Foto: Volker Nies

Herz-Jesu-Krankenhaus in Fulda beklagt bürokratische Gängelung

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Fulda - Nach dem Klinikum Fulda warnt jetzt auch das Herz-Jesu-Krankenhaus in Fulda vor gefährlichen Entwicklungen in der Gesundheitspolitik.

Das Herz-Jesu-Krankenhaus sieht die Gesundheitspolitik so kritisch wie das Klinikum: „Eine solche Zunahme an bürokratischer Gängelung bei gleichzeitiger Personalknappheit, das habe ich noch nie erlebt“, sagt Sammet. „Wir fühlen uns von der Bundespolitik im Stich gelassen. Wenn es so weiter geht, dann werden die Krankenhäuser in fünf bis zehn Jahren die Versorgung nicht mehr aufrechterhalten können.“

Seit Jahren schwarze Zahlen

Herz-Jesu schreibt aber seit zehn Jahren schwarze Zahlen: Im vergangenen Jahr erzielte das 323-Betten-Haus bei einem 60-Millionen-Umsatz ein Plus von rund einer halben Million Euro. Das Haus muss Überschüsse erwirtschaften, denn Zuschüsse von einem Träger – wie der Stadt, einem Kreis oder der Kirche – erhält es nicht.

Herz-Jesu und Klinikum hätten andere Ausgangslagen, sagt Sammet: Herz-Jesu sei in den vergangenen Jahren gewachsen. „2017 kam eine Geriatriestation hinzu. In diesem Jahr folgt eine neue Station, die von der Inneren Medizin, Geriatrie und Alterstraumatologie genutzt wird“, berichtet Sammet. Die Zahl stationärer Patienten wuchs von 2017 bis 2019 von 14 200 auf 16 000, die Zahl ambulanter Patienten stieg parallel von 18 600 auf 20 100. „Zugleich ist es uns in Fulda 2019 gelungen, 80 Pflegekräfte einzustellen – Kräfte, die nach der Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zusätzlich bezahlt werden.“ Deshalb habe Herz-Jesu die Personaluntergrenzen, von denen es in der Geriatrie betroffen ist, erfüllen können.

Zusammenarbeit mit Kliniken in Hanau, Kassel und Volkmarsen

Die Ankündigung des Ministers, den Kliniken mehr Geld für die Pflege zu geben, obwohl bundesweit schon heute 17.000 Pflegekräfte in Krankenhäusern fehlen, habe Folgen, die der Minister wohl nicht bedacht habe: In Ballungsräumen gebe es einen ruinösen Wettbewerb um Pflegekräfte. „In Wiesbaden zahlt eine Klinik Pflegekräften 16.000 Euro Wechselprämie – andere Krankenhäuser müssen Bleibeprämien zahlen.“ Zudem wanderten Pflegekräfte aus Altenheimen ab. „Kontraproduktiv“ sei auch die Vorgabe, dass die Kliniken einen höheren Anteil examinierter Kräfte einsetzen müssten – auch für Hilfstätigkeiten wie Essen verteilen.

Herz-Jesu habe den Vorteil, dass es mit Kliniken in Hanau, Kassel und Volkmarsen eine Gruppe bildet. „Die Zusammenarbeit etwa in den Bereichen Einkauf, EDV oder Rechnungswesen erlaubt spürbare Einsparungen“, berichtet Sammet. Kosten spare auch, dass das Krankenhaus relativ neue Immobilien besitze.

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