Mit 92 zapft Willi Krenzer noch Bier hinterm Tresen und bedient die Gäste in der Gaststätte „Kühler Grund“ in Eckweisbach.
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Mit 92 zapft Willi Krenzer noch Bier hinterm Tresen und bedient die Gäste in der Gaststätte „Kühler Grund“ in Eckweisbach.

Kneipen-Urgestein

Mit 92 noch hinterm Tresen: Willi Krenzer ist der wohl älteste Wirt in der Region Fulda

  • Jessica Vey
    VonJessica Vey
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Mit zwei Gaststätten gibt es in dem 500-Einwohner-Dorf Eckweisbach eine hohe Dichte an Kneipen. Doch das ist nicht das einzig außergewöhnliche in dem Hilderser Ortsteil. Im Gasthof „Kühler Grund“ arbeitet der wohl älteste Wirt der Region: Willi Krenzer (92).

Eckweisbach - „Soll ich in der Wohnung sitzen und die Wände anstarren?“ Das ist nichts für Wilhelm Krenzer, den alle nur Willi nennen. „So lange ich fit bin, will ich etwas tun“, sagt der 92-Jährige, dem man das hohe Alter weder ansieht noch anmerkt.

Ihn hält es beim Gespräch mit unserer Zeitung nicht lange auf dem Stuhl. Immer wieder springt er auf, holt ein Foto seiner verstorbenen Ehefrau Maria herbei, die lange Jahre den Singekreis in Eckweisbach (Kreis Fulda) leitete. Oder zeigt im Gastraum die Geschenke, die er zum 90. Geburtstag vor zwei Jahren bekommen hat, darunter eine Ehrung der Wirtevereinigung Rhöner Charme, die ihn als „Urgestein“ und „Mitglied der ersten Stunde“ bezeichnet. (Lesen Sie auch: Der älteste Fahrlehrer Hessens beendet mit 87 Jahren seine Karriere)

Hessen: Willi Krenzer ist einer der ältesten Wirte Deutschlands

Ein Urgestein der Gastronomie. Das trifft es gut, wenn man die Jahre zählt, die Krenzer bereits in der Branche tätig ist. 1950 haben die Eheleute Räsch die Gaststätte „Kühler Grund“ eröffnet. 1954 heiratete Willi Krenzer die Tochter Maria Räsch, mit der er das Lokal 1960 übernahm. Wenn man seinen „Unruhestand“ bedenkt, kommt er somit auf 61 Jahre in der Gastronomie – wobei er bereits vor der Hochzeit im Gasthof mitgeholfen hat, wie er erzählt.

Heute kann er sich glücklich schätzen: Die Leidenschaft für Gastronomie liegt der Familie Krenzer offenbar im Blut. Sohn Rüdiger Krenzer (59) und Frau Marianne (54) führen aktuell den Gasthof – und der 25-jährige Enkel Alexander steht in den Startlöchern. Er ist vor einem Monat als Koch mit eingestiegen, ab kommendem Jahr soll eine „Übergabe-Zeit“ starten, erklären Rüdiger und Marianne Krenzer. Dass die Wirtschaft in Familienhand bleibt, ist damit gesichert.

Die Familienbande sind stark – „anders geht es auch nicht“, erklärt Rüdiger Krenzer. Sein Vater stimmt ihm zu. Der 92-Jährige will mithelfen – so lange es eben geht. Schwiegertochter Marianne erklärt: „Er ist morgens der erste im Gastraum. Wenn wir dazu kommen, ist bereits Kaffee gekocht. Er hilft immer beim Frühstück für unsere Hausgäste.“ Und auch sonst ist Willi Krenzer mit dabei, hat schon unzählige Gäste bedient – an der Theke, im Gastraum oder draußen im Biergarten. (Lesen Sie auch: Einer der ältesten Vereine Deutschlands - Fuldaer Schützenverein wird 450 Jahre)

Rüdiger Krenzer über seinen Vater Willi: „Er ist immer am Schaffen“

Viele kennen ihn. Wenn er mal krank ist, was laut Schwiegertochter Marianne „seltenst vorkommt“, fragen die Stammgäste nach ihm. „Die Gäste kamen bereits als Kinder hierher und heute kommen sie mit ihren Kindern“, beschreibt der Wirt. Immerhin gibt es den Gasthof nun schon seit 71 Jahren.

Bei denen, die ihn noch nicht kennen, sorgt er für überraschte Mienen. Dass der Gastwirt 92 ist, darüber staunen viele. Er selbst macht kein großes Aufhebens um seine Schaffenskraft. „Ich mache das freiwillig. Es macht Spaß und ich fühle mich fit“, begründet er seine Mitarbeit.

„Ich kenne es nicht anders von früher. Schon als Junge im zweiten Schuljahr habe ich auf der Wiese die Kühe gehütet. Ich habe viel in der Landwirtschaft mitgeholfen.“ „Er ist immer am Schaffen und immer gern unter Leuten“, fasst sein Sohn Rüdiger zusammen.

Aufgewachsen ist Willi in Unterbernhards, lief damals mit Holzschuhen in die Schule nach Mahlerts. In die Kirche ging es nach Eckweisbach, wo er später – nachdem er mit 15 Jahren in amerikanischer Kriegsgefangenschaft war – seine Ehefrau kennenlernte. In Eckweisbach war er schließlich sogar Bürgermeister: acht Jahre lang, bis zur Gebietsreform 1972. Danach wurde er zum Ortsvorsteher ernannt und dreimal wiedergewählt.

Video: Wirt im ältesten Wirtshaus der Welt

Willi Krenzer ist engagiert. „Er muss immer etwas zu tun haben und umherwuseln“, beschreibt Schwiegertochter Marianne. „Manchmal müssen wir ihn bremsen“, fügt Enkel Alexander lachend hinzu.

Die Corona-Zeit sei nicht leicht gewesen. Jetzt ist der Senior geimpft und freut sich, dass es nach der langen Zwangspause weitergeht. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt er über den Lockdown.

Der 92-Jährige wohnt mit im Haus, versorgt sich weitestgehend selbst und fährt sogar noch Auto. „So lange man kann, muss man was machen“, ist seine Devise. Ob er mit 100 noch hinter der Theke stehen und Bier zapfen wird? „Ach“, er winkt ab. „Das weiß keiner. Es kann morgen vorbei sein. Man muss es nehmen, wie es kommt“, sagt er.

Auf die Frage nach einem Geheimrezept, um so alt zu werden, lacht er und sagt: „Ich habe keins.“ Doch: Es muss in den Genen liegen. Die sind offenbar gut. Immerhin ist er einer von sechs Geschwistern und fünf sind noch am Leben. Der 92-Jährige ist nicht einmal der Älteste. Sein Bruder ist 93. Und in dieser Woche feierte seine Schwester ihren 95. Geburtstag.

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