Der Zankapfel: Vor allem um den geplanten Kauf der Wiese unterhalb des Gasthof-Parkplatzes wurde in der Sitzung der Gemeindevertretung in Poppenhausen gestritten.
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Der Zankapfel: Vor allem um den geplanten Kauf der Wiese unterhalb des Gasthof-Parkplatzes wurde in der Sitzung der Gemeindevertretung in Poppenhausen gestritten.

Was passiert mit Traditionsbetrieb?

Keine Wohnmobilstellplätze, kein Sporthotel - heftiger Widerstand gegen Konzept zum Gasthof „Zur Ebersburg“

Eigentlich wollte die Unternehmerfamilie Heurich aus Petersberger in Poppenhausen-Gackenhof in den Tourismus investieren. Nach den Erlebnissen bei der jüngsten Gemeindevertretersitzung hat sie sich von diesem Gedanken aber verabschiedet. 

Poppenhausen - Doch worum ging es bei dem Thema eigentlich? Vor rund zweieinhalb Jahren hat die Heurich Immobilien GmbH von Reinhold und Ellen Günther den Berggasthof „Zur Ebersburg“ gekauft. Seither war der Gaststättenbetrieb allerdings eingestellt - auch während der aktuellen Corona-Pandemie.

Nicht zuletzt deshalb entwickelte die Unternehmerfamilie in den vergangenen Monaten die Idee, den Traditionsbetrieb mit einem neuen Konzept zu reaktivieren. Genau diese Idee skizzierte Matthias Heurich am Donnerstag gemeinsam mit Projektentwickler Martin Geißendörfer den Poppenhausener Gemeindevertretern sowie rund 60 Zuhörern. 

Hessen: Keine Wohnmobilstellplätze, kein Sporthotel - Streit um Gasthof „Zur Ebersburg“ 

„Wir verfolgen bei dem Projekt den Weg der kleinen Schritte”, sagte Heurich. Grob zusammengefasst bedeutet das: In einem ersten Schritt wollte Heurich ein angrenzendes Wiesengrundstück kaufen und dort 33 Wohnmobilstellplätze mit Panoramablick bauen. Der Gasthof hätte dabei als Funktionsgebäude sowie als gastronomisches Angebot zur Verfügung gestanden.

Heurich sprach von einem Lokal mit regionaler, gutbürgerlicher Küche. Wäre dieses Angebot von den Touristen und Anwohnern angenommen worden, hätte er in einem zweiten Abschnitt in die Renovierung und Modernisierung des Gasthofgebäudes investiert. Und bei entsprechender Resonanz am Ende den in die Jahre gekommenen Gasthof durch einen Neubau ersetzt. 

Bei seiner Vision für diesen Neubau handelte es sich um ein Sporthotel mit 60 Zimmern. Drei Stockwerke komplett in Holzbauweise gefertigt, etwa Vier-Sterne-Niveau, einige Tagungsräume, ein ansprechendes Restaurant sowie zwei Dachterrassen.

Zielgruppe neben den Wohnmobilisten: vor allem Outdoor-Aktive, Fahrrad- und Motorradfahrer, Gleitschirm- und Modellflieger sowie im Winter Skifreunde. Dem Vernehmen nach wollte die Familie dabei insgesamt rund sieben Millionen Euro in der Rhöngemeinde investieren.

Doch bereits während der Präsentation schlug ihm teils heftiger Widerstand entgegen. Vor allem der Ankauf der an den Parkplatz angrenzenden Wiese spaltete die Gemeindevertretung. „Es gibt eine direkt angrenzende Landwirtschaft”, formulierte etwa Lioba Mihm von den Freien Wählern. „Da sind für mich die Reibungspunkte auf beiden Seiten schon jetzt vorprogrammiert. Daher lege ich hier mein Veto ein.”

Während etwa Irmtraud Becker (CWE) ein durchdachtes Entwicklungskonzept einforderte und für eine anständige Qualität bei den Speisen warb, meldete sich im Verlauf des Abends auch der angrenzende Landwirt aus dem Publikum zu Wort. Er machte keinen Hehl daraus, dass er selbst ein großes Interesse am Kauf dieser Fläche habe, beim Verkäufer allerdings keinen Zuschlag erhalten hat. „Für mich ist das existenziell”, sagte er.

Matthias Heurich betonte, dass es ihm in keinster Weise darum gehe, die Existenz eines Landwirts zu zerstören. „Ich kann hier nur meine Idee anbieten, die ich gerne realisieren würde. Ob das gewünscht ist oder nicht, entscheiden aber nur Sie selbst”, sagte er ins Parlament. Und fügte an: „Bevor wir Existenzen zerstören, ziehe ich meinen Plan lieber zurück.”

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Daraufhin brandete Applaus im Von-Steinrück-Haus auf.  Und in Heurich reifte wohl spätestens in diesem Moment der Entschluss, kein Geld mehr in die Entwicklung des Berggasthofs zu investieren. Nach Informationen unserer Zeitung hat er mittlerweile entschieden, von den Plänen abzurücken. 

Eine Entwicklung, die Bürgermeister Manfred Helfrich (CDU) schade findet. „Es wäre eine tolle Chance für Poppenhausen und den Ortsteil Gackenhof gewesen”, sagt der Rathauschef. Er hat aber die Hoffnung noch nicht begraben, mit dem Investor über eine etwas kleinere Lösung sprechen zu können, die die Belange der Anwohner berücksichtigt. (von Tobias Farnung)

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