Das Freibad in Nüstal-Gotthards.
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Folge der Gebietsreform: Der Gemeinde Hofbieber gehört laut Grundbuch das halbe Freibad in Gotthards. Die Kommunen haben sich jetzt aber verständigt.

Überraschung für die Politik

Kuriose Situation: Warum der Gemeinde Hofbieber jahrelang das halbe Freibad in Nüsttal gehörte

  • Rainer Ickler
    VonRainer Ickler
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Der Nüsttaler Bürgermeisterin Marion Frohnapfel (CDU) ist das Herz fast in die Hose gerutscht, als sie die Grundbucheintragung sah: Die Hälfte des Gotthardser Freibades gehört der Gemeinde Hofbieber. Droht damit die Sanierung des Schwimmbades zu scheitern? 

Nüsttal/Hofbieber - Weil die Gemeinde Nüsttal das Freibad sanieren will und dafür Fördermittel beantragte, forderte das zuständige Bundesministerium einen Nachweis, dass die Freizeiteinrichtung auch wirklich dem Antragsteller, der Gemeinde Nüsttal, gehört. Bei der Prüfung der Grundbucheintragung gab es aber dann ein Problem: Das halbe Becken und die Liegewiese sind auf dem Papier Eigentum der Nachbargemeinde Hofbieber.

„Hofbieber muss Nüsttal helfen“, war der erste Gedanke von Frohnapfel. Sie informierte sofort ihren Kollegen Markus Röder (parteilos), der erst mal schmunzeln musste. Mit dieser Nachricht war er mit einem Mal Eigentümer von anderthalb Freibädern. Hofbieber betreibt das Freibad Bieberstein, das gerade umfassend saniert wird. An einem halben zusätzlichen Freibad war ihm nicht gelegen. Röder versprach seiner Kollegin Unterstützung. (Lesen Sie hier: Freibad Waidesgrund eröffnet)

Gemeinde Hofbieber gehört ein halbes Freibad - Kuriose Folge der Gebietsreform

Aber wie konnte es überhaupt zu dieser kuriosen Situation kommen? Die damals noch selbstständigen Gemeinden Schwarzbach, Gotthards und Obernüst beschlossen Ende der 1960er Jahre, ein Freibad in Gotthards zu bauen. Es sollte am Ortsausgang auf einem gemeindeeigenen Grundstück entstehen. So sahen es die Planungen der drei Dörfer vor. Doch das Areal erwies sich als zu klein. Also wurde eine weitere Fläche dazugekauft. Es war das Grundstück, auf der sich heute die Liegewiese und das Becken befinden.

Den Grundstücksvertrag unterschrieben die Gemeindevertreter der drei Gemeinden Gotthards, Schwarzbach und Obernüst. Der Kauf wurde ins Grundbuch eingetragen. Ihnen gehörte die Fläche jetzt. Alles hatte seine Richtigkeit. Das Freibad wurde fertiggestellt und erfreute sich großer Beliebtheit bei den Bürgern.

Im Jahre 1972 kam es auch im Kreis Fulda zur Gebietsreform. Danach gehörte Gotthards zu Nüsttal und Schwarzbach sowie Obernüst wurden Hofbieber zugeordnet. Das Freibad in Gotthards gehörte fortan der Gemeinde Nüsttal, die es auch bewirtschaftete. Keiner hegte Zweifel daran, dass es auch juristisch der Gemeinde Nüsttal gehört. Ins Grundbuch schaute damals niemand. Erst vor wenigen Tagen war dies notwendig. Da stand dann schwarz auf weiß, dass der untere Bereich der Gemeinde Hofbieber, der Rechtsnachfolgerin der Dörfer Schwarzbach und Obernüst, gehört.

Hessen: Grundbucheintrag zu Freibad sorgt für Überraschung

Geblieben ist auch fast 50 Jahre nach der Gebietsreform eine große Verbundenheit der Bürger der drei Dörfer Gotthards, Schwarzbach und Obernüst, die nur wenige Kilometer auseinanderliegen. Diese Verbundenheit zahlte sich auch jetzt aus. In der jüngsten Sitzung der Hofbieberer Gemeindevertretung stimmten alle Abgeordneten dafür, dass das Hofbieberer Grundstück im Gotthardser Freibad der Gemeinde Nüsttal kostenlos rückübertragen wurde. (Lesen Sie hier: Goldschmiedin Alexandra Mihm macht Ausbildung im Rathaus Nüsttal)

Abgeordneter Klaus Huder (CWE) stellte fest, dass das Hofbieberer Grundstück im Freibad eine Insel darstelle. Jeder Tausch würde eine Gemeindegrenzänderung bedeuten. Deshalb sollte die Fläche der Gemeinde Nüsttal kostenlos rückübertragen - also quasi geschenkt - werden, schlug Röder vor. Die Mitglieder der Vertretung folgten der Empfehlung einstimmig. Damit war die Kuh vom Eis.

Video: See, Meer und Freibad - So sicher ist das Baden in Corona-Zeiten

Noch während der Sitzung schickte Bürgermeister Röder seiner Kollegin Frohnapfel eine WhatsApp-Nachricht, dass damit Nüsttal nach mehr als 50 Jahren jetzt rechtmäßiger Eigentümer des gesamten Freibad-Areals ist und die Förderung beantragt werden kann. Welches Freibad in der Region Fulda noch aktuell trotz Corona im Sommer 2021 geöffnet hat, lesen Sie in einer Übersicht.

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