Der Mais wächst noch etwas verhalten, holt bei dem aktuellen Wetter aber gut auf. (Symbolfoto)
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Der Mais wächst noch etwas verhalten, holt bei dem aktuellen Wetter aber gut auf. (Symbolfoto)

Wintergerste macht Sorge

Wetter in Hessen: Ergiebiger Regen freut Landwirte - Grundwasserstände erholen sich aber kaum

  • Volker Nies
    VonVolker Nies
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Regen, Gewitter, bisweilen heftiger Starkregen – Freibadwetter ist selten. Dafür ist der Rasen grün wie lange nicht mehr in der eigentlich heißen Jahreszeit. Auch die Landwirte freuen sich über das Wetter – mit Einschränkungen. 

Fulda - Das Gras auf den Wiesen in Hessen wächst und wächst. Aber wenn die Landwirte Heu machen wollen, dann haben sie es schwer, ein paar trockene Tage am Stück zu finden. In diesem Jahr regnet es nicht nur deutlich mehr als in den Vorjahren, sondern – gefühlt – auch andauernder.

„Den Landwirten macht jetzt die Wintergerste Sorge. Mancherorts geht diese ‚ins Lager‘“, erklärt Sebastian Schramm, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands (KBV) Fulda-Hünfeld: Die Pflanzen verlieren an Standfestigkeit und fallen zum Teil um. Ergiebige Regenfälle bringen die Gefahr mit sich, dass Unkraut zwischen den Pflanzen hindurch wächst oder die Körner durch die Feuchtigkeit bereits in der Ähre keimen.

Wetter in Hessen: Regen der vergangenen Wochen freut die Landwirte - Wintergerste macht Sorge

Insgesamt sehen die Landwirte den Regen aber gern. Die Getreide-Ernte sehe zum jetzigen Zeitpunkt positiv aus: Schramm erwartet Erträge leicht über dem Durchschnitt. Die Kulturen hätten sich gerade auch wegen der vermehrten Niederschläge gut entwickelt, berichtet er. (Lesen Sie hier: Hünfelder Landwirt blickt auf das Erntejahr 2020: „Wir haben wirklich gelitten“)

„Im Gegensatz zu den anderen Getreidesorten ist der Mais im aktuellen Erntejahr noch hinterher. Das hängt aber weniger mit den Regenfällen der vergangenen Wochen zusammen, als mit der Kälteperiode in den Monaten April und Mai“, erläutert Schramm. Und er fügt hinzu: „Für den Mais passen die aktuellen Temperaturen. Er holt gut auf. Eine spätere Ernte ist jedoch diesmal möglich, voraussichtlich erst Ende September. Aber auch das hängt vom Wetter ab.“

Der Wald habe indes drei „schwere Jahre“ hinter sich, die geprägt von starker Trockenheit gewesen seien, sagt Schramm. Der Regen sei deshalb nicht nur wichtig für das Pflanzenwachstum, sondern auch für die Durchfeuchtung tieferer Bodenschichten.

Regen in Fulda: Für Grundwasser ist Niederschlagsmenge nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“

Der andauernde Niederschlag müsste also dazu führen, dass sich die Wasserspeicher rapide füllen. Dem ist aber nicht so. „Der Füllstand in unseren 30 Tiefbrunnen in Fulda-West und in der Fulda-Aue ist in Folge der vergangenen drei sehr heißen Sommer deutlich gesunken. Er hat sich auch in den teilweise feuchten Monaten im Herbst, Winter und Frühjahr nicht wirklich erholt“, erklärt die RhönEnergie, die 81.000 Menschen mit Trinkwasser versorgt.

„Die Regenfälle der vergangenen Wochen sind da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Entgegen der landläufigen Vermutung hat Starkregen fast keinen Effekt auf das Grundwasser, sondern fließt überwiegend oberirdisch ab. Auch bei anhaltendem Dauerregen dringt die Feuchtigkeit nur sehr langsam zentimeterweise ins tiefere Erdreich vor“, erläutert der Versorger. Insofern habe das „schlechte“ Wetter der vergangenen Wochen mit Blick auf die Trinkwasser-Vorräte wenig bewirkt. (Lesen Sie hier: Wegen Unwetter in Fulda rund 300 Einsätze - Feuerwehr-Chef: „Das gab es die letzten 50 Jahre nicht“)

Regenmengen

133 Liter pro Quadratmeter sind im Juni 2021 laut der Agrar-Infoseite Proplanta in Fulda gefallen. Das ist deutlich mehr als in den Vorjahren.

97,9 Liter fielen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Nur 65,1 Liter waren es im Juni 2019, gar nur 36,7 Liter im Juni 2018.

50 bis 100 Liter kamen in manchen Orten Osthessens am 5. Juni 2021 binnen einer Stunde als Sturzregen herunter.

„Aber natürlich ist jeder Niederschlag willkommen“, äußert die RhönEnergie. Gartenbesitzer, die während der Regentage ihre Zisternen oder größeren Regenwasser-Tanks auffüllen konnten, werden in den nächsten Wochen weniger Wasser für die Gartenbewässerung aus dem Trinkwassernetz entnehmen.

Das überall sprießende Grün hält die kommunalen Gartenämter auf Trab. Allein das Grünflächenamt der Stadt Fulda hat 400 Hektar zu pflegen – vom Park über Sportplätze bis hin zu Friedhöfen. „Pflegeintensive Flächen wie Parkanlagen oder verkehrssicherheitsrelevante Flächen an Kreuzungen oder Straßeneinmündungen haben Vorrang“, berichtet Johannes Heller, Sprecher der Stadt.

Video: Das Wetter in Hessen am 7. Juli

„Gleichzeitig spielt der Gesundheitsschutz eine entscheidende Rolle bei der Priorisierung der Pflegemaßnahmen. Kritische Standorte, an denen etwa Eichenprozessionsspinner oder Herkulesstauden vorkommen, müssen zeitnah behandelt und andere Maßnahmen dafür zurückgestellt werden.“ Ein bisschen Luft haben die Mitarbeiter aber, weil sie derzeit nicht gießen müssen. „Manchmal kommen wir aber auch nicht schnell genug hinterher, so dass Gräser und Blumen bisweilen durchwachsen. Das wiederum kommt den Insekten zu Gute“, sagt Heller.

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