Die Bundespolizei Hünfeld bei einem Hochwasser-Einsatz.
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Die Bundespolizei Hünfeld war wegen der Unwetterkatastrophe im Westen Deutschlands im Einsatz. Wir haben nachgefragt, ob ein solcher Katastrophenfall auch in Fulda eintreffen könnte.

Nach Unwettern im Westen

Hochwasserkatastrophe auch in Fulda denkbar? Meteorologin, THW und Feuerwehr geben Einschätzung

  • Alina Komorek
    VonAlina Komorek
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  • Sarah Malkmus
    Sarah Malkmus
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Die immensen Unwetter im Westen Deutschlands haben die Bundesrepublik erschüttert. Dabei ist ein solches Hochwasser-Ereignis auch im Kreis Fulda möglich. Einen ausreichenden Schutz davor wird es wohl nicht geben. 

Fulda - Ist bei einem nächsten Unwetter möglicherweise die Region Fulda von schweren Schäden betroffen? Und kann man im Kreis überhaupt etwas gegen die Wassermassen unternehmen? Wir haben mit den Kommunen aber auch der Feuerwehr, Meteorologen, dem Abwasserverband und dem Technischen Hilfswerk (THW) gesprochen.

Das sagt die Feuerwehr: Sie kommt, wenn es bereits passiert ist: die Feuerwehr. Thomas Helmer ist Leiter der Feuerwehr Fulda und äußert sich zu vorbereitenden Maßnahmen wie folgt: „Es geht um Klimaschutz. Der Klimawandel trägt dazu bei, dass sich die Szenarien verändern.“ Die Unwetter seien in jüngster Zeit nämlich nicht nur heftiger geworden, sondern hielten sich länger an einem Ort. Bei den präventiven Maßnahmen sieht Helmer vor allem Kreis und Stadt in der Pflicht, zum Beispiel die Abwasserführung oder zu Hochwasser neigende Gebiete an die aktuellen Wetterphänomene anzupassen. (Lesen Sie hier: Nach vier Tagen im Katastrophengebiet kehren die Helfer aus Fulda zurück)

Fulda: Hochwasserkatastrophe auch hier denkbar? Das sagen Experten

Nachholbedarf – nicht nur für Fulda – macht Helmer im Bereich der Warnungen aus: „Auf neuen Handys sollten Warn-Apps wie die Nina-App vorinstalliert sein“, fordert er. Nur durch frühe Warnungen könne die Bevölkerung sich auf schwere Unwetter vorbereiten. Die Feuerwehr Fulda bereite infolge der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands weitere Rollwagen mit Pumpen, Beleuchtungsmitteln und anderen Gerätschaften vor, die bei Hochwassern zum Einsatz kommen.

„Man kann sich die Materialien anschaffen, aber man kann keine Menschen kaufen“, sagt der Feuerwehr-Leiter. Es komme immer auf die Einsatzkräfte an, die während der Katastrophe bereit sind, anderen zu helfen. „Die Frage ist nicht, ob so eine Situation eintritt, sondern wann“, sagt Helmer. Mit Unwettern wie im Frühjahr habe man schon nicht gerechnet, wobei die Situation im Westen Deutschlands noch einmal eine andere Dimension habe. „Man plant im Voraus Dinge, aber wenn eine Katastrophe von diesem Ausmaß eintritt, ist die Feuerwehr nicht in der Lage, etwas zu tun.“ Dann werden das THW und die Bundeswehr gebraucht.

Das sagen Meteorologin und Geologe: Ob es in einer Region zu einem starken Hochwasser kommen kann, hängt laut Medienmeteorologin Sabine Krüger vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach (Hessen) stark von den lokalen Gegebenheiten ab. Gibt es in der Region bergiges Gelände oder Flüsse, die Hochwasser begünstigen können? Dies seien Fragen, die es zu stellen gelte. „Ausgeschlossen ist eine solche Flutkatastrophe wie sie sich in Deutschland vergangene Woche ereignet hat, wohl nirgends.“ (Lesen Sie auch: Lebensmittel, Kleidung, Tierfutter - Osthessen schicken Hilfe in die Flutgebiete)

Grundsätzlich ist es laut Dirk Bastian vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) ein Vorteil, erhöht und nicht am Wasser zu wohnen. Tendenziell sei jedoch der Mittelgebirgsbereich gefährdeter für Hochwasser, denn durch die zahlreichen Gefälle erhalte das Wasser eine Dynamik, die wiederum zu immensen Unterspülungen führen könne.

„Wir können nicht gegen alles gewappnet sein“ - Katastrophenfall auch in Fulda möglich

Dass bestimmte Gewässer grundsätzlich eher zu Hochwasser neigen, lässt sich laut Bastian nicht sagen. Sie unterschieden sich allerdings im Hinblick auf ihr Schadenspotenzial. Dieses hänge davon ab, welche und wie viele Gebäude an einem Gewässer gebaut sind. Fest steht für ihn: „Das, was in Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz passiert ist, hätte auch in Fulda passieren können.“

Das sagt das THW: Seit 14 Jahren ist Christian Sauer beim Technischen Hilfswerk (THW). Er ist ehrenamtlicher Dienststellenleiter in Fulda und sagt, dass er eine solche Katastrophe noch nicht erlebt hat. „Wir können nicht gegen alles gewappnet sein“, sagt Sauer.

„Es gibt immer Notfallpläne und Methoden, die ergriffen werden, aber man kann sich nur auf realistische Lagen vorbereiten – nicht auf solche Katastrophen.“ Zum Katastrophenschutz erklärt Sauer: „Die Planung ist nie abgeschlossen.“ Es werde noch dauern, bis die Lage vor Ort sich entspannt – man brauche „Manpower“, um die Grundversorgung wiederherzustellen. Das THW Fulda ist in der Nähe vom Nürburgring eingesetzt – der sei derzeit rot, blau und grün – überall seien Kräfte von der Feuerwehr, dem THW und der Bundeswehr. Obwohl er glaubt, dass gegen Katastrophen nie ausreichend Maßnahmen ergriffen werden können, sollten auch in Fulda Problemstellen ermittelt und beseitigt werden, damit Regenwasser besser abfließt.

Video: Gigantische Schäden nach Unwetter: 400 Millionen Euro Soforthilfe

Das sagt der Abwasserverband in Fulda: „Für ein solches Ereignis ist kein Abwassersystem ausgelegt“, sagt Peter Geffe vom Abwasserverband Fulda mit Blick auf das Hochwasser in den Katastrophengebieten in Deutschland. Kanäle werden laut Geffe basierend auf Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) dimensioniert, der diese über Jahre hinweg generiert habe. Bei dem Hochwasser in der Eifel handele es sich jedoch um eines, das statistisch gesehen einmal in 1000 Jahren vorkomme. (Lesen Sie hier: Hünfelder Bundespolizei suchte im Hochwassergebiet nach vermissten Personen)

Das Hochwasser, zu dem es im Juni in der Region Fulda kam, komme statistisch gesehen einmal in 100 Jahren vor. Dennoch:„Das war kein Vergleich.“ 70 Liter kamen pro Stunde im Juni vom Himmel, „in der Eifel war das um ein Vielfaches mehr“. „Ich hoffe, dass wir so etwas hier nie erleben“, sagt Geffe und fügt hinzu: „Ich wüsste nicht, wie wir uns vor so etwas schützen sollen.“ Es müsse Überlegungen zu Maßnahmen geben. Zum Beispiel sei es möglich, Zugänge zu Kellern zu verschließen, um dem Wasser den Weg zu nehmen.

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