Die Abitur-Prüfungen an der Kinzig-Schule sind gut angelaufen, berichtet Schulleiter Karsten Günder. Auch die Senkung der Mindestklassengröße wird als positiv bewertet.
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Die Abitur-Prüfungen an der Kinzig-Schule sind gut angelaufen, berichtet Schulleiter Karsten Günder. Auch die Senkung der Mindestklassengröße wird als positiv bewertet.

Standorte werden neu ausgerichtet

Immer weniger Azubis: Hessen will Unterricht in Berufsschulen bündeln - Reaktionen aus Osthessen

Immer weniger Lehrlinge, vielerorts immer kleinere Berufsschulklassen: Hessen will mit einer Reform dennoch alle Standorte erhalten. Von Kommunen und Verbänden kommt Zustimmung.

Wiesbaden/Fulda - Angesichts sinkender Azubizahlen will Hessen die Organisation der Berufsschulen neu aufstellen. Werden Klassen so klein, dass ein qualitativ hochwertiger Unterricht nicht an allen Schulen gleichzeitig aufrechterhalten werden kann, sollen die Auszubildenden gebündelt unterrichtet werden. Das kündigten Kultusminister Alexander Lorz (CDU) und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Freitag in Wiesbaden an. Dies könne in regionalen Fachklassen, in Landes- oder Bundesfachklassen geschehen.

„Dabei sollen die Schulen in den Regionen jeweils thematische Schwerpunkte entwickeln, um sowohl die Berufsschulstandorte zu sichern als auch den ländlichen Raum zu stärken“, erläuterte Lorz. In einem ersten Schritt soll die Mindestklassengröße abgesenkt werden - von bisher 15 Schülerinnen und Schülern auf 12 im ersten, 9 im zweiten, 8 im dritten und 5 im vierten Ausbildungsjahr.

Hessen will Unterricht in Berufsschulen bündeln - Standorte werden neu ausgerichtet

Inzwischen gebe es 326 Ausbildungsberufe, die in knapp 600 Fachrichtungen und Schwerpunkte untergliedert sind, führte Lorz aus. Die Zahl der Schüler an 105 Berufsschulen in Hessen sei inzwischen auf unter 100.000 gesunken. Auch im Bereich der Arbeitsagentur Fulda-Bad Hersfeld gibt es deutlich mehr Ausbildungsplätze als Bewerber. Ziel der Landesregierung sei es, alle Berufsschul-Standorte zu erhalten und langfristig zu sichern.

„Erst und nur wenn die Mindestklassengrößen vor Ort nicht mehr erreicht werden können, erfolgt an den regional und landesweit zuständigen Berufsschulen eine Konzentration“, erläuterte der Minister. Dazu werde künftig für jeden Ausbildungsberuf ein Standort ausgewählt, der die Beschulung konzentriert übernimmt.

Nach den Worten des Präsidenten des Hessischen Handwerkstags, Stefan Füll, ist es bereits jetzt schwierig, Berufsschulklassen beispielsweise für angehende Fleischer oder Bäcker zu füllen. Glaser oder Steinmetze würden teils schon gebündelt unterrichtet.

Ab 2026 könnte es Änderungen an Berufsschulen geben - Das sagen Verantwortliche aus Fulda

Al-Wazir betonte, dass es für die Azubis keinen Schulwechsel in der laufenden Ausbildung geben soll. Zunächst soll bis 2024 ein Standortkonzept aufgestellt werden. Nach der neuen Struktur sollen die Berufsschulen nach den Plänen des Landes von 2026 an arbeiten.

„Das hessische Handwerk begrüßt sehr, dass in der Frage der Berufsschulstandorte eine Lösung im Interesse der Ausbildungsbetriebe und der Auszubildenden gefunden werden soll“, erklärte Füll. Zustimmung kam unter anderem auch aus Fulda vom Präsidenten des Hessischen Landkreistages, Bernd Woide. Gerade ländliche Räume lebten von der Bildungsinfrastruktur. Daher begrüße er die Standortgarantie. Der Präsident des Hessischen Industrie- und Handelskammertages, Eberhard Flammer, ergänzte: „Gut, dass die Landesregierung mit dem Standortkonzept die berufliche Bildung in Hessen aktiv stärken möchte.“

Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld, der gleichzeitig der Erste Vizepräsident des Hessischen Städtetages ist, sagte: „Die hessischen Städte werden einen aktiven Beitrag dafür leisten, die duale Ausbildung bedarfsangepasst weiterhin auf hohem Niveau zu gewährleisten.“

Berufsschulstandorte bleiben erhalten - Erleichterung am Berufsschulstandort Schlüchtern

Dass auch der Berufsschulstandort Schlüchtern nicht gefährdet ist, darüber zeigte sich Karsten Günder, Leiter der Kinzig-Schule in Schlüchtern, erleichtert: „Es gibt da schon eine gewisse Angst, die wir als nicht allzu großer Standort haben. Wir sind nicht klein, aber eben auch nicht groß. Was jetzt ansteht sehe ich als Stärkung des ländlichen Raums.“

In der Berufsschule in Schlüchtern waren in den Berufsgruppen Gesundheit, Einzelhandelskaufmann sowie Maurer-Stukkateur mitunter keine 15 Schüler mehr pro Ausbildungsjahrgang. Die Stukkateure wiederum sind in Schlüchtern bereits in einer Landesfachklasse gebündelt, allerdings gibt es in diesem Bereich einfach relativ wenig Auszubildende, wie Günder betont. Als Idee kam auch auf, eine Landesfachklasse Trockenbau zu implementieren.

Günder zeigt großes Interesse daran, Schüler von anderen Schulen aufzunehmen, deren Ausbildungsberufe in das Portfolio der Kinzig-Schule passen könnten. Allerdings bedarf dies großer Anstrengungen: „Da stellt sich die Frage der Unterbringung.“ Bisher hat die Schule für ihre Stukkateure drei Wohnungen von der Stadt Schlüchtern angemietet. Allerdings benötigen die jungen Leute auch eine sozialpädagogische Betreuung, weiß Günder. (dpa, tim, sec)

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