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Heute vor 70 Jahren starben 700 Menschen im Grezzbachbunker

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Von: Redaktion Fuldaer Zeitung

Fulda - Es war der folgenschwerste Bombenangriff auf Osthessen im Zweiten Weltkrieg: Am 27. Dezember 1944, heute vor 70 Jahren, starben 700 Menschen im verschütteten Grezzbachbunker – mehr als bei allen anderen Luftangriffen auf Fulda zusammengerechnet. Es wären noch mehr gewesen, wäre Franz Frohnapfel nicht gewesen.

Bis zum Sommer 1944 war Fulda weitgehend von Luftangriffen verschont geblieben. Das änderte sich im Juli 1944, als sich britische und US-amerikanische Luftstreitkräfte nach dem Erfolg der alliierten Landung in Frankreich Deutschland zuwandten. Der Angriff vom 27. Dezember 1944, einem Mittwoch, galt ausdrücklich dem Verladebahnhof von Fulda und anderen Verkehrszentren, die zumeist entlang des Rheins lagen. Rund um den Hauptverschiebebahnhof Fulda zählten die Amerikaner 2000 Güterwagen.

118 Maschinen umfasste der Verband, der Fulda angriff. Um 12.37 Uhr erreichten die ersten elf Flugzeuge Fulda und warfen ihre tödliche Fracht ab. 316 Tonnen Sprengstoff prasselten dann in zwölf Bombenteppichen auf die Stadt nieder.

Viele Zivilisten waren bei Beginn des Angriffs in den 400 Meter langen Grezzbachbunker geflüchtet. Dieser befand sich unter den Gleisen des Verschiebebahnhofs zwischen der Künzeller und der Edelzeller Straße. Der Bunker war ein im 19.Jahrhundert geschaffener Bachdurchlass, der behelfsmäßig als Luftkriegsstollen ausgebaut worden war. Über die offene Wasserrinne wurden Bohlen und Roste gelegt. Der Bunker besaß zwei Zugänge: einen in Richtung Mehlerwerke, einen in Richtung Künzell-Bachrain. Türen oder Tore besaß der Bunker nicht.

Durch das massive Bombardement wurden beide Eingänge verschüttet – so dicht, dass niemand aus dem Bunker herauskam und kein Sauerstoff hinein. Den Eingeschlossenen wurde bewusst, dass sie erstickten, wenn keine Hilfe von außen kam. Einige Männer versuchten, sich mit Schaufeln den Weg freizumachen – vergeblich. In dem Bunker spielten sich furchtbare Szenen ab. Fast 900 Menschen hatten ihren Tod vor Augen.

Nach vielen Stunden gelang es Franz Frohnapfel, Leiter der Werksfeuerwehr der Firma Mehler, und seinen Helfern, einen Hilfsstollen in den Bunker zu graben. Nach eigenen Angaben gelang es ihm, 150 Menschen nach draußen zu ziehen.

Diese Rettungstat Frohnapfels blieb über Jahrzehnte unbekannt. Erst als die Stadt Fulda 1981 einen Gedenkstein für die Opfer einweihte, meldete sich ein Freund Frohnapfels bei unserer Zeitung und machte die Tat bekannt. Frohnapfel wurde dann auch von Landrat Fritz Kramer (CDU) geehrt.

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