona? Reisebüros im Kreis Fulda nennen die beliebtesten Reiseziele der Osthessen).

Auf ihrer Reise seien sie auch schon gefragt worden, ob Corona „so eine Regierungsgeschichte ist und ob es das wirklich gibt. Das ist hier neben Tuberkulose, Cholera oder Thyphus nur eine weitere Erkrankung, so traurig das klingt.“ In Hauptstädten würden einige Leute Mundschutz tragen, „aber hier auf dem Land eher nicht. Hier gibt es auch nur wenige Einwohner“.

Joshua Steinberg: Im Sudan durften wir bei einer Familie leben und Einblick in die Gesellschaft bekommen

Wenn der 30-Jährige von den Menschen in Afrika erzählt, kommt er ins Schwärmen. Überall würde das Paar mit offenen Armen empfangen werden, und manchmal wird ihnen auch ein Schlafplatz angeboten: „Im Sudan durften wir bei einer Familie leben und Einblick in die islamische Gesellschaft bekommen. Das Land ist voller wunderbarer Menschen, aber sehr arm“, erklärt Joshua. „Weil es meilenweit keine Tankstelle gibt, mussten wir über 1200 Kilometer Sprit transportieren.“ Und auch an Bargeld zu kommen, sei ein Problem, weil das Bankenwesen nicht funktioniere: „Wenn man Bargeld braucht, geht man mit seinen Dollars zum Schwarzmarkt. Hier herrscht außerdem eine starke Inflation.“ Anfangs hätten die beiden für einen Dollar 280 sudanesische Pfund bekommen, nach fünf Wochen waren es bereits 420 sudanesische Pfund. „Für uns war das Reisen dadurch günstiger, aber für das Land ist es eine Katastrophe, alles, was importiert werden muss, wird unbezahlbar.“

Joana Breitbart (31) und Joshua Steinberg (30) sind mit Motorrädern von Wetzlos im Haunetal bis nach Kenia gefahren.

Pro Monat kalkulieren Joana und Joshua mit etwa 1000 Euro, die sie sich zuvor angespart haben. Noch bis Sommer 2022 wollen sie unterwegs sein. Ein großer Posten kam unerwartet: Von Tunesien aus mussten sie nach Kairo fliegen: „Der Bürgerkrieg in Libyen machte es unmöglich, dort durch zu fahren. Die Grenzen waren auch geschlossen.“ In großen Transportboxen wurden die Motorräder dann nach Ägypten geflogen. Und das war nicht billig: Allein beim Zoll in Kairo zahlten die beiden 600 Euro, willkürliche Gebühren, wie Joshua erklärt. Fünf Tage lang mussten sie warten, bis sie ihre Motorräder ausgelöst bekamen. „Das war extrem stressig, und wir dachten auch schon, dass wir sie nicht wieder bekommen.“

Roadtrip in die Wüste: Noch bis Sommer 2022 wollen die beiden unterwegs sein

Doch es klappte am Ende, und Ägypten zeigte sich auch von seiner schönen Seite: „Wir waren einen Monat dort und haben die Pyramiden und Luxor besucht. Durch Corona waren wir fast die einzigen Besucher. Das war schon eine ganz besondere Atmosphäre.“ Da momentan kaum Touristen unterwegs sind, seien insgesamt auch die Preise niedriger. „In Kenia zum Beispiel nehmen viele Nationalparks nur den halben Preis. Hier ist der Tourismus sehr wichtig, da hängen viele Existenzen dran.“

Eigentlich wollten die beiden jetzt bereits in Südafrika sein. Doch allzu fest halten Joana und Joshua an solchen Plänen nicht. Dann wäre ihnen vielleicht auch eine Möglichkeit durch die Lappen gegangen: Die beiden konnten sich impfen lassen. Auf eigene Kosten haben sie in Nairobi den Impfstoff Sputnik V erhalten.

Rubriklistenbild: © Bernat Armangue/dpa

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