Ein Reh auf dem Friedhof – wie auf diesem Symbolfoto – ist in Künzell-Bachrain keine Seltenheit. Dort bedienen sich die Tiere oftmals an dem Pflanzen- und dem Blumenschmuck der Gräber.
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Ein Reh auf dem Friedhof – wie auf diesem Symbolfoto – ist in Künzell-Bachrain keine Seltenheit. Dort bedienen sich die Tiere oftmals an dem Pflanzen- und dem Blumenschmuck der Gräber.

Problem sind die Türen

Rehe verunstalten Friedhof: Tiere fressen in Künzell Pflanzen von den Gräbern - Jäger liegt auf der Lauer

  • Sarah Malkmus
    vonSarah Malkmus
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Das Problem, dass Rehe auf dem Friedhof Künzell-Bachrain Blumenschmuck von Gräbern fressen, kennt Bürgermeister Timo Zentgraf (parteilos). Um den Tieren auf die Schliche zu kommen, hat sich jüngst ein Jagdpächter auf die Lauer gelegt.

Künzell-Bachrain - Es klingt ein bisschen nach pietätlosem Vandalismus – vernachlässigt man die Tatsache, dass es sich bei den unbekannten Tätern, die sich an den Gräbern zu schaffen machen, nicht um Menschen, sondern um Rehe handelt. Der Friedhof in Künzell-Bachrain scheint bereits seit Jahren ein beliebtes Ziel der Tiere zu sein – dort lassen sie sich nämlich den Pflanzen- und Blumenschmuck der Gräber schmecken und hinterlassen obendrein noch ihre Spuren in Form von Hufabdrücken.

Zentgraf kennt das Problem schon seit langem: „Die Rehe stupsen die Türen des Friedhofs mit der Nase auf und spazieren hinein.“ Kein Wunder: „Der ,Tisch‘ ist dort für die Rehe mit schönen Kränzen von Beerdigungen immer reich gedeckt.“ Die spezifischen Vorlieben der Tiere kennt der Bürgermeister: „Veilchen und Rosen sind wohl ganz schmackhaft“, sagt er. Um Gräber, die mit Hornspänen geschmückt sind, machten die Tiere wohl eher einen Bogen. (Lesen Sie hier: Künzell rüstet Straßenbeleuchtung auf LED um)

Rehe verunstalten Friedhof: Tiere fressen in Künzell Pflanzen und Blumen von den Gräbern

Um dem „Vandalismus“ der Tiere vorzubeugen, habe man schon so einiges getan. „Wir haben zum Beispiel die Türen so verändert, dass sie von alleine zufallen“, berichtet der Rathauschef. Das sei aber nicht bei jedem Tor möglich. Oftmals mache er die Beobachtung, dass Türen nur angelehnt seien.

Da das Problem in der Vergangenheit schon öfter zu Beschwerden geführt habe, habe sich erst kürzlich ein Jagdpächter auf die Lauer gelegt, um das tierische Treiben an der Ruhestätte besser nachvollziehen zu können. Von dessen Erkenntnissen berichtet der Bürgermeister: „Es handelt sich um etwa 13 bis 14 Rehe, die wohl aus dem benachbarten Wäldchen kommen.“ Der Jagdpächter habe sehen können, wie die Tiere um den Friedhof herumstreunen. Fänden sie eine angelehnte Tür, stupsten sie diese mit der Nase auf und drei bis vier von ihnen spazierten hinein, die anderen liefen weiter. Dass sie den Griff mit der Nase runterdrücken oder einen Sprung über den Zaun machen – das habe der Jagdpächter aber noch nicht beobachten können.

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Den Friedhof abends komplett zuschließen, das wolle man nicht, verdeutlicht Zentgraf. „Daher sind wir gerade am überlegen, wie wir das Problem lösen können.“ Eine Erhöhung der Zaun-Anlagen sei bereits im diesjährigen Haushalt kalkuliert, doch Zentgraf weiß, dass der Zaun nicht das eigentliche Problem ist: „Die Türen müssen zu sein.“ Eventuell wolle er die Bürger auch über das Blättchen nochmals dazu aufrufen. Und der Friedhof Künzell-Bachrain ist wohl nicht der einzige, bei dem das Problem auftritt, weiß Zentgraf. Auch am Florenberg bedienten sich die Rehe an bepflanzten Gräbern. Problem dort: Der Friedhof ist nicht durch einen Zaun geschützt.

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