In dem nördlichen Teil des Brähler-Komplexes am Kreisel  soll den Plänen zufolge die Gemeindeverwaltung einziehen.
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In dem nördlichen Teil des Brähler-Komplexes am Kreisel soll den Plänen zufolge die Gemeindeverwaltung einziehen.

Rathaus statt Restaurant

Landgasthof Brähler verkauft – jetzt schließt die letzte Kneipe in Hosenfeld

  • Norman Zellmer
    vonNorman Zellmer
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Der Landgasthof Brähler und damit die letzte Kneipe in Hosenfeld ist verkauft. Die neue Eigentümerin ist die Merz und Habicht Gesellschaft. Diese will das gesamte Areal weiterentwickeln. Unter anderem soll dort das Rathaus einziehen.

  • Das Brähler-Areal in Hosenfeld wurde an die Merz und Habicht Gesellschaft verkauft.
  • Die Gemeindevertreter hatten sich im Mai darauf geeinigt, dass das Hosenfelder Rathaus auf das Brähler-Areal ziehen soll.
  • Mit dem Landgasthof Brähler schließt die letzte von einst vier Dorfkneipen Ende August für immer.

Hosenfeld - Es geht eine gastronomische Ära zu Ende: Der traditionsreiche Landgasthof Brähler in der Hainzeller Straße in Hosenfeld ist Mitte Juni verkauft worden. Ab Ende August bleiben die Tore zu und die Küche kalt. Damit endet eine mehrere Generationen umfassende Geschichte des Gebäudes als Gasthaus und Metzgerei.

Und es schließt zugleich die letzte von einst vier Dorfkneipen für immer. Das gesamte Brähler-Areal mit Gasthaus, Saal, Metzgerei und früherem Schlachthaus wird umfassend umgebaut. Erste Bauarbeiten im leerstehenden Schlachthaus-Trakt haben bereits begonnen.

Hosenfelder Landgasthof Brähler ist verkauft - Es fehlte ein Nachfolger und Personal für das Haus

Der Entschluss, das Haus zu verkaufen, war kein leichter, aber länger gereift, erklärt Marion Brähler, die den traditionsreichen Landgasthof von ihren Eltern Elisabeth (73) und Josef (78) übernommen hatte. Die 54-Jährige hätte investieren müssen, um den Gasthof zu erhalten.

Zudem stelle sich die Frage der Nachfolge – ihr Sohn lebt in Berlin; sie sei ansonsten allein. Obendrein habe die Gastrobranche zunehmend damit zu kämpfen, Fachkräfte und Personal für Küche, Theke und Saal zu finden.

Elisabeth, Josef und Tochter Marion Brähler (vorne) haben das Anwesen mit traditionsreichem Gasthaus, Saal und Metzgerei an Heiko Merz (links) und Manuel Habicht verkauft.

„Es rechnet sich immer weniger“, fasst Mutter Elisabeth Brähler zusammen. Auch ein Pächter habe sich bislang nicht gefunden, um die Gastronomie fortzuführen. Der Wehmut wird dadurch gemildert, dass die Immobilie quasi im Ort bleibt und erhalten wird: Verkauft haben die Brählers an zwei Unternehmer aus der Gemeinde. „Wir sind froh, dass das jemand von hier gekauft hat“, sagt die 73-Jährige.

Das Brähler-Areal im Hosenfelder Ortskern soll komplett umgebaut und saniert werden

Käufer sind Heiko Merz und Manuel Habicht aus dem Ortsteil Jossa. Merz hat bereits ähnliche Projekte in der Region umgesetzt. Marion Brähler kam mit ihm im Spätsommer 2019 über die Zukunft des Gasthofs ins Gespräch; dieser wiederum mit seinem Architekten und dieser mit der Gemeinde. „Es ist die perfekte Lösung“, sagt Elisabeth Brähler.

Das Duo will den Komplex im Ortskern in den kommenden Monaten umfassend sanieren und umbauen. „Wir fassen fast alles an“, sagt Heiko Merz und meint damit die Installation von neuen Wasser- und Stromleitungen, den Einbau einer neuen Heizung, neue Fassade, neues Dach, neue Fenster und Türen sowie Dämmung und zum Teil neue Wände im Inneren. Welche Summe sie investieren, wollten die Immobilienentwickler nicht sagen. Ein Projekt solcher Größe dürfte mindestens in die Hunderttausende gehen.

Auf dem Brähler-Areal soll Hosenfelder Rathaus einziehen - und Pflegeeinrichtung entstehen

Notwendig sind die Umbauten, weil das komplette Gebäude zukünftig völlig anders genutzt werden soll als bislang: Der einstige Schlachthaustrakt im Norden mit Wurstküche und Lager soll auf drei Etagen so hergerichtet werden, dass es das neue Hosenfelder Rathaus wird.

Denn der bisherige Verwaltungssitz gilt als stark sanierungsbedürftig und ist viel zu klein; ein Neubau jedoch zu teuer – daher suchte die Verwaltung seit Jahren nach einer Lösung. Als Termin für den Einzug wird August 2021 genannt. „Das ist gut zu schaffen“, sagt Mitinvestor Manuel Habicht.

Wenn die Filiale der Metzgerei Schwarz zum Jahresende schließt – und nach aktuellen Plänen innerhalb des Kernortes umgezogen ist – sollen Verkaufsraum und Haupteingang des Brähler-Gebäudes zum Foyer der Gemeindeverwaltung umgebaut werden. Der bisherige Gastraum des Landgasthofs – der Betrieb schließt Ende August – wird für eine Tagespflegeeinrichtung umgestaltet.

Auch diese soll im August 2021 als Mieterin einziehen. Vor dem Gebäude sollen eine Grünanlage und ein Parkplatz angelegt werden. Angepasst an das Verkehrskonzept in unmittelbarer Nähe zum Kreisel samt Bushaltestelle wird der Brähler-Komplex zukünftig von der benachbarten Schulstraße erschlossen.

Nachdem das neue Rathaus eröffnet ist, wollen Merz und Habicht in einem zweiten Bauabschnitt den südlichen Gebäudetrakt mit dem Saal in Angriff nehmen. Ihnen schweben Mietwohnungen vor. Einen Zeitplan gebe es noch nicht.

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