Foto: Sebastian Mannert

Heimat in Osthessen: Die gebürtige Inderin Pallavi Seibold ist eingebürgert worden

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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KALBACH - An Osthessen liebt sie die Sonnenaufgänge, die besonders schöne Natur und die herzlichen Menschen: Die Inderin Pallavi Seibold (43) lebt seit vier Jahren in Kalbach und wurde im September 2019 eingebürgert. In Osthessen hat sie ihre Heimat gefunden.

„Deutschland stand nie auf meinem Plan – nicht mal für eine Reise“, blickt Pallavi Seibold zurück. Doch 2010 lernt sie ihren heutigen Mann Jan Seibold aus Kalbach kennen, als sie beide in einem Fünf-Sterne-Hotel in Neu-Delhi arbeiten; ihr Mann als Koch, sie in der Öffentlichkeitsarbeit. Seitdem gehen sie gemeinsam durchs Leben.

Aufgewachsen ist Pallavi Seibold bei ihren Großeltern in Neu-Delhi, da sie ihre Eltern mit 13 Jahren bei einem Unfall verloren hat. Als junge Frau studierte sie Englische Literatur und arbeitete später als freie Journalistin, nachdem sie 2001 ihre Tochter bekommen hatte. 2010 begann sie ihren Job im Hotel.

„Ich war geschockt“

Im Sommer 2010 besuchte die Inderin erstmals die Familie ihres Mannes. „Wir waren im Sommer zu Besuch, aber ich war geschockt: Es fühlte sich an wie Winter“, sagt die 43-Jährige lachend. Ihre Tochter und Jan Seibold genossen den Monat sehr. „Unser Plan war es, gemeinsam in Deutschland zu leben.“

Als Pallavi Seibold 2011 schwanger wurde, wurden die Pläne konkreter. „In Indien ist es für Kinder nicht so schön, groß zu werden. Sie können sich nicht frei bewegen, draußen toben und spielen, da die Gegenden nicht so sicher sind.“ Sie lernte Deutsch, beantragte ein Visum und ging Ende 2011 mit den Kindern nach Deutschland. Anfang 2012 war Hochzeit.

Zweieinhalb Jahre in Ägypten

Im September des gleichen Jahres zog die Familie aufgrund eines Jobs von Jan Seibold nach Ägypten, wo sie zweieinhalb Jahre lebte. 2015 zogen sie nach Sri Lanka. Doch im Dezember 2015 entschieden sie, nach Deutschland zurückzukehren – zuerst auch ohne eine Arbeit. „Das war eine nicht so einfache Zeit“, blickt Pallavi Seibold zurück. Gerade für ihre damals 14-jährige Tochter bedeutete der Umzug neue Strukturen, eine neue Schule und neue Freunde. Von da an war für Pallavi Seibold klar: „Ich gehe hier nie mehr weg.“ Seit 2016 wohnen sie im Haus der Eltern ihres Mannes. „Es ist schön, dass die Kinder ihre Oma und ihren Opa im Haus haben. Sie können so viel von ihnen lernen“, sagt die 43-Jährige.

Nach mehreren Sprachkursen erlangte sie 2017 das Sprachniveau B2, seitdem arbeitet sie zudem an der Raststätte in Uttrichshausen. „Mir war es wichtig, die Sprache schnell zu lernen. Nur so konnte ich mich mit den Leuten austauschen und die Bürokratie hier verstehen“, erklärt sie. Im September 2019 wurde sie offiziell eingebürgert.

„Das beruhigt mich“

An Osthessen schätzt sie die Natur und die besonderen Sonnenuntergänge. „Das beruhigt mich“, verrät Pallavi Seibold und erklärt den Unterschied zu Neu-Delhi: „Die 21-Millionen-Stadt Neu-Delhi schläft nie. Hier in Kalbach sehe ich manchmal fast niemanden.“ Auch für die Kinder ist Kalbach ein Paradies: Draußen spielen und toben steht auf der Tagesordnung.

„Als ich noch in Indien gelebt habe, hörte man über die Deutschen immer, dass sie anstrengend seien, viel zu pünktlich, zu organisiert und zu distanziert. Das kann ich nicht bestätigen. Alle waren so nett und so herzlich zu ans, als wir hierher gekommen sind“, erklärt die zweifache Mutter. „Ich bin hier angekommen, hier ist meine Heimat.“

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