Zeichnung: Michael Haipeter; Fotos: Daniela Petersen

So heftig, dass die Messerklinge brach – Auftakt im Mordprozess gegen 55-Jährigen (Video)

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Fulda - Diese Straftat ist eine der grausamsten, die in diesem Jahr in der Region verübt wurden. Die Anklage: Ein 55-Jähriger soll seine Ehefrau am 14. Juni auf einem Parkplatz in der Friedenstraße in Künzell brutal mit fünf Messerstichen heimtückisch ermordet haben. Heute war Prozessauftakt am Landgericht Fulda.

Von unserem Redaktionsmitglied Daniela Petersen

13 Verhandlungstage sind angesetzt, 50 Zeugen sollen von der Kammer unter Vorsitz von Richter Josef Richter gehört werden. Beim Prozessauftakt heute Nachmittag wird aber erst einmal nur die Anklage von Staatsanwältin Dr. Christine Seban verlesen.

Fünf Messer mit einer Klingenlänge von bis zu 20 Zentimetern

Dem 55-jährigen Künzeller, der im Kosovo geboren wurde, wird darin vorgeworfen, seine Ehefrau heimtückisch getötet zu haben. „In der Annahme, sie betrüge ihn mit einem anderen Mann gab er vor, sie zu ihrer Arbeitsstelle fahren zu wollen“, erklärt Seban. Doch statt den Supermarkt in Künzell anzusteuern, wo die 52-Jährige arbeitete, soll er am 14. Juni gegen 11.15 Uhr den Wagen zu einem abgelegenen Parkplatz in der Friedenstraße in Künzell gelenkt haben. Zuvor habe er fünf Messer mit einer Klingenlänge von bis zu 20 Zentimetern in dem Auto versteckt. Eines soll unterm Fahrersitz gelegen haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er vier der Messer auch verwendet hat.

Tödlich seien die Schnitte am Hals gewesen

„Die Einstiche waren so heftig, dass eines der Messer am Griff abriss und ein anderes verbogen wurde“, erklärt Seban in der Anklageschrift. Ein drittes Messer habe bis zum Schaft im Körper der Frau gesteckt. Drei Stiche seien in den Oberkörper gegangen, wodurch unter anderem der Magen durchstochen worden sei. Tödlich seien die Schnitte am Hals gewesen, wo die Speiseröhre sowie die linke und auch die rechte Halsschlagader beschädigt wurden.

„Sie war durch den Sicherheitsgurt auch völlig wehrlos“

„Trotz Notoperation erlag die Frau um 13.30 Uhr ihren Verletzungen“, sagt Seban. Sie geht von Heimtücke als Mordmerkmal aus, weil die 52-Jährige nicht ahnen konnte, was ihr Mann vorhatte, als sie in das Auto stieg und sich anschnallte. „Sie war durch den Sicherheitsgurt auch völlig wehrlos“, fügt die Staatsanwältin an.

Der Blick geht nach unten zu den gefalteten Händen

Der Angeklagte, der kurz nach der Tat Passanten hinzurief, sich zu dem Vorfall aber bislang nicht eingelassen hat, sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Vor dem Landgericht erscheint er in einer Art Jogginghose. Sein Bart wirkt ungepflegt, der Blick geht nach unten zu den gefalteten Händen. Viel lässt sich nicht aus seinem Gesicht herauslesen. Einmal unterbricht er die Staatsanwältin, um zu erklären, dass sein Dolmetscher die Worte nicht ins Albanische übersetzen müsse, weil er sie verstehe.

Der Angeklagte wurde im Kosovo geboren und lebt seit mehreren Jahren in Künzell. Die sechs Kinder des Ehepaares werden von den Rechtsanwälten Knut Hillebrand und Christian Celsen in der Nebenklage vertreten. Anwalt des Angeklagten ist Hans J. Hauschild. Er hat am Ende des Prozesstages offen gelassen, ob sich sein Mandant zur Sache äußern wird. Die Verhandlung wird am Donnerstag, 19. Dezember, fortgesetzt.

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