Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Kanzlerkandidat der Union, gibt im Regierungsviertel an der Spree ein Interview.
+
Armin Laschet ist der Kanzlerkandidat der Union bei der Bundestagswahl im September - damit sind auch in Osthesse nicht alle CDU-Mitglieder glücklich.

Kanzlerkandidat im Fokus

Kritik an Armin Laschet: CDU-Mitglieder in Osthessen bemängeln Wahlverfahren - Vereinzelt Parteiaustritte

  • Daniel Krenzer
    vonDaniel Krenzer
    schließen

Viele CDU-Mitglieder haben sich offenbar eher den CSU-Chef Markus Söder als Kanzlerkandidaten gewünscht anstatt des eigenen Parteichefs Armin Laschet. In den Kreisverbänden der Region ist die Stimmungslage gemischt.

Fulda/Main-Kinzig-Kreis/Vogelsberg - Bundesweit räumten zuletzt mehrere führende CDU-Politiker ein, dass es zu einigen Parteiaustritten gekommen sei. Hintergrund ist demnach, dass einige an der Parteibasis enttäuscht sind, dass Armin Laschet und nicht Markus Söder für die Union ins Rennen um die Kanzlerschaft ziehen soll. Und das in der Außenwirkung unglückliche Procedere der Kandidatenkür hat ebenfalls einige Mitglieder verärgert.

In Hessen hält sich die Zahl der Parteiaustritte allerdings in Grenzen. Nach der Entscheidung für Laschet sei keine Reaktion durch vermehrte Austritte von CDU-Mitgliedern festgestellt worden, teilte ein Sprecher des Landesverbandes der Deutschen Presse-Agentur mit. CDU-Landeschef, Ministerpräsident Volker Bouffier, hatte sich klar für Laschet ausgesprochen. (Lesen Sie hier: Armin Laschet wird Kanzlerkandidat der Union - Das sagen CDU-Politiker aus der Region)

Kanzlerkandidat Armin Laschet: Nicht alle in der CDU sind glücklich mit Nominierung

Dag Wehner, stellvertretender CDU-Kreisvorsitzender und Bürgermeister in Fulda, berichtet von gemischten Rückmeldungen. „Häufig war zu hören, dass das Verfahren von den Mitgliedern kritisiert wurde, oder aber sie sehen in Herrn Laschet nicht den Kandidaten der Basis“, führt Wehner aus. Es sei nun die Aufgabe des Bundesvorsitzenden, in den nächsten Wochen diesen Eindruck zu ändern und wieder alle mit ins Boot zu holen. „Nicht verschweigen darf man, dass es aber auch durchaus positive Reaktionen auf seine Wahl gab“, berichtet Wehner.

Auch Dr. Katja Leikert, Bundestagsabgeordnete und CDU-Kreisvorsitzende aus dem Main-Kinzig-Kreis, spricht von einem gemischten Stimmungsbild. Und Dr. Jens Mischak, CDU-Kreisvorsitzender und Erster Beigeordneter im Vogelsbergkreis, berichtet: „Nach meinem Eindruck hätte sich die Mehrheit der Mitglieder eher Markus Söder als Kanzlerkandidat gewünscht. Dennoch haben mir einige geschrieben, dass sie in der Abwägung zwischen einer grünen Bundeskanzlerin und Armin Laschet wissen, wo ihr Platz und ihre Präferenz ist.“ (Lesen Sie hier: Laschet oder Söder? - CDU-Politiker aus Osthessen haben einen klaren Favoriten)

Kritik an Armin Laschet: Auch in Fulda, Main-Kinzig-Kreis und Vogelsberg gibt es CDU-Austritte

Parteiaustritte im Zusammenhang mit der Kür des Kanzlerkandidaten hat es demnach in allen drei Kreisverbänden gegeben – allerdings in geringem Ausmaß. „Bedauerlicherweise hat es in den vergangenen Tagen bei uns 13 Austritte gegeben“, berichtet Leikert. Die Mitgliederzahl der CDU Main-Kinzig liege insgesamt aber weiter recht konstant bei etwa 2000. „Auch der Nominierungsprozess an sich hat einige Mitglieder verärgert. So etwas darf nicht wieder passieren. Hier braucht es künftig klare Spielregeln, wie CDU und CSU gemeinsam zu einer tragfähigen Lösung kommen“, führt die Bundestagsabgeordnete aus.

Während es im Vogelsberg lediglich einen Austritt zu verzeichnen gibt, spricht Dag Wehner von Kündigungen, ohne eine konkrete Zahl zu nennen. Allerdings hofft man seitens des Fuldaer Kreisverbandes offenbar, dass da noch nicht das letzte Wort gesprochen ist: „Wie bei jedem Austritt versuchen wir, mit den Personen Kontakt aufzunehmen – mit dem Ziel, dass sie ihren Beschluss noch einmal überdenken“.

Video: Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet attackiert die Grünen und Annalena Baerbock

In den jüngsten Umfragen ist die CDU mitunter hinter die Grünen zurückgefallen. Dennoch geben sich die Kreisverbände mit Blick auf den anstehenden Wahlkampf entschlossen und zuversichtlich. „Das ist eine Momentaufnahme, in die sicher viel Verärgerung über das unglückliche Nominierungsverfahren unseres Kanzlerkandidaten hineingespielt hat“, stellt Wehner mit Blick auf die Umfragen fest.

„Wir müssen uns als Union insgesamt nun wieder zusammenraufen und uns darauf besinnen, wofür wir Politik machen: für eine bürgerliche Gesellschaft, für Eigenverantwortung, soziale Marktwirtschaft und für den Erhalt konservativer Werte – Politik gegen Bevormundung und staatliche Gängelung“, erläutert Wehner, der sich aber ebenfalls eine Debatte darüber wünscht, wie die Kanzlerkandidatensuche in Zukunft ablaufen sollte. „Gleichzeitig wollen wir uns als Partei aber auch nicht spalten lassen. Daher haben wir Herrn Laschet in unseren Kreisverband eingeladen, damit er sich und seine Ziele für unser Land den Menschen in unserer Region vorstellen kann und uns Rede und Antwort steht“, verrät der Fuldaer. (Lesen Sie hier: Koalition in der Stadt Fulda steht: CDU und CWE holen FDP mit ins Boot - Grüne kritisieren Entscheidung)

CDU in Fulda, Main-Kinzig-Kreis und Vogelsberg: „Müssen jetzt zusammenhalten“

„Wir müssen jetzt zusammenhalten und mit einem starken inhaltlichen Profil in den Wahlkampf gehen“, fordert MKK-Kreisverbandschefin Leikert. „Ich will, dass Deutschland ein starkes, wettbewerbsfähiges Land in der Mitte Europas bleibt“, führt sie aus. Armin Laschet werde ein „kompetentes, modernes Team aufstellen“. Leikert ist sich sicher, dass „wir das bessere Angebot machen werden als Rot-Rot-Grün“. Dafür müsse sich die CDU klar für einen Zukunftskurs entscheiden und agiler werden. „Unsere Stärke ist es, alle gesellschaftlichen Gruppen mitzunehmen“, ist Leikert überzeugt.

„So blöd das klingt: Wenn wir uns jetzt von Umfragen nervös machen lassen, dann werden wir die Wahl verlieren“, stellt Mischak fest. Der große Vorteil von Armin Laschet sei, dass „er bislang immer unterschätzt worden ist und in den Fragen nach Kompetenzen in Wirtschafts-, Finanz und Sicherheitsfragen vor der Konkurrenz liegt“. Zwei Drittel der Menschen in Deutschland lebten im ländlichen Raum. „Dazu gehört auch der Vogelsbergkreis. Gerade hier müssen wir als CDU punkten und deutlich machen, was es heißt, wenn grüne Politik auf eine Lebenswirklichkeit trifft, die beispielsweise den Pkw für Arbeit, Versorgung und Freizeit benötigt. Nicht alles, was in Frankfurt funktioniert, eignet sich auch für das Land“, ist sich der Kreisvorsitzende sicher.

Das könnte Sie auch interessieren