Film über Lady Diana

„Spencer“ mit Kristen Stewart in Kronberg gedreht - Diese Aufgabe hatte Museumsdirektor Markus Miller

  • Volker Feuerstein
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Im Schlosshotel Kronberg erlebt Lady Di, dargestellt von Kristen Stewart, derzeit noch einmal bei Dreharbeiten zum Film „Spencer“ eines ihrer traurigsten Weihnachtsfeste; jenes, an dem sie beschließt, sich von Prinz Charles zu trennen. Das Hotel wird dabei zum britischen Schloss Sandringham, Privatbesitz der Königsfamilie.

Kronberg - Was in Kronberg zu Euphorie bei der Bevölkerung führt, sorgt am englischen Hof für Empörung: Insider wissen, die Queen ist „not amused“, gehörte doch die Scheidung ihres Sohnes von Lady Diana Spencer zu den dunkelsten Erlebnissen ihres Lebens. Und dass jene Tage, die zum bitteren Entschluss ihrer Schwiegertochter führten, ausgerechnet im Schloss Friedrichshof, dem Landsitz der englischen Prinzessin Victoria und späteren Kaiserin Friedrich, gedreht werden, stimmt sie auch nicht fröhlich. Unterstehen doch Schloss und Hotel über die Hessische Hausstiftung dem Prinzen und Landgraf Donatus von Hessen, der ihr Großneffe ist. Das Schloss selbst wurde von der englischen Prinzessin und Tochter von Queen Victoria, der Witwe des preußischen 99-Tage-Kaisers Friedrich III., Ende des 19. Jahrhunderts bewohnt.

Deutsche Medien vermuten, dass der Hintergrund der Vermietung des gesamten Areals an die internationalen Produktionsfirmen des Films finanzieller Natur ist, leidet doch auch das Schlosshotel Kronberg unter der Corona-Pandemie, zudem wurde noch vor wenigen Wochen das Traditionshotel der Hausstiftung, der Hessische Hof in Frankfurt, geschlossen. Auch das Personal steht der Filmcrew, deren Mitglieder zum Teil im Schlosshotel Kronberg wohnen, zur Verfügung. (Lesen Sie hier: Fliedener und Kalbacher Krippenspiel-Film wird von mehr als 15.000 Zuschauern gesehen - Macher sind glücklich).

Kronberg: Film „Spencer“ wird mit Kristen Stewart gedreht - Lady Di in ihrer schwersten Stunde

Das Schloss ist hermetisch abgeriegelt und Vertretern der Medien nicht zugänglich. Immerhin hatte der Fuldaer Museumsdirektor Dr. Markus Miller von Schloss Fasanerie die Aufgabe, die Bühne für die Dreharbeiten mit seinen historischen Kenntnissen herzurichten, und er erinnert sich: „Ich durfte die preußischen Bilder von den Wänden nehmen, die englischen blieben hängen.“ Es gab allerdings noch weitere Veränderungen in den repräsentativen Räumen, um das Hotel in Privaträume der Königsfamilie zu verwandeln. Möbel wurden umgeräumt, Gegenstände der Kunstsammlung neu platziert. Miller nimmt den Dreh-Event mit Humor. Gefragt, ob er denn auch eine Rolle in dem Streifen übernehmen darf, vielleicht die von Charles, meint er trocken: „Bestenfalls die seines Stiefelputzers.“

Ob Lady Diana jemals in Kronberg war, ist nicht bekannt. Sie war allerdings 1984 im hessischen Schloss Wolfsgarten. Prinzessin Anne, Tochter der Queen, war 2001 im Schlosshotel Kronberg zu Gast. Prinz Philipp wurde von Landgraf Moritz vor einigen Jahren in Schloss Fasanerie in Eichenzell empfangen. Der Prinzgemahl war auch mit Prinz Edward in Schloss Wolfsgarten, das zur Hessischen Hausstiftung gehört, erinnert sich Miller.

Markus Miller: Ich durfte die preußischen Bilder von den Wänden nehmen, die englischen blieben hängen

Wie auch immer, mit seiner Hilfe als Beauftragter für die Kunstsammlungen des Hauses Hessen entstand ein historisch angemessenes Ambiente für die Handlung, in der der „Twilight“-Star Kristen Stewart (30) die Rolle der Lady Diana verkörpert. Regisseur von „Spencer“ ist der chilenische Filmemacher Pablo Larrain, der durch seine Filme No!“, „El Club“ und „Neruda“ bekannt ist. Am ehesten ist „Spencer“ wohl mit dem Streifen „Jackie“ zu vergleichen, den Larrain 2016 drehte. Bei beiden Filmen ist den Hauptdarstellerinnen - wie im wirklichen Leben - ein Happy End verwehrt, sie nehmen ein tragisches Ende. Das Drehbuch hat Steven Knight geschrieben, bekannt durch das Krimi-Drama „Peaky Blinders - Gangs of Birmingham“.

Der Film ist als eine Art Psychodrama angelegt, in dem Diana entdeckt, dass sie sich selbst verwirklichen will. Larrain: „Sie ist eine Frau, die während der Reise des Films erkennt, dass sie die Frau werden will, die sie war, bevor sie Charles traf.“ Eine Selbstfindung. Ikone, Opfer und Rebellin zugleich, das verspricht ein sensibles Drama in einer passenden Kulisse. Die bisher veröffentlichten Fotos von Kristen Stewart bei den Dreharbeiten lassen eine enge Replik zum modebewusst und individuell gekleideten Original erkennen. Auf dem Foto trägt Stewart einen schwarzen Hut, schwarze Bluse, einen dunklen Gesichtsschleier und eine leuchtend rote Kostümjacke. Als Typ hat sich Stewart verblüffend ihrem Vorbild angepasst

Kristen Stewart zeigt sich als Prinzessin Diana in „Spencer“.

Tatsächlich sollen sich in Sandringham dramatische Szenen abgespielt haben: Diana soll dort bereits versucht haben, sich das Leben zu nehmen. Von den Royals kaum anerkannt, mit einem Mann, dessen Affäre sie wohl mitbekommen hatte, dürfte sie sich bereits früh Gedanken über ihre Rolle an der Seite von Charles gemacht haben. Der Film allerdings soll an einem Wochenende im Jahr 1991 spielen, vermutlich an Weihnachten, Feiertage, an denen sich die Queen regelmäßig mit ihrer Familie traf.

Außer Kristen Stewart gehören zur Filmcrew auch die Oscar-nominierte britische Schauspielerin Sally Hawkins und der ebenfalls britische Timothy Spall, der aus „Harry Potter“-Verfilmungen bekannt ist. Auch Sean Harris, bekannt aus „Mission Impossible“, wird zu sehen sein.

Filmdreh „Spencer“: Für 300 Komparsen-Rollen sollen sich 6000 Bewerber online gemeldet haben

Gedreht wird der Film noch an anderen Orten in England, aber auch in Berlin und Brandenburg. Für 300 Komparsen-Rollen sollen sich 6000 Bewerber online gemeldet haben. Die das Glück hatten, engagiert zu werden, bekommen vom Film-Friseur noch einen kostenlosen Haarschnitt spendiert. In Corona-Zeiten eine willkommene Zugabe. Die Hessen-Film fördert die Produktion mit 250.000 Euro. Der Film soll im ersten Quartal 2022 in die Kinos kommen.

Obgleich es bereits eine lange Reihe von Lady-Di-Filmen gibt, verspricht das Trio Pablo Larrain, Steven Knight und Kristen Stewart eine neue, sensible Aufnahme vom Schicksalstag einer ganz besonderen Frau. Während der Landrat des Hochtaunuskreises, Ulrich Krebs, ein wenig „Downtown Abbey“-Gefühl für seine Region empfindet, freuen sich vor allem weibliche Fans in Kronberg bereits auf das cineastische Wiedersehen mit Lady Di. Der Royal-Experte Michael Begasse allerdings hat eine Person ausgemacht, die sich den Streifen auf keinen Fall ansehen wird. Im Nachrichten- und Unterhaltungsmagazin „Guten Morgen Deutschland“ prophezeite er: „Die Queen guckt diesen Film garantiert nicht!“

Rubriklistenbild: © imago images/brennweiteffm

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