Visualisierung einer Wohnanlage in Hilders vier Häuser Balkone Wiese
+
So sollen die vier Wohnhäuser im Hilderser Ellerspfad nach der Sanierung aussehen. Anwohner stören sich an den Flächdächern, die ihrer Meinung nach nicht dem dörflichen Ortsbild entsprechen.

Wohnungsbau-Projekt

Kontroverse in Hilders: Anwohner wollen keine Flachdächer – Gemeindevertretung gibt grünes Licht

  • Rainer Ickler
    vonRainer Ickler
    schließen
  • Jessica Vey
    Jessica Vey
    schließen

Die vier Gebäude im Hilderser Ellerspfad werden nach der Sanierung ein Flachdach haben. Dies entschied die Gemeindevertretung mit großer Mehrheit bei nur einer Gegenstimme und vier Enthaltungen. Anwohner wollten keine Flachdächer.

Erstmeldung vom 5. Oktober, 18:09 Uhr: In In der Sitzung vor anderthalb Wochen wurde kontrovers über das Thema diskutiert und die Entscheidung vertagt. Es sollte noch mal erörtert werden, ob nicht andere Dachformen, also Satteldach mit Gauben oder ein Staffelgeschoss, Alternativen seien.

Der Grund: Anwohner haben sich gegen die geplanten Flachdächer ausgesprochen. Sie würden nicht ins Ortsbild passen, seien im Bebauungsplan nicht erlaubt. Zudem werde durch die neuen Wohnungen die Parksituation weiter verschärft. Zur Bekräftigung ihrer Ablehnung haben sie 60 Unterschriften von Bürgern gesammelt, die gegen das Projekt sind. 

Investor und Eigentümer Andreas Krenzer aus Dietges möchte die vier Gebäude, die fast 50 Jahre alt sind, modernisieren und in diesem Zuge acht neue Wohnungen schaffen. Die Veränderungen im Bebauungsplan musste die Gemeindevertretung erlauben.

CDU-Fraktionsvorsitzender Karl Herrmann berichtete in der Sitzung am Dienstag, dass die Vorlaufzeit, sich eingehend mit dem Projekt zu befassen, zu kurz gewesen sei. Deshalb habe sich die CDU für eine nochmalige Sitzung ausgesprochen – auch weil es sich um ein „emotionales Thema“ handele. Herrmann habe sich am Montag 90 Minuten lang eingehend mit Investor und Planer unterhalten.

Dabei seien die Möglichkeiten einer anderen Dachform diskutiert worden. Letztendlich sei es ein Prozess der Abwägung der Vor- und Nachteile. Zu den Vorteilen gehörten die Schaffung von Wohnraum, die energetische Sanierung und die Minimierung des Flächenverbrauchs. Zu den Nachteilen gehörten die ungünstige Park- und Stellplatzsituation und die Bedenken der Anlieger. 

Eine andere Dachform sei nur umsetzbar, wenn man Nachteile wie weniger Wohnraum und schlechte Lichtverhältnisse in Kauf nehme, erklärte Herrmann. „Im Ergebnis überwiegen die Vorteile“, fasste er zusammen. Den CWE-Fraktionsvorsitzenden Berthold Gilbert freute es, dass es zu diesem Ergebnis gekommen sei. Er erinnerte daran, dass schon im Mai alle Unterlagen detailliert vorgelegen hätten. Er frage sich, ob sich die CDU eingehend damit befasst habe.

Gilbert sprach den Verdacht aus, dass den Anliegern Bilder des Projektes vorgelegt worden seien, die Gebäude gezeigt hätten, die eine Etage höher geplant gewesen seien. „Wenn dies der Fall war, wäre es ein starkes Stück“, erklärte Gilbert. Die CWE werde es prüfen.

Hartmut Jenisch (OBH) sagte, wichtig seien die Schaffung von Wohnraum, der in Hilders benötigt werde, und der geringe Flächenverbrauch. Er räumte ein, dass die Parkplatzsituation bedenklich sei. Diese Problematik ist Thema eines Antrages der OBH, der aber nicht behandelt wurde, weil er zu spät eingegangen ist. Der Gemeindevorstand soll sich jetzt damit befassen. 

Erstmeldung vom 25. September, 8:04 Uhr: In Hilders will ein Investor vier Häuser modernisieren und aufstocken, so dass acht neue Wohnungen entstehen. Doch die Gemeindevertretung hat noch kein grünes Licht für das Bauvorhaben gegeben. Der Grund: Anwohner haben 60 Unterschriften gesammelt. Hauptkritikpunkt sind die geplanten Flachdächer. 

Im Ellerspfad in Hilders stehen vier Mietshäuser. Sie sind 47 Jahre alt und sollen energetisch saniert werden. In diesem Zuge möchte der Eigentümer Andreas Krenzer aus Hilders-Dietges die Satteldächer durch Flachdächer ersetzen. So würden insgesamt acht zusätzliche Wohnungen entstehen – die Höhe der Häuser bliebe laut Krenzer gleich. Bislang gibt es dort 16 Mietswohnungen – nach der Sanierung wären es 24.

Wohnungsbauprojekt in Hilders: CDU schiebt das Vorhaben zurück in den Ausschuss

Als die Gemeindevertretung über die vorhabenbezogene Änderung des Bebauungsplans entscheiden sollte, entspannte sich eine kontroverse Diskussion. Karl Herrmann von der CDU-Fraktion betonte, dass das Projekt grundsätzlich zu begrüßen sei, doch er kritisierte die „Eile“, mit der das Thema behandelt werde. Für den Dachbereich solle man doch noch einmal zusammen mit dem Investor Alternativen prüfen.

Auch Christian Reinhardt (CDU) sagte, es gebe noch „Potenzial in der Planung“ und Oliver Guiducci (CDU) erklärte, dass es eine Bürgerinitiative gebe, die sich gegen die Flachdächer ausspricht. Unter den Anwohnern gebe es viele verdiente Ehrenamtliche, deren Einwände müsse man ernst nehmen.

So sehen die Häuser aktuell aus – sie sind 47 Jahre alt. Der Eigentümer möchte sie energetisch sanieren und mit Flachdächern versehen. Dadurch sollen insgesamt acht neue Wohnungen entstehen.

„Objektiv betrachten, nicht subjektiv“

CWE- und OBH-Fraktion hielten dagegen. Ausschussvorsitzende Antonia Wiewecke (OBH) wunderte sich:„Das Thema wurde im Ausschuss beraten. Es gab ausreichend Möglichkeiten, das zu diskutieren. Wieso wird das in der Gemeindevertretersitzung wieder aufgerollt?“ Berthold Gilbert, CWE-Fraktionsvorsitzender, und Ronny Günkel (CWE) mahnten an, das Projekt objektiv und nicht subjektiv zu betrachten. „Der Bauherr möchte die Flachdächer von der eigenen Firma bauen lassen, die in der Gemeinde ansässig ist. Das würde zusätzlich Wertschöpfung in die Kommune bringen. Ein Satteldach müsste er fremdvergeben“, so Gilbert.

CWE und OBH haben normalerweise die Mehrheit im Hilderser Parlament – doch nicht in der jüngsten Sitzung. Weil einige fehlten, konnte die CDU mehrheitlich ihren Antrag durchbringen: So wurde das Thema zurück an den Ausschuss verwiesen. Die Alternativen Satteldach mit Gauben und Staffelgeschoss seien zu prüfen, heißt es in dem Antrag.

Termin

Eine zusätzliche Sitzung der Gemeindevertretung wird am Dienstag, 29. September, 20 Uhr im Ulstersaal in Hilders stattfinden. Vorher – um 19 Uhr – wird der Ausschuss für Infrastruktur und Wirtschaft tagen. In beiden Sitzungen ist das Ellerspfad-Projekt Thema. 

Bürgerinitiative sammelt 60 Unterschriften von Anwohnern

Matthias Handwerk ist Anwohner und Sprecher der Bürgerinitiative. 60 Unterschriften wurden gegen die Änderung des Bebauungsplans gesammelt. „Wir sind mit den Flachdächern nicht einverstanden“, begründet er. „Das hat etwas von Blockbau und passt einfach nicht ins Ortsbild. Wir haben ja rund herum alle Satteldächer, was dem dörflichen Charakter entspricht und was ja so auch für uns beim Bau unserer Häuser im Bebauungsplan vorgeschrieben war“, betont er. Zudem mache sich die Initiative Sorgen, wo die weiteren Mieter parken, und befürchten Schwierigkeiten in Bezug auf den Durchgangsverkehr.

Investor Andreas Krenzer erklärt unserer Zeitung, die Eigentümerfamilie sei über „die Blockadehaltung einzelner Anwohner und der CDU-Fraktion in der Gemeindevertretung verwundert“. Man sei im Vorfeld „auf alle eingereichten Stellungnahmen eingegangen“ und habe „entsprechende Lösungen präsentiert“. Er machte deutlich: „Der CDU-Antrag mit Aufforderung zur umfangreichen Umplanung würde das Bauvorhaben unrentabel machen und zum Scheitern bringen.“

Bürgermeister Hubert Blum: Wohnraum wird dringend gebraucht

Die 50 bis 80 Quadratmeter großen Wohnungen bieten sich aus seiner Sicht für kleine Haushalte an, „insbesondere auch für junge Menschen, die gerne in der Region bleiben wollen“ und es würde dem aktuellen Wohnungsmangel entgegenwirken.

Das sieht auch Bürgermeister Hubert Blum (SPD) so. Auf Nachfrage sagte er: „Das Projekt ist sinnvoll. Es wird Wohnraum geschaffen, der hier dringend gebraucht wird.“ Zum Thema Flachdach erklärte der Rathauschef: „Geschmäcker sind verschieden.“ Er wies daraufhin, dass es in Hilders Flachbauten gebe – zum Beispiel das Rathaus. Dieses wurde 1972 vom Fachwerkhaus zum Flachbau umgebaut – „daran stört sich heute niemand mehr“. Er hoffe, dass eine Lösung gefunden werde und der Investor sich nicht komplett von dem Vorhaben zurückzieht.

Lesen Sie hier: Diese drei Kandidaten wollen Bürgermeister in Hilders werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema