Beim zweiten Brand auf dem Campingplatz 2016 entstand hoher Schaden, verletzt wurde niemand.
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Beim zweiten Brand auf dem Campingplatz 2016 entstand hoher Schaden, verletzt wurde niemand.

Urteil am Donnerstag erwartet

Prozess um Brandstiftung und versuchten Mord auf Campingplatz in Hosenfeld - Diese Strafe fordert der Staatsanwalt

  • Hanna Wiehe
    vonHanna Wiehe
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Freispruch oder mehr als vier Jahre Haft? Im Fall um die Feuer auf dem Campingplatz in Hosenfeld im Jahr 2016 lagen Staatsanwalt und Verteidiger in ihren Plädoyers weit auseinander. Zuvor hatte Psychiater Dr. Helge Laubinger seine Einschätzung abgegeben.

Fulda/Hosenfeld - Für sein Gutachten hätte sich der Psychiater vor allem eines gewünscht, das wurde gestern beim fünften Prozesstag am Landgericht Fulda deutlich: ein Gespräch mit dem Angeklagten. Doch das lehnte dieser ab. Eine sogenannte Exploration als wichtigstes Werkzeug sei ihm daher aus der Hand genommen worden, sagte Laubinger. Er könne sich in seinen Einschätzungen daher nur auf die Angaben in der Hauptverhandlung stützen. (Lesen Sie hier: Brandstiftung und versuchter Mord auf Campingplatz in Hosenfeld - Jetzt startet Gerichts-Prozess in Fulda).

Er blickte zurück auf den Lebensweg des Angeklagten: Der 28-Jährige ist in Schleswig-Holstein mit einem jüngeren Bruder und bei der alleinerziehenden Mutter aufgewachsen und hat Abitur gemacht. Ein Studium der Informatik in Kiel brach er aber ebenso ab wie ein zweites Studium in Frankfurt am Main. In Frankfurt habe er offenbar ebenso wenig engere soziale Kontakte entwickelt wie auf dem Campingplatz in Hosenfeld, wo er auf der Suche nach einer günstigen Unterkunft im Frühjahr 2016 wohnen blieb.

Hosenfeld: Prozess um Brandstiftung und versuchten Mord auf Campingplatz

Helge Laubinger erklärte, man sehe am Lebensweg des Angeklagten einen sogenannten Leistungsknick: Ein bis dahin normaler Lebensweg bricht plötzlich ab, Tagesstruktur und Lebensinhalt gehen verloren. Auf Nachfragen des Richters Josef Richter erklärte der Psychiater: „Meine Überzeugung ist, dass der Angeklagte psychisch nicht gesund ist. Aber ich kann Ihnen nicht sagen, was es ist, dazu weiß ich zu wenig.“

Für Staatsanwalt Andreas Hellmich war in seinem anschließenden Plädoyer klar: „Ich bin der Überzeugung: Der Angeklagte ist bei beiden Bränden der Täter gewesen.“ Sowohl dem Feuer in der Nacht zum 20. Mai, als auch dem Brand in der Nacht zum 10. Juni seien Streitigkeiten vorausgegangen. Die Leidtragenden der Brände seien in beiden Fällen die Personen gewesen, mit denen der Angeklagte zuvor die Auseinandersetzung gehabt habe.

Staatsanwalt: Der Angeklagte ist bei beiden Bränden der Täter gewesen

Umstritten sind die Beweismittel, die bei einer Durchsuchung des Wohnwagens des Angeklagten nach den Bränden gefunden wurden: Grillanzünder und abgebrannte Streichhölzer. Verteidiger Knut Hillebrand hat im Prozess mehrfach betont, dass der Wohnwagen nicht hätte durchsucht werden dürfen, weil kein richterlicher Beschluss dazu vorlag. Dem widersprach der Staatsanwalt: Die Funde seien verwertbar, weil der Angeklagte zuvor bei der Polizei angegeben habe, nicht auf den Campingplatz zurückkehren zu wollen.

Ein weiteres Beweismittel sei die Kameraaufnahme, die kurz vor dem zweiten Feuer eine Person auf dem Campingplatz filmte. Bei der Aufnahme gebe es eine „frappierende Übereinstimmung“ mit dem Angeklagten. Und schließlich habe der 28-Jährige sich auch in Gesprächen mit dem Sohn des Campingplatz-Betreibers und seiner Frau eigenartig verhalten und die Taten auf Nachfrage nicht abgestritten: „Ein Unschuldiger benimmt sich so nicht.“

Grillanzünder und abgebrannte Streichhölzer als Beweismittel im Wohnwagen gefunden

Hellmich war mit Blick auf den ersten Brand überzeugt: „Der Angeklagte ist wegen des versuchten Mordes zu verurteilen.“ Er habe das Feuer zu einer Zeit gelegt, als der Wohnwagen-Besitzer zu Hause war und im Bett gelegen habe. Das Mordmerkmal der Heimtücke sei damit erfüllt. Der Mann war von einem Nachbarn geweckt worden und unverletzt geblieben. Für den Angeklagten spreche jedoch seine psychische Erkrankung und dass er keine Vorstrafen habe. Bei dem zweiten Feuer entstand hoher Sachschaden, verletzt wurde niemand. Hellmich forderte eine Haftstrafe von vier Jahren und drei Monaten.

Verteidiger Hillebrand war völlig anderer Auffassung: Er bat das Gericht um einen Freispruch für seinen Mandanten. Dieser habe die Taten nicht begangen. Die Streitereien, die den Bränden vorausgegangen waren, seien Bagatellen gewesen - „Situationen, die als Motiv für einen versuchten Mord schwer vorstellbar sind“. Im ersten Fall seien zwischen Streit und Feuer überdies zwei Wochen vergangen. Es gebe keine Beweismittel, weder Fingerabdrücke, noch DNA-Spuren, und sein Mandant bestreite die Tat.

Angeklagter: Ich erkläre, dass ich mit den Bränden nichts zu tun habe

Als nächstes nahm sich Hillebrand die Aussagen einzelner Zeugen vor: Diese würden einer „Wahrheitsillusion“ unterliegen, erklärte er: Da es für sie ohnehin nie einen anderen Täter als den Angeklagten gegeben habe, hätten sie auch alle seine Aussagen in diese Richtung interpretiert. Auf der Kameraaufnahme, die den vermeintlichen Täter zeige, seien nur Schemen zu erkennen. „Weder aus den Zeugenaussagen ergibt sich ein Tatverdacht, noch aus den Videos und Bildern oder aus den nicht verwertbaren Funden im Wohnwagen“, sagte Hillebrand. Hinzu komme das Verhalten des Angeklagten: Statt nach den Taten zu fliehen, habe er mit der Polizei kooperiert.

Das letzte Wort hatte der 28-Jährige selbst: Er erklärte, er bedauere das Geschehen auf dem Campingplatz. Aber: „Ich erkläre, dass ich mit den Bränden nichts zu tun habe.“ Das Urteil spricht die Kammer am Donnerstag um 12 Uhr.

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