Kein Hessentag ohne Riesenrad (wie hier in Bad Hersfeld): Das Landesfest im vergangenen Jahr hatten mehr als 860.000 Gäste besucht.
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Kein Hessentag ohne Riesenrad - wie hier in Bad Hersfeld: Das Landesfest im vergangenen Jahr hatten mehr als 860.000 Gäste besucht.

Entscheidung Mitte Januar

Hessentag 2021 in Fulda: Zeichen deuten auf Verschiebung - So reagieren die Fraktionsvorsitzenden

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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„Mir fehlt die Fantasie, wie man in gerade einmal fünf Monaten einen Hessentag feiern will“: Das sagte kürzlich Landrat Bernd Woide (CDU) im Interview mit unserer Zeitung. Doch die Stadt Fulda und das Land Hessen haben noch keine Entscheidung getroffen: Die Zeichen deuten aber darauf hin, dass das Landesfest wohl verschoben wird.

Fulda - Über allem stehe der Schutz der Besucher: So hieß es in den vergangenen Monaten vonseiten der Stadt immer wieder. Doch welche Konsequenz folgt daraus? Ist die Ausrichtung des Hessentags in knapp fünf Monaten, wenn auch mit ausgeklügeltem Hygienekonzept, verantwortbar? Aus der Sicht des Landrats offenbar nicht. Er wies im Interview darauf hin, dass der Kreis auch die Jubiläumsveranstaltung200 Jahre Landkreis“ bereits auf 2022 verschoben hat. „Ein solches Fest macht für uns derzeit keinen Sinn“, erklärte er. Auch andere für nächstes Jahr geplante Großveranstaltungen sind bundesweit längst abgesagt worden: Der Tag der Sachsen ist gestrichen, der Hamburger Hafengeburtstag fällt ins Wasser, und der Ökumenische Kirchentag im Mai findet nicht in Frankfurt, sondern nur im Internet statt.

Bei der Hessentagsstadt Fulda hingegen ist man noch nicht so weit: „Zu den Planungen für den Hessentag befindet sich Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld in enger Abstimmung mit dem Land Hessen und dem Landkreis Fulda“, teilt die städtische Pressestelle mit. Ähnlich klingt das beim Land: „Das Land tauscht sich intensiv mit der Stadt Fulda als Veranstalterin über die Gestaltung des Hessentags aus und unterstützt sie bei ihren Planungen“, erklärt Staatsminister Axel Wintermeyer (CDU), der auch noch auf das „flexible und qualitativ hochwertige“ Hygienekonzept der Stadt hinweist und wie wichtig der Leitgedanke sei, dass sich der Hessentag den Städten anpassen müsse.

Hessentag 2021 in Fulda: Zeichen deuten auf Verschiebung - Das sind die Reaktionen

Eine Entscheidung dürfte Mitte Januar getroffen werden. Dann nämlich findet laut Stadt die nächste Sitzung des Hessentagsbeirats statt, dem die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses und damit unter anderem auch die Vorsitzenden der Fraktionen angehören.

Einer von ihnen, der Fraktionsvorsitzende der SPD und Kandidat bei der Oberbürgermeisterwahl, Jonathan Wulff, hat sich bereits jüngst während der Haushaltsberatungen klar positioniert und eindringlich darum gebeten, über eine Verschiebung in den Spätsommer oder Herbst nachzudenken. Aus seiner Sicht könne der Hessentag dann zu einem Konjunkturprogramm für die Innenstadt werden – und möglicherweise die erste große Veranstaltung, zu der die Menschen nach der Corona-Pandemie wieder zusammenkommen könnten.

Hessentag in Fulda: So reagieren die Fraktionsvorsitzenden auf die mögliche Verschiebung

Und auch die anderen Fraktionen stehen einer Verschiebung aufgeschlossen gegenüber; beispielsweise kommen aus der CDU erste Signale, eine Verschiebung unterstützen zu wollen. Fraktionschefin Patricia Fehrmann weist aber darauf hin, dass eine enge Abstimmung mit dem Land Hessen nötig sei. Auf die Frage, ob das Fest auch um mehrere Jahre verschoben werden könnte, erklärt sie: „Wenn das die beste Lösung sein sollte, ist auch das vorstellbar.“ Die Entscheidung darüber falle jedoch im Hessentagsbeirat.

Reaktionen der Fraktionsvorsitzenden

Patricia Fehrmann (CDU): Dass eine Ausrichtung im Mai trotz des gut ausgearbeiteten Hygienekonzepts kritisch gesehen wird, könne sie nachvollziehen, erklärt die Fraktionsvorsitzende der CDU. „Auch ich kann mir das im Moment nur bedingt vorstellen.“ Doch ob eine Verschiebung um lediglich zwei bis drei Monate ausreicht, sei zweifelhaft. Fehrmann erinnert daran, dass zum Hessentag stets Hunderttausende Besucher erwartet werden, und noch sei unklar, bis wann wie viele Impfdosen zur Verfügung stehen. Sie unterstreicht: „Es ist wichtig, dass sich die Stadt in enger Abstimmung mit dem Land Hessen befindet. Entscheiden muss dann der Hessentagsbeirat.“

Jonathan Wulff (SPD): „Offenbar beabsichtigt der Magistrat nun doch eine Verschiebung“, vermutet Jonathan Wulff, Vorsitzender der SPD-Fraktion und Kandidat für die OB-Wahl. Bereits Mitte Dezember hatte er die Verschiebung des Hessentages auf September/Oktober vorgeschlagen. Die Ablehnung von OB Wingenfeld sei damals „ebenso rasch wie barsch“ gewesen, findet Wulff. Er erklärt: „Angesichts der gestarteten Corona-Impfkampagne haben wir eine echte Chance auf einen tollen Hessentag im Spätsommer/Frühherbst. Wir sollten sie nutzen. Das sind wir insbesondere den Einzelhändlern, Gastronomen und Kulturschaffenden schuldig.

Silvia Brünnel (Grüne): Die Vorsitzende der Fraktion Grüne/Bündnis 90 hält sich vorerst bedeckt. Silvia Brünnel verweist darauf, dass nun Gespräche und eine enge Abstimmung zwischen Stadt, Landkreis und Land stattfinden. „Wir werden abwarten, was diese Gespräche ergeben.“ Alles Weitere werde dann in einer Sitzung des Hessentagsbeirats besprochen: „Dazu wurde dieses Gremium ja auch gebildet.“ 

Martin Jahn (CWE): Die Entscheidung, den Hessentag abzusagen oder zu verschieben, sei „noch zu verfrüht“, erklären CWE-Fraktionsvorsitzender Martin Jahn und CWE-Stadtrat Rainer Kohlstruck: „Eine Absage des Hessentages wäre jetzt, da es ein Licht am Ende des Tunnels gibt, kein gutes Signal.“ Eine gänzliche Absage liege aber auch wegen der Förderungen des Landes nicht allein in der Hand der Stadt Fulda. Aus Sicht der CWE wäre aber eine Verschiebung möglicherweise in das Jahr 2022 „eine gute und positive Lösung“ – auch, um den Charakter des Festes zu erhalten.

Michael Konow (IHK-Hauptgeschäftsführer):Events wie der Weihnachtsmarkt, verkaufsoffene Sonntage und sicher auch der Hessentag sind Frequenzbringer für die Innenstadt und aus Sicht des stationären Einzelhandels absolut zu begrüßen“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Konow. „Insofern ist es erst einmal wichtig, dass der Hessentag 2021 überhaupt in Fulda stattfindet.“ Die Wahrscheinlichkeit eines unbeschwerten Einkaufserlebnisses der vielen auswärtigen und Fuldaer Gäste sei im Herbst kommenden Jahres durch die angelaufene Impfkampagne aber sicher höher als im Frühjahr. Bis dahin sei es wichtig, dass das alltägliche wirtschaftliche Leben wieder anlaufe.

Letztlich gibt es für die Stadt Fulda und das Land Hessen drei Optionen. Erstens: das Landesfest wird im Mai ausgerichtet wie geplant – mit neuen Veranstaltungsformaten und einem Konzept, das derzeit drei verschiedene Quartiere auf der Ochsenwiese, in den Fulda-Auen und im Barockviertel vorsieht. Zweite Möglichkeit: Der Hessentag wird auf einen späteren Zeitpunkt in diesem Jahr verschoben. Oder drittens: Der Hessentag wird 2021 komplett abgesagt. Ein Nachholtermin wäre aber wohl frühestens 2026 möglich. Für die kommenden Jahre sind Haiger, Pfungstadt und Fritzlar als Hessentagsstädte gesetzt, und 2025 holt Bad Vilbel das in diesem Jahr ausgefallene Landesfest nach.

Wie auch immer die Entscheidung lautet – Staatsminister Wintermeyer gibt den Fuldaern mit auf den Weg: „Ich bin sicher, die Stadt, das Land und die weiteren Partner des Hessentags werden weiterhin mit Zuversicht und Besonnenheit agieren.“

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