Abspecken oder gar verschieben? Die Ausrichtung des Hessentages im Mai 2021 steht in der Diskussion. Das Landesfest im vergangenen Jahr wie hier in Bad Hersfeld hatten mehr als 860.000 Gäste besucht.
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Abspecken oder gar verschieben? Die Ausrichtung des Hessentages im Mai 2021 steht in der Diskussion. Das Landesfest im vergangenen Jahr wie hier in Bad Hersfeld hatten mehr als 860.000 Gäste besucht.

Ärger über die OB-Ankündigung

Fraktionen üben Kritik und bringen Verschiebung des Hessentages ins Spiel

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Die Ankündigung des Oberbürgermeisters in einem Interview mit unserer Zeitung, den Hessentag 2021 verkleinern zu wollen, hat bei der Opposition Unmut ausgelöst. Auch die Frage, ob es nicht besser wäre, das Landesfest zu verschieben, steht nun im Raum.

Fulda - Michael Grosch, Fraktionsvorsitzender der FDP, ist verärgert. Die Liberalen hatten der Ausrichtung eines Hessentages in der Barockstadt schon immer skeptisch gegenüber gestanden; nun prangert Grosch an, dass seine Fraktion von den Plänen des Magistrats erst aus der Zeitung erfahren habe: „Es ist nicht richtig, dass der Oberbürgermeister solche Dinge verkündet, ohne dass sie im Ausschuss oder Beirat besprochen wurden.“ Schließlich habe die Stadtverordnetenversammlung einst die Ausrichtung des Hessentages beschlossen, nun müsse sie auch die Chance erhalten, zu entscheiden, ob der Hessentag tatsächlich verschlankt – oder möglicherweise auch verschoben wird.

FDP: Finanzielles Risiko genau bewerten

Einer Verkleinerung steht der FDP-Fraktionschef eher kritisch gegenüber: Ein abgespeckter Hessentag sei „wie eine Geburtstagsfeier ohne Gäste“. Ohne die größeren Veranstaltungen werde es schwierig, Leute dazu zu bewegen, die Barockstadt zu besuchen. Er mahnt daher an, insbesondere auf die Wirtschaftlichkeit zu achten: „Wir müssen uns vorher genau die Zahlen anschauen und wie hoch das finanzielle Risiko bei einer Verkleinerung, einer Verschiebung oder einer Absage wäre.“ Denn der Hessentag koste die Stadt in jedem Fall „eine ganze Menge Geld“. Dennoch gibt Grosch zu: „Es ist keine leichte Entscheidung.“

Nachhaligkeit und Vielfalt der Veranstaltungen wichtiger als große Partys?

Auch Silvia Brünnel, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Grüne, findet es „ärgerlich“, dass die Debatte über eine Neuausrichtung des Hessentages nun schon vor der Sitzung des Hessentagsbeirats öffentlich geführt werde. Sie plädiert dafür, über Lösungen gemeinsam mit dem diesjährigen Ausrichter Bad Vilbel sowie mit den zukünftigen Hessenstagsstädten in Abstimmung mit dem Land nachzudenken. In einem zweiten Schritt sollten dann Vorschläge in den städtischen Gremien erarbeitet werden.

Kein Hessentag ohne Riesenrad: Dieses Foto ist 2018 in Korbach entstanden.

„Dabei bedarf es nicht zwingend großer Partys oder Konzerte“, findet Brünnel. Der Wert von kulturellen Veranstaltungen bemesse sich in erster Linie an der Qualität. Die Stadt habe in den vergangenen Jahren mit kleinen Bühnen und außergewöhnlichen Veranstaltungsorten gezeigt, dass sie sich ansprechend präsentieren könne. Fulda solle auf die Vielfalt der Veranstaltungen und eine Nachhaltigkeit hinsichtlich der Stadtentwicklung achten, betont Brünnel. So könne Fulda auch von den Landesgeldern profitieren. Auf jeden Fall bedürfe der Hessentag einer breiten Zustimmung – sowohl bei Politik als auch bei den Bürgerinnen und Bürgern: „Er sollte nicht im Vorfeld zum Zankapfel werden.“

Wulff: Befürchte, dass Hessentag gar nicht stattfinden kann

Jonathan Wulff, Fraktionsvorsitzender der SPD, unterstreicht: „Wie der Hessentag geplant war, wird er nicht stattfinden können.“ Der Magistrat müsse das Programm „sehr, sehr abspecken.“ Eine andere Option gebe es nicht.

Auch wenn sich nicht voraussagen lässt, wie die Lage im Frühjahr kommenden Jahres aussieht, verweist Wulff auf die aktuellen Regelungen, nach denen keine Großveranstaltungen mit mehr als 100 Besuchern stattfinden dürfen. „Und beim Hessentag werden wir eine sehr große Besucherzahl haben.“ Er sei gespannt auf die Vorschläge der Stadt. „Angesichts der Sicherheitsaspekte, die berücksichtigt werden müssen, scheint mir die Veranstaltung des Hessentages aber schwierig zu werden“, sagt Wulff. Er befürchte, dass das Landesfest überhaupt nicht stattfinden kann. „Das wäre schade und bedauerlich, denn Gastronomie und Handel setzten schließlich auf den Hessentag.“

Der Hessentagsbeirat, der aus den Mitgliedern des Haupt- und Finanzausschusses besteht, wird am Montag, 22. Juni, zusammenkommen – und dann voraussichtlich lebhaft debattieren.

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