Schulkinder laufen vor Schule.
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Unbeschwertes Lernen wie vor der Corona-Zeit soll nach dem Wunsch des hessischen Kultusministers bald wieder möglich sein.

Kultusminister Alexander Lorz verkündet

Präsenzunterricht an Hessens Grundschulen startet am 22. Juni

  • Leon Schmitt
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  • Bernd Loskant
    Bernd Loskant
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Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hat am Mittwoch verkündet, dass der Präsenzunterricht an Hessens Grundschulen am 22. Juni wieder startet. Wann es bei den weiterführenden Schulen wieder los geht, hänge von der weiteren Entwicklung der Corona-Infektionslage ab.

  • Hessens Grundschulen nehmen den Regelbetrieb am 22. Juni wieder auf.
  • Wann die weiterführenden Schulen nachziehen, hängt von der Corona-Entwicklung ab.
  • Derweil sind Schulleiter aus der Region überrascht, dass der normale Unterricht noch vor den Sommerferien starten soll.

Update 10.55 Uhr: Hessens Grundschulen beginnen am 22. Juni wieder mit dem gemeinsamen Präsenzunterricht für alle Kinder. Das Abstandsgebot gelte dann nicht mehr, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Mittwoch.

Auf die Frage, wann es in den Schulen oberhalb der Grundschule zum Regelbetrieb käme, antwortet der Kultusminister Alexander Lorz (CDU), das hänge von der weiteren Entwicklung der Corona-Infektionslage ab. Man wolle mit der Grundschule voranschreiten.

Die weiterführenden Schulen sollten bis zu den Sommerferien weiterarbeiten wie bisher, die Situation werde immer wieder neu bewertet. An den weiterführenden Schulen sei auch die Betreuungsproblematik nicht so hoch, wie bei den Grundschulen und der digitale Fernunterricht könne viel auffangen.

Außerdem wurde bei der Pressekonferenz über die Schwimmbäder-Öffnung und über die geltenden Kontaktbeschränkungen gesprochen.

Ursprungsmeldung vom 10. Juni, 10.11 Uhr:

Fulda - Wie können Hessens Schulen angesichts der Corona-Pandemie zu einem weitgehenden Regelbetrieb mit Unterricht in den Klassen zurückkehren? Kultusminister Alexander Lorz will so schnell wie möglich zurück zum Normalbetrieb – und erwägt in einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“, den Regelbetrieb zumindest testweise noch vor den Sommerferien wieder zu starten. Hintergrund sind Vorschläge von Medizinern, die beiden Wochen vor den Ferien als Testphase zu nutzen, um Erfahrungen zu sammeln und die Ferien gegebenenfalls als Sicherheitspuffer zu nutzen.

Regelbetrieb nach Sommerferien wird anders als vor Corona

Wenn renommierte Mediziner dies für möglich halten, „dann sollten wir das ernsthaft prüfen“, sagte Lorz der Zeitung. „Allerdings möchte ich betonen, dass auch der erhoffte Regelbetrieb nach den Sommerferien nicht der gleiche sein wird wie vor Corona.“ Wahrscheinlich werde zumindest das erste Schulhalbjahr noch von gewissen Einschränkungen geprägt sein, selbst wenn Abstandsregeln aufgegeben und die Gruppengrößen wieder auf den regulären Stand gebracht würden, erläuterte Lorz.

Über die Details, wie es nach den Sommerferien weitergeht, berät seit gestern ein Expertengremium, die „Konzeptgruppe Schuljahresbeginn 2020/2021“. „Unser Ziel ist es, gemeinsam Lösungen zu finden, damit möglichst alle Schülerinnen und Schüler zügig wieder an fünf Tagen in der Woche in die Schule gehen können“, erklärte Kultusstaatssekretär Manuel Lösel in Wiesbaden.

Alle Schulformen und Regionen in Konzeptgruppe vertreten

In der „Konzeptgruppe Schuljahresbeginn 2020/2021“ sitzen unter anderem 15 Schulleiterinnen und Schulleiter sowie Vertreter der Lehrer, Schüler und Eltern. Es sind laut Ministerium alle Schulformen aus allen Regionen vertreten. „Von unseren Praktikern aus den Schulen zu erfahren, wo der Schuh drückt, ist schon in normalen Zeiten wichtig. In der jetzigen Situation sind ihre Erfahrungen Gold wert“, erklärte Lösel. Er zeigte sich zuversichtlich, dass vor Beginn der Sommerferien ein Konzept vorliegt.

Reinhard Schwab, Vorsitzender des hessischen Philologenverbands, spricht sich „entschieden“ gegen eine Öffnung der Schulen noch vor den Sommerferien aus. Wenn Infektionsforscher Erfahrungen mit dem Regelbetrieb sammeln wollten, geschehe dies einzig zu Lasten von Lehrkräften und Schülern. Diese würden als „Versuchskaninchen“ einer „unnötigen Gesundheitsgefahr“ ausgesetzt. Schwab fordert, den derzeitigen „Krisenmodus“ beizubehalten. Eine Öffnung der Schulen im Regelbetrieb könne für nach den Sommerferien geplant werden, „wenn die Infektionszahlen es zulassen“.

Dr. Ulf Brüdigam, Leiter Freiherr-vom-Stein-Schule Fulda:

Dr. Ulf Brüdigam, Leiter Freiherr-vom-Stein-Schule Fulda.

„Es passt zum wissenschaftsgeleiteten Umgang mit der Corona-Pandemie, einen Testballon vor den Ferien zu starten, um zu sehen, wie weit und wohin er treibt. Ein flächendeckendes Experiment über alle Schulformen und das ganze Land Hessen hinweg ist aus meiner Sicht aber nicht notwendig, um Erkenntnisse über die Verbreitung der Infektion in den Schulen zu gewinnen.

Selbstverständlich kann die Freiherr-vom-Stein-Schule den Schalter auf Regelbetrieb umlegen, wenn das gefordert ist. Der überwiegende Teil von Kolleginnen und Kollegen aus der Risikogruppe hat bislang unterrichtet, Abiturprüfungen abgenommen und vollen Einsatz gezeigt. Dafür gebührt ihnen Dank und Anerkennung! Beim Unterricht in der regulären Klassenstärke und mit erhöhtem Infektionsrisiko werden sie die Situation aber neu bewerten müssen. Derzeit fehlen noch jegliche Vorgaben zu der Idee des Ministers, um konkrete Prognosen zu wagen, mit wie vielen Lehrkräften welche Form des Unterrichts abgesichert werden soll. Möglicherweise bringt der Probelauf aber diese Erkenntnisse.“

Karsten Günder, Leiter Kinzig-Schule Schlüchtern:

Karsten Günder, Leiter Kinzig-Schule Schlüchtern.

„Die Aussage unseres Ministers hat mich tatsächlich überrascht. Ich bin gespannt, ob und in welcher Weise dieses Vorhaben auf die Beruflichen Schulen in Hessen angewendet werden kann.

Zum jetzigen Zeitpunkt werden alle Klassen der dualen Berufsschule mit mindestens zwei Dritteln der Regelstunden unterrichtet. Die Vollzeitschulformen unterrichten wir im Mittel etwa zehn Stunden in der Woche. Ein Regelbetrieb kann nur dann in unserem System angefahren werden, wenn das Abstandsgebot von 1,5 Metern fällt und wir zusätzlich Lehrkräfte zur Verfügung gestellt bekommen, die die coronabedingten Ausfälle kompensieren. Ich würde mir einen klaren, vertretbaren Schnitt zur unterrichtsfreien Sommerzeit wünschen.“

Ralf Kleemann, Konrektor der Konrad-Adenauer-Schule in Petersberg:

Ralf Kleemann, Konrektor der Konrad-Adenauer-Schule in Petersberg.

„Wenn es noch vor den Sommerferien wieder Regelunterricht geben soll, müssen die bestehenden Abstands- und Hygieneregeln neu definiert werden. Ein richtiger Neustart ist sicherlich zwei Wochen vor Schuljahresende nicht mehr möglich. Das kann dann allenfalls eine Überprüfung des Handlings sein, wie es nach den Sommerferien wieder losgehen könnte. Aber warten wir jetzt ab, was an konkreten Vorgaben aus Wiesbaden kommt.“

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