Ein 28-Jähriger ist am Landgericht Fulda zu vier Jahren Haft verurteilt worden.
+
Ein 28-Jähriger ist am Landgericht Fulda zu vier Jahren Haft verurteilt worden.

Am Landgericht Fulda verurteilt

Nach Feuer auf Campingplatz in Hosenfeld: 28-Jähriger erhält vier Jahre Haft wegen Brandstiftung

  • Hanna Wiehe
    vonHanna Wiehe
    schließen

Vor fünf Jahren brachen auf dem Campingplatz in Hosenfeld innerhalb weniger Wochen zwei Brände aus. Nach Überzeugung des Gerichts ist ein 28-Jähriger der Täter. Der Mann muss nun vier Jahre ins Gefängnis.

Fulda - Das Gericht in Fulda sah es als erwiesen an, dass sich der 28-Jährige aus Schleswig-Holstein der versuchten, besonders schweren Brandstiftung, der vollendeten Brandstiftung und Sachbeschädigung schuldig gemacht hat. Staatsanwalt Andreas Hellmich hatte in seinem Plädoyer vier Jahre und drei Monate Haft für den Angeklagten gefordert, das Gericht verurteilte ihn zu vier Jahren Gefängnis.

Was sich im Mai und Juni 2016 auf dem Campingplatz in Hosenfeld abgespielt hat, schilderte Richter Josef Richter am Donnerstag so: Der Angeklagte lebte dort seit Oktober 2015 in einem Wohnwagen. Mit den anderen Campingplatz-Bewohnern hatte er kaum etwas zu tun, er galt als Einzelgänger und Außenseiter. Besonders angespannt war sein Verhältnis zu einem Camper, der viel Wert legte auf Ordnung und Sauberkeit – im Gespräch jedoch nicht immer den richtigen Ton traf.

Hosenfeld: Nach Feuer auf Campingplatz erhält 28-Jähriger vier Haft wegen Brandstiftung

14 Tage vor der Tat, so schilderte der Richter, warf der 28-Jährige einen Katalog nach dem Camper, der wiederum einen Stein zurückwarf. Aus Verärgerung habe sich der Angeklagte dazu entschlossen, dem Mann einen Denkzettel zu verpassen. Er habe sich gekränkt und angegriffen gefühlt. „In der Nacht auf den 20. Mai setzte er seinen Entschluss in die Tat um“, sagte der Richter. Der Angeklagte habe gegen Mitternacht mit Grillanzündern an mehreren Stellen rund um den Wohnwagen des anderen Feuer gelegt. Ein Nachbar habe den Brand zufällig bemerkt. Er weckte denSchlafenden, gemeinsam löschten sie das Feuer.

Dem Angeklagten sei klar gewesen, dass der Mann zu Hause sei und schlafe, sagte Josef Richter. Er sei zwar unverletzt geblieben, habe aber in den Monaten nach dem Brand unter Ängsten und Schlafstörungen gelitten.

Wenige Wochen nach diesem Vorfall geriet der Angeklagte in einen Wortwechsel mit dem Betreiber des Campingplatzes. Dieser warf ihm vor, den gemieteten Wohnwagen zuzumüllen. Der 28-Jährige trat gegen die Tür des Gefährts, woraufhin der Besitzer ihn fragte, was das solle.

Auch in diesem Fall habe ihn die Kritik gekränkt und angegriffen, führte der Vorsitzende Richter der Kammer am Donnerstag aus. Als „Denkzettel“ legte der Angeklagte gegen 2 Uhr in der Nacht zum 10. Juni mehrere Feuer bei Gegenständen, die dem Campingplatz-Inhaber gehörten, sowie im Waschraum des Platzes. Verletzt wurde niemand, es entstand ein Sachschaden im fünfstelligen Bereich.

Kammer am Landgericht Fulda überzeugt: 28-Jähriger bei allen Taten voll schuldfähig gewesen

Richter erklärte, die Kammer sei der Überzeugung, dass der 28-Jährige bei allen Taten voll schuldfähig gewesen sei. „Es gab zwar Hinweise auf Selbstmordgedanken und zeitweise bizarre Verhaltensweisen. Aber all diese Dinge lassen sich auch erklären, ohne dass jemand psychisch krank ist“, sagte er. Zwar hatte sich der Angeklagte einer Untersuchung verweigert, der Sachverständige habe aber seine Überzeugung artikuliert, dass der Angeklagte zwar psychisch krank, aber intelligent sei.

Besondere Bedeutung maß Richter den Aussagen zweier Zeugen bei: dem Sohn des Campingplatz-Betreibers und dessen Ehefrau. Diese hatten den Angeklagten etwa zwei Wochen nach dem zweiten Brand mit den Vorfällen konfrontiert. „Der Inhalt des Gesprächs ist für die Kammer ein Quasi-Geständnis“, sagte Richter. Der Angeklagte sei von den Vorwürfen gegen ihn nicht empört gewesen und habe nicht seine Unschuld beteuert. Weitere Indizien kamen für die Kammer hinzu: Es gebe keine Hinweise, dass eine andere Person die Brände gelegt habe; hinzu komme der Fund von Grillanzündern in seinem Wohnwagen. (Lesen Sie hier: Prozess wegen Brandstiftung und versuchten Mords - Landgericht Fulda hört zwei Polizisten als Zeugen)

Nach Feuer auf Campingplatz in Hosenfeld: Tötungsvorsatz lässt sich nicht nachweisen, betont Richter

Fest steht für die Kammer aber auch: Ein Tötungsvorsatz lässt sich nicht nachweisen. Deshalb verurteilte das Gericht den 28-Jährigen nicht wegen versuchten Mordes, wohl aber wegen versuchter, besonders schwerer Brandstiftung. „Der Angeklagte mag gehofft haben, dass der Wohnwagen-Besitzer nicht stirbt, aber dass er in Todesgefahr gerät, nahm er billigend in Kauf.“

Abschließend richtete Josef Richter noch einige persönliche Worte an den Angeklagten: „Sie sind kein schlechter Mensch und kein Gewalttäter, sondern im Grunde ein anständiger Kerl.“ Richter sagte, er werde das Gefühl nicht los, dass „in Ihrem Inneren etwas ist, das nicht gesund ist“. In der Hauptverhandlung habe sich der 28-Jährige hinter einer Fassade verborgen. Er riet dem Angeklagten, sich in der Haft in psychiatrische oder psychologische Behandlung zu begeben und die Chance zur Aufarbeitung zu nutzen.

Das könnte Sie auch interessieren