Gerhard Müller an seinem Schreibtisch im Bürgerhaus in Heubach. Dort bietet der Ortsvorsteher jeden Mittwoch eine Sprechstunde für Bürgerinnen und Bürger an.
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Gerhard Müller an seinem Schreibtisch im Bürgerhaus in Heubach. Dort bietet der Ortsvorsteher jeden Mittwoch eine Sprechstunde für Bürgerinnen und Bürger an.

Bei 176 Sitzungen einmal gefehlt

Eine Wahlperiode geht noch - Gerhard Müller ist seit 1977 Ortsvorsteher von Heubach

  • Marcus Lotz
    vonMarcus Lotz
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Im Jahr 1977 war der heutige Bürgermeister der Gemeinde Kalbach, Florian Hölzer (parteilos), noch gar nicht geboren – und Gerhard Müller schon Ortsvorsteher von Heubach.

Heubach - Fragt man Gerhard Müller, was er mit dem 27. April 1977 verbindet, kommt die Antwort ohne Zögern: An diesem Tag wurde der damals 24-Jährige zum Ortsvorsteher von Heubach gewählt. „Ich wurde damals von Hans Glock, der mir politisch nahestand, angesprochen.“

Zu diesem Zeitpunkt war Müller bereits einige Jahre in der Gemeindepolitik tätig: „Angefangen habe ich 1973 im Gemeindevorstand.“ In den Ortsbeirat wurde er schließlich mit drei zu zwei Stimmen gewählt. Im gleichen Jahr wurde er Mitglied der Gemeindevertretung.

Gerhard Müller ist seit 1977 Ortsvorsteher von Heubach

Dass sich ein junger Mensch für Kommunalpolitik engagiert, war auch damals „schon ein bisschen ungewöhnlich“, erzählt Müller. Die meisten Kollegen waren fast doppelt so alt wie er. „Kommunalpolitik hat mich schon von Jugend an interessiert, obwohl ich durch keinen meiner Vorfahren in dieser Richtung vorbelastet war.“ Der Reiz an dem Betätigungsfeld lag und liegt daran, „für das Dorf und die Gemeinde etwas zum Positiven zu gestalten“, sagt der 66-Jährige.

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„Die Anfangszeit war schon ein bisschen schwierig“, erinnert sich der gelernte Bäckermeister zurück. „Es gab keine Übergabe oder Gespräche mit dem Vorgänger.“ Seitdem habe es „natürlich immer mal kleine Meinungsverschiedenheiten“ gegeben, insgesamt verlaufe die Arbeit aber sehr harmonisch. „Wir wollen alle was fürs Dorf bewegen.“ Insbesondere mit seinem Stellvertreter Gerhard Welchar sei er ein „sehr gutes Team“ – und das bereits seit 1997.

„In meine Amtszeit fielen 176 Ortsbeiratssitzungen. Bei einer habe ich gefehlt“, erzählt Müller. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm die Erweiterung und der Neubau des Bürgerhauses in dem 700-Seelen-Ort in den Jahren 2002 bis 2004 und die Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“, wo Heubach Bezirkssieger wurde und auf Landesebene teilnahm. Ein „absolutes Highlight“ sei auch die 650-Jahrfeier in 2006 gewesen. „Das waren schon schöne Sachen.“

Müller: Wir wollen alle was fürs Dorf bewegen

Im Laufe von 42 Jahren habe sich auch der Aufgabenbereich eines Ortsvorstehers geändert. Durch die Einführung des elektronischen Personalausweises etwa. „Vorher sind alle Personal- und Reisepässe über meinen Tisch gegangen und dann erst nach Mittelkalbach. Das war schon ein Einschnitt, wodurch das Aufgabengebiet kleiner wurde.“

Auch in der Landwirtschaft habe sich seit 1977 einiges geändert. „Zu Beginn meiner Amtszeit hatten wir noch 56 landwirtschaftliche Betriebe. Die Ummeldungen und Verpachtungen liefen dann auch über mich. Seit einigen Jahren gibt es von diesen Betrieben aber nur noch wenige und die melden sich in Kassel, das läuft nicht mehr über die Gemeinde.“

Gerhard Müller ist mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet

Die allgemeinen Aufgaben eines Ortsvorstehers blieben aber nach wie vor – ein offenes Ohr für die Belange der Bürgerinnen und Bürger zu haben. „Typische Anliegen sind natürlich Beschwerden, wenn irgendwo ein Loch im Feld ist oder sonst etwas nicht stimmt. Dann wird erstmal hier angerufen – so soll‘s auch sein.“ Mit den Heubachern kommt der 66-Jährige sehr gut aus. „Ich stehe eigentlich mitten im Dorf.“

Für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement wurde Gerhard Müller 2017 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Und auch wenn er in Heubach aus Sicht des Ortsvorstehers „eigentlich mit allem zufrieden“ ist, möchte er noch eine Wahlperiode dranhängen. „Ich werde ab Frühjahr schon etwas kürzer treten und mit 73 wird es dann Zeit, dass ein Nachfolger übernimmt.“ Das wird nicht nur für den Familienvater eine Umstellung: „Meine 32-jährige Tochter sagte mir schon: ,Dass du kein Ortsvorsteher mehr bist, das kann ich mir gar nicht vorstellen.‘“

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