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Hintergrund: Diese Mordfälle sind in der Region noch unaufgeklärt

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Seit Mitte Dezember steht ein Mann vor Gericht, dem vorgeworfen wird, dass er seine Ehefrau im Juni dieses Jahres umgebracht hat. Bei diesem Mord gibt es einen Beschuldigten. Manchmal bleiben solche Fälle aber auch ungeklärt. In unserer Region gibt es seit 1970 sieben Mordfälle, bei denen bislang kein Täter ermittelt werden konnte.

März 1998 – Mordfall Hans Plüschke: Der Taxifahrer wird am 15. März erschossen auf einem Feldweg, in der sogenannten Herbertsdelle zwischen Hünfeld und Rasdorf, gefunden. Der Mordfall befeuert lange die Gerüchteküche und sorgt bundesweit für Schlagzeilen. Plüschke war in Zeiten des Kalten Krieges Grenzschutzbeamter. 1962 erschießt er in einer Notwehrsituation den DDR-Hauptmann Rudi Arnstadt. Immer wieder wird ein Zusammenhang zwischen diesem Unglück und dem Mord an Plüschke vermutet.

„Ich kann nicht abschließen“, sagt die Frau von Hans Plüschke, Else Plüschke, 2014 gegenüber unserer Zeitung, damals 83 Jahre alt. Steckt die Stasi hinter dem Mord? Die DDR-Führung stilisiert Arnstadt zum Volkshelden, Plüschke wird anonym von einem DDR-Gericht zu 25 Jahren Haft verurteilt. 1997 bekennt Plüschke im Hessenfernsehen, den Schuss auf Arnstadt abgegeben zu haben.

Der Taxifahrer bekommt daraufhin Morddrohungen. Am 15. März gegen vier Uhr nachts sieht ein Autofahrer den Leichnam am Rand der B 84 liegen. Das Taxi steht 70 Meter entfernt. Erschossen wird Plüschke durch einen Schuss ins rechte Auge – so wie bei Arnstadt. Die Taxi-Tageseinnahmen befinden sich unberührt im Wagen. „Ich hoffe, dass wir diesen Fall noch aufklären“, sagte Lars Streitberger, der 2014 Oberstaatsanwalt war.

März 1998 – Mordfall am Rastplatz „Mahlertshof“: Auf dem Parkplatz an der Autobahn A7 findet die Polizei nur zwei Tage nach dem Mord an Taxifahrer Hans Plüschke die skelettierte Leiche von Irmgard E. aus der Nähe von Oldenburg in Norddeutschland. Die Frau war wohl Tramperin, hatte keinen festen Wohnsitz und ist vermutlich schon im August oder September 1997 getötet worden.

„Sie ist mit einem blauen Lederriemen einer Umhängetasche erdrosselt worden“, erklärte Martin Schäfer. Ein Lastwagenfahrer, der austreten wollte, findet die Leiche am 17. März 1998 gegen 17 Uhr. 14 Monate dauert es, bis die Identität der Toten geklärt ist. Alle Kleidungsstücke sind im Raum Oldenburg gekauft worden.

Ein Foto der Kleidung in der Nordwest-Zeitung bringt den entscheidenden Hinweis auf Irmgard E. Hinweise auf einen konkreten Täter ergeben sich jedoch nie. Am Lederriemen wird keine Fremd-DNA gefunden. Fraglich ist zudem, ob der Fundort auch der Tatort ist. Eher unwahrscheinlich, wie die Polizei meint. 2001 werden die Ermittlungen als vorläufig ergebnislos eingestellt.

Januar 2012 – Mordfall Westumfahrung Haimbach: Eine skelettierte Leiche, die im Januar 2012 bei Haimbach im sumpfigen Brachland gefunden wurde, stellt die Beamten vor ein Rätsel. Die Identität des 21 bis 30 Jahre alten Mannes kann bis heute nicht geklärt werden. „Eine unbekannte Leiche an so einer Stelle – da liegt der Verdacht nahe, dass ein Tötungsdelikt vorliegt“, sagte Schäfer.

Der Mann ist bei seinem Tod zwischen 21 und 30 Jahre alt, etwa 1,75 Meter groß und hat mehrere Knochenbrüche – drei ältere Rippenbrüche linksseitig, einen älteren Rippenbruch rechtsseitig, außerdem eine Fraktur am rechten Schlüsselbein. (Erste Untersuchungen ergeben, dass es sich bei dem Toten vermutlich um einen Nordafrikaner handelt.) Die Todesursache kann die Polizei nicht feststellen.

Bei dem Fundort handelt es sich wohl nicht um den Tatort. Das ermittelte DNA-Muster taucht in keiner Datenbank auf. Der Mann hat eine dunkle, dreiviertellange Cargohose der Marke „Camel active“ (Größe: 33/30) sowie ein rotes „Lacoste“-Poloshirt getragen. Zudem findet die Polizei Schuhe der Marke „Ecco“ (Größe 42). Aber auch durch Veröffentlichung der Kleidung gehen keine entscheidenden Hinweise ein.

Wer Hinweise zu den oben geschilderten ungeklärten Mordfällen hat, sollte sich bei der Polizei in Fulda unter der Telefonnummer (0661) 1050 melden. Die Details sowie die Zitate, die im obigen Text erwähnt werden, stammen aus der Serie „Ungeklärte Mordfälle“ (Autorin: Daniela Petersen), die im Januar 2014 in der Fuldaer Zeitung erschienen ist. / dan, sar

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