Die Störche sind nach Kerzell zurückgekehrt
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Die Störche sind nach Kerzell zurückgekehrt.

1611 Jungstörche wurden flügge

Meister Adebar im Aufwind: 832 Storchenpaare haben 2020 in Hessen gebrütet

Die Störche in Hessen brüten erfolgreich: Im vergangenen Jahr zählte der NABU Hessen 832 Brutpaare seines Wappenvogels. Das sind 100 mehr als 2019. Dennoch sind die Bestände laut NABU längst noch nicht stabil.

Fulda/Kerzell - Großgezogen haben die Weißstörche in Hessen im vergangenen Sommer 1611 Jungvögel. Das entspricht einer Steigerung zum Vorjahr um zehn Prozent. 2019 wurden 1445 Jungstörche flügge. Die meisten Weißstörche in Hessen brüten nach wie vor im Landkreis Groß-Gerau. Dort wurden 2020 567 Jungvögel von 284 Brutpaaren aufgezogen. Aber auch in Mittel- und Nordhessen nehmen die Bestände weiter zu.

Trotz Bruterfolgen: Bestand an Weißstörchen in Hessen ist nicht stabil

Trotz des außergewöhnlichen Bruterfolges seien die Weißstorch-Bestände in Hessen aber nach wie vor nicht stabil, sagt NABU-Storchexperte Bernd Petri. Nur in bestimmten Kerngebieten, darunter im Kinzigtal, seien die Zahlen beständig. „Alles hängt weiterhin von den Ausbreitungszentren in Südhessen ab. Ohne sie gäbe es im sonstigen Hessen kaum dauerhafte Weißstorch-Vorkommen“, sagt Petri.

Der Gesamtbestand befinde sich immer noch in einer Phase, in der die Weißstörche frühere Brutgebiete in Mittel-, Ost- und Nordhessen wieder besiedeln. Darunter etwa auch ein Nest in Kerzell, in das bereits ein Brutpaar zurückgekehrt ist. „Die Störche sind angekommen und machen Hoffnung, dass wir im Frühsommer wieder Storchennachwuchs sehen können“, sagt Hans Pfleger aus Kerzell, der die Tiere bereits fotografisch festgehalten hat. (Lesen Sie hier: Der Weißstorch ist wieder da: Bruterfolge im ganzen Landkreis Fulda)

Weißstörche überleben nur mit genug Feuchtgrünland

Für die Zukunft des Weißstorches in Hessen sei vor allem der Erhalt von Feuchtgrünland von entscheidender Bedeutung, erläutert Petri. „Störche brauchen möglichst viele nasse Wiesen in Nestnähe, um genug Futter für ihre Jungen zu finden.“ Der Lebensraumverlust steige in Hessen immer noch rasant an. Dies betreffe nicht nur den Weißstorch, sondern auch viele andere Tier- und Pflanzenarten, so Petri. „Der Storchenschutz ist ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt auf unseren Wiesen. Gut, dass immer mehr in Hessen geklappert wird und die Störche in ihrem Bestand zunehmen.“

Noch vor gut 20 Jahren hätte laut NABU-Informationen wohl kaum jemand daran geglaubt, dass Hessen wieder Storchenland wird. Rasante Veränderungen der Landschaften, die Umstellung von Weideviehhaltung auf Stallviehhaltung, Entwässerungen, Flächenverluste durch Bebauung, Stromschläge oder Gifteinsatz führten im vergangenen Jahrhundert zum Verschwinden des Klapperstorchs.

Erst Mitte der 1970er Jahre gab es erste Versuche zur Renaturierung von Auegebieten und eine Ausweisung von Schutzgebieten. Einige Naturschützer bauten künstliche Storchennester. Und vor 20 Jahren, so der NABU in seiner Pressemitteilung, kehrten dann die ersten Weißstörche nach Südhessen zurück. (sko)

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