Eine Studentin der Hochschule Fulda hat eine Petition gestartet, um Hybridunterricht als Wahlmöglichkeit durchzusetzen.
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Eine Studentin der Hochschule Fulda hat eine Petition gestartet, um Hybridunterricht als Wahlmöglichkeit durchzusetzen.

Rufe nach Hybridunterricht

Hochschule Fulda: Petition einer Studentin sorgt für Zustimmung und Irritation

  • Andreas Ungermann
    VonAndreas Ungermann
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Eine Petition zur Einführung von Hybridunterricht als Wahlmöglichkeit an der Hochschule Fulda hat Studentin Jessica Koch Anfang der Woche gestartet. Mehr als 700 Unterzeichner unterstützten das Ansinnen bis Samstagmittag. Die Hochschule beobachtet dies, setzt aber auf den Dialog.

Fulda - „Die Idee zu der Petition kam mir am vergangenen Wochenende, als ich mit meinem Freund über die Corona-Entwicklung geredet habe“, sagt Jessica Koch, die im dritten Semester Sozialrecht an der Hochschule Fulda studiert. Zwei Semester hat sie die Online-Lehre erlebt, aber auch die Präsenzvorlesungen sind ihr nicht unbekannt. „Mit beiden Lehrformaten habe ich gute Erfahrungen gemacht, bevorzuge aber die Online-Variante“, sagt Koch.

Das Ergebnis des Gesprächs mit ihrem Freund: Die Studentin sammelt nun Unterschriften auf Listen und online, um beide Formate in Fulda zu ermöglichen. Seit Dienstag läuft eine entsprechende Online-Petition – auch weil die Rufe nach einem Hybrid-Unterricht und Wahlmöglichkeiten immer lauter würden, sagt sie. (Lesen Sie auch: Studenten kritisieren 3G-Regel an Hochschule Fulda)

Hochschule Fulda: Studentin fordert Hybrid-Unterricht als Wahlmöglichkeit

Auslöser der Forderung sei gewesen, „dass die Inzidenzzahlen in die Höhe schnellen und damit eine höhere Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus besteht“, schreibt sie im Petitionstext und beruft sich auf das Robert Koch-Institut (RKI), das am Donnerstag vergangener Woche in seinem Wochenbericht veröffentlicht habe, „dass auch Geimpfte und Genesene unbedingt auf Veranstaltungen in Innenräumen verzichten sollten. Die 2G-Regelung reiche demnach gegenwärtig nicht aus, um die Gefahr einer Ausbreitung zu bannen, so das Bundesinstitut“, zitiert Koch und beruft sich auf Medienberichte. Wenn die Hospitalisierungsrate nach oben schieße, sei eine reine Präsenzlehre nicht zu rechtfertigen, argumentiert Koch. (Lesen Sie auch: Corona in Fulda: Inzidenz springt auf über 250)

Generell ablehnend steht die Hochschule Fulda der Online- oder Hybridlehre nicht einmal gegenüber – wenngleich sich Fulda in erster Linie als Präsenz-Hochschule versteht. „Wir sind uns der Verantwortung durchaus bewusst und beobachten die Situation. Womöglich müssen wir dann auch bei den Kontrollen noch einmal nachschärfen“, sagt Pressesprecherin Dr. Antje Mohr. Auch dass weiterhin digitale Formate angeboten werden sollen, hatte die Hochschule bereits in einem Pressegespräch im Frühjahr angekündigt.

Hochschule Fulda über Petition verwundert: Schreiben nie eingegangen?

„Die reine Hybridlehre für alle Veranstaltungen wird aber nicht möglich sein. In der Lebensmitteltechnologie hatten wir das und haben bis zu vier Kameras benötigt. Das funktioniert aber eben nicht in jedem Fachbereich vollumfänglich“, erklärt Mohr. So sei etwa zu befürchten, dass zu Hause am digitalen Endgerät ein Tafelbild oder ähnliches nicht mehr ausreichend erkennbar sei. Um Vorlesungen, an denen auch Studenten im Hörsaal teilnehmen, via Internet zu übertragen, sei eine immense Technik notwendig.

Hintergrund

Als Hybrid-Lehre wird ein Format bezeichnet, bei dem Studenten die Vorlesungen, Seminare und Übungen einerseits in Präsenz im Hörsaal oder den Unterrichtsräumen verfolgen können. Zum anderen können sie aber auch über digitale Endgeräte und per Videokonferenzsystemen an Lehrveranstaltungen teilnehmen. Während der vergangenen Semester wurden derlei Varianten schon neben der rein digitalen Lehre umgesetzt.

In der Mitteilung zu Jessica Kochs Petition heißt es: „Die Studierenden erhoffen sich dadurch eine Reduzierung der Kontakte und durch die Wahlmöglichkeit entweder von zu Hause oder von vor Ort teilzunehmen, die Wahrung der Chancengleichheit und die Lehrfreiheit.“

Verwundert zeigt sich die Hochschule zudem darüber, dass Koch – wie diese selbst gegenüber unserer Zeitung einräumt – bislang nicht im Kontakt mit Präsidium oder Verwaltung gestanden habe. Auf der Internetseite zur Petition ist ein Foto eines an Präsident Karim Khakzar gerichteten Schreibens zu sehen. Tatsächlich aber, so habe eine interne Recherche ergeben, sei ein solcher Brief auf keinem Kanal eingegangen.

Auch beim Allgemeinen Studierenden Ausschuss (Asta) sei Kochs Petition nicht aufgeschlagen, berichtet Mohr nach Rücksprache mit dessen Vorstand. Das Präsidium sei offen für den Dialog mit den 9300 Studenten, wünsche sich aber einen Austausch über konkrete und nicht über allgemein gehaltene Forderungen. Befassen wird sich die Hochschule Mohr zufolge jedoch mit vom Asta gesammelten Anliegen und Sorgen der Studierenden.

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