700.000 Menschen waren vor 30 Jahren nach Fulda gekommen. 1990 hatte die Barockstadt das älteste und größte Landesfest Deutschlands zum ersten Mal ausgerichtet.
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700.000 Menschen waren vor 30 Jahren nach Fulda gekommen. 1990 hatte die Barockstadt das älteste und größte Landesfest Deutschlands zum ersten Mal ausgerichtet.

CWE will keine „Billig-Version“

Verschlankter Hessentag: CDU erwartet ein Fest mit viel Charme

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Die Region zittert um den Hessentag im kommenden Jahr. Stattfinden wird Hessens größtes Landesfest wohl, es wird wegen der Corona-Pandemie aber voraussichtlich „verschlankt“. Das sagte Fuldas OB Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) in einem Interview mit unserer Zeitung. Beim Koalitionspartner CWE trifft die Ankündigung auf Unverständnis.

  • OB Heiko Wingenfeld hat im Interview mit unserer Zeitung gesagt, dass der Hessentag in Fulda voraussichtlich „verschlankt" wird.
  • Die CWE-Fraktion äußert Unverständnis: Eine Art „Billig-Version" sei ein Unding.
  • CDU-Fraktionsvorsitzende Patricia Fehrmann macht klar: Fulda muss sich eine neue Form für den Hessentag überlegen.

Fulda - Weniger Angebote, vor allem weniger Tanz und keine großen Konzerte: So soll der Hessentag im kommenden Jahr in Fulda geplant werden. Konkrete Details – welche Kernangebote wegfallen könnten, ob sich der Zeitplan ändert, wie ein Sicherheitskonzept aussehen muss – nannte Wingenfeld im Interview mit unserer Zeitung noch nicht. Sämtliche bisherigen Überlegungen und Absprachen mit dem Land Hessen sollen zunächst dem Hessentagsbeirat vorgestellt werden, der in dieser Woche tagt. Der Oberbürgermeister hat allerdings bereits deutlich gemacht, was das Fest für die Stadt Fulda bedeutet: nämlich nicht nur eine „große Party“, sondern die Möglichkeit, Landesgelder in stattlicher Millionenhöhe zu erhalten. Diese stehen für die Durchführung der zehntätigen Veranstaltung und vor allem für Investitionen in die Stadtentwicklung zur Verfügung.

CWE fordert: Wenn Hessentag, dann richtig

Martin Jahn, CWE-Fraktions- und Stadtverbandsvorsitzender, hat jedoch andere Ansichten: „Der Hessentag bedeutet mehr als Fördermittel. Es geht auch darum, für unsere Stadt zu werben.“ Und er sei ein Wirtschaftsfaktor für Handel und Gastronomie. „Eine Art Billig-Version“, sagt Jahn, sei ein Unding. Ohnehin plädiert er dafür, trotz Corona-Pandemie wieder mehr Normalität zuzulassen: „Die Leute fahren bald wieder nach Mallorca, warum sollen wir den Hessentag nächstes Jahr auf halber Sparflamme laufen lassen?“, fragt er provokativ und unterstreicht die Forderung der CWE: „Wenn Hessentag, dann aber bitte richtig.“

Viele kleine, auf die Stadt verteilte Veranstaltungen eine Option?

Die Vorsitzende der CDU-Fraktion, Patricia Fehrmann, erklärt dagegen: Es sei klar, dass der Hessentag in seiner ursprünglichen Form nicht stattfinden könne. Fulda müsse jetzt kreativ und innovativ werden und andere Formen finden, die sowohl die Stadt als auch die gesamte Region präsentieren können. Fehrmann regt zum Beispiel „viele kleinere und auf die Stadt verteilte Veranstaltungen“ an. Es sei gut, dass sich der Oberbürgermeister bereits intensive Gedanken darüber gemacht habe, welche Optionen es geben könnte. Sie betont: „Unsere Stadt ist so vielfältig, dass sie einen Hessentag mit viel Charme ausrichten kann. Und ,anders‘ heißt nicht, dass er weniger schön wird.“

Land: Fulda kann Großveranstaltungen

Auch das Land Hessen zeigt sich davon überzeugt, „dass die Stadt Fulda gerade in dieser besonderen Zeit mit ihrer großen Kompetenz bei Großveranstaltungen punkten kann“. Das sei auch schon bei den bereits vorgestellten Planungen für den kommenden Musical-Sommer deutlich geworden, der ebenfalls im Mai 2021 beginnen soll, heißt es aus der Staatskanzlei.

Kein Hessentag ohne Riesenrad: Dieses Foto ist 2018 in Korbach entstanden.

Auf die Frage, ob der Hessentag tatsächlich kleiner werden muss – im vergangenen Jahr waren 862.000 Besucher nach Bad Hersfeld gekommen, zum Rekordhalter Kassel sogar über 1,8 Millionen – antwortet die Regierungsbehörde aber zurückhaltend: „Diese Entscheidung ist im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung durch die Verantwortlichen vor Ort zu treffen.“ Es gelte aber abzuwägen: Zum einen sei es „realitätsfremd“, die Auswirkungen einer Pandemie nicht zu berücksichtigen. Zum anderen sei der Hessentag ein „herausragender Impuls für eine nachhaltige Stadtentwicklung“ und „ein einzigartiges Konjunkturprogramm“.

Hessentag hat sich stets verändert

Die hessische Staatskanzlei weist darauf hin, dass sich der Hessentag ohnehin im Laufe seiner Geschichte stets verändert habe. Auch das Sicherheits- und Hygienekonzept müsse ebenfalls immer an die jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden. „Es braucht Mut, Gestaltungswillen und Phantasie, um das Projekt Hessentag Wirklichkeit werden zu lassen“, erklärt die Staatskanzlei. Der dann 60. Hessentag in Fulda sei in einer Zeit, in der sich die Menschen nach Gemeinschaft sehnten, ein wichtiges Signal für den Zusammenhalt der Gesellschaft.

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