Die Hotels der Region haben es in der Corona-Krise nicht einfach. (Symbolfoto)
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Die Hotels der Region haben es in der Corona-Krise nicht einfach. (Symbolfoto)

Sorgenvoll in den Winter

Hotels in Corona-Zeiten: Osthessischen Hoteliers fehlen vor allem Tagungsgäste

  • Daniel Krenzer
    vonDaniel Krenzer
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Zwar begrüßen die Hotels im Land inzwischen wieder mehr Gäste, je nach Spezialisierung des Hauses ist die Auslastung in der Coronakrise aber weiterhin gering. Vor allem Tagungsgäste bleiben aus. Wie ist die Situation in der Region?

Region - „Eigentlich bin ich ein stets positiver Mensch, aber der Blick auf die kommenden Wochen und Monate bereitet mir Sorgen“, sagt Steffen Ackermann, Dehoga-Vorsitzender in Fulda und Inhaber der Hotel-Pension Wenzel in Fulda. Die Hoffnung sei aber da, dass der Herbst zumindest für die Stadtregion noch einige Besucher bringe.

Was das Gästeaufkommen im Sommer betrifft, habe Ackermann von den Hotels der Region ganz unterschiedliche Meldungen bekommen. „Durch viele Inlandstouristen waren die Betriebe in der Rhön mit dem Sommer einigermaßen zufrieden“, berichtet Ackermann. Im städtischen Bereich blieben die Zahlen aber zumeist deutlich hinter den Erwartungen zurück. „Vor allem Tagungsgruppen blieben aus. Hoffentlich ändert sich das bald, denn die Hotels sind ja vorbereitet und haben gute Hygienekonzepte.“

Trotz Hilfen: Corona-Pandemie reißt Löcher in die Kassen

Esperanto / 7 Welten

„In den Ferienmonaten konnten wir einen Anstieg der Privatgastzahlen erkennen. Jedoch bleibt die Lage weiterhin nicht planbar, da Buchungen sehr kurzfristig storniert werden und Auslastungen nur punktuell steigen. Unser Hauptgeschäft sind Großveranstaltungen. Diese bleiben aus“, berichtet Martin Gremm aus der Geschäftsleitung der Hotels Esperanto und des Bäderparks Sieben Welten in Fulda. Zumindest kleinere Tagungen fänden wiederholt statt, allerdings nicht in einem Maße, dass man von Wirtschaftlichkeit sprechen könne. Insgesamt seien die Veranstalter sehr vorsichtig.

„Es ist aber erkennbar, dass der Privatgast weiterhin nicht auf Reisen und Genuss verzichten möchte“, stellt Gremm fest. „Die Befürchtung bleibt, dass die jetzige Lage über einen unbekannten Zeitraum Bestand haben wird und daher unser Kerngeschäft ausbleiben wird und eine Verbesserung der Lage nicht ersichtlich ist“, sorgt sich der Hotelier.

Sorgen bereiten zudem die steigenden Fallzahlen. „Eine erneute Beschränkung der Gastzahlen möchten wir uns nicht vorstellen“, sagt Gremm. Zudem seien allen Gästen aktuell kurzfristige Stornierungsmöglichkeiten wichtig – dies könne aber bei steigenden Fallzahlen schnell zum Risiko für das Hotel werden, wenn die Gäste kurz vor der Anreise doch absagen. „Unsere Branche ist leider sehr von der Pandemie betroffen, sodass Hilfe keine leichte ist. Unterstützend könnte es sein, die Mehrwertsteuersenkung dauerhaft einzuführen.“

Auf die Frage, was die Politik aktuell für die Beherbergungsbetriebe noch tun könnte, sagt Ackermann: „Das, was ich mir wünschen würde, bekomme ich sowieso nicht.“ Allerdings könne er sich nicht beschweren, was die Zusammenarbeit mit den Behörden wie der Stadt Fulda betreffe. Was ihn jedoch ärgere, sind schwarze Schafe in der Branche, die sich nicht an die Hygieneregelungen halten würden. „Die meisten halten sich aber daran, es geht schließlich um das eigene Überleben“, stellt der Fuldaer Dehoga-Vorsitzende fest.

In den ländlichen Gebieten des Vogelsberges und des östlichen Main-Kinzig-Kreises profitierten viele Beherbergungsbetriebe in den vergangenen Monaten ebenfalls davon, dass viele im Inland Urlaub machten und gezielt Regionen aufsuchten, in denen man dichtem Gedränge gut aus dem Weg gehen kann. Allerdings hat die zwischenzeitliche Schließung im Frühjahr auch trotz Soforthilfen vielerorts ein Loch in die Kassen gerissen, die im ohnehin auslastungsschwachen Winter zum Problem werden können. Von einer „großen Glaskugel“ spricht in diesem Zusammenhang Peter Lauer, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbandes Kinzigtal-Bergwinkel.

Landhotel

„Wir bleiben optimistisch. Wir versuchen kreativ zu sein und neue Wege zu finden, um unser Hotel in diesen Zeiten auszulasten“, berichtet Marion Betz-Berthold, eine der Inhaberinnen des Landhotels Betz in Bad Soden-Salmünster. „Wir sitzen abends zusammen und stricken neue Angebote. Wir versuchen, neue Zielgruppen zu erreichen. Wir dürfen uns nicht ausruhen. Und das machen wir auch nicht“, führt sie aus. Das bringe bereits erste Erfolge – auch wenn die Zahlen natürlich nicht mit denen aus dem vergangenen Jahr vergleichbar seien.

„Die Lage bei Hotellerie und Gastronomie ist immer noch komplex. Das wird voraussichtlich auch noch eine Weile so bleiben. Aber wir haben ein tolles Hotel und tolle Leistungen – das versuchen wir den Leuten schmackhaft zu machen“, sagt Betz-Berthold. Von der Politik wünsche sie sich vor allem eines: „Möglichst keinen zweiten Lockdown.“

Hotels in Zeiten von Corona: Aufwendige Hygienekonzepte machen den Betreibern zu schaffen

Nun hoffen für den Winter vor allem die mit entsprechenden Tagungsräumen darauf ausgelegten Häuser auf wieder steigende Zahlen an Geschäftsreisenden. Laut einer Mitgliederumfrage des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR) hatten Ende März über 40 Prozent der Firmen Geschäftsreisen ihrer Mitarbeiter ausnahmslos verboten. Und in sehr vielen Firmen werden nach wie vor nur unvermeidliche Reisen genehmigt. Die durchdachten und aufwendigen Hygienekonzepte in den Hotels machen den Hoteliers aber Hoffnung. „Wir sehen, dass die Geschäftsreisebranche mit guten Konzepten bereit für den Neustart ist. Damit ist die Basis für wertvolle persönliche Begegnungen geschaffen“, sagt auch VDR-Präsident Christoph Carnier.

Allerdings schwebt über allen Betrieben das Damoklesschwert nachgewiesener Infektionen bei Gästen oder Mitarbeitern im Haus, was bürokratischen Aufwand und verschärfte Maßnahmen nach sich ziehen kann, im besseren Fall nur ein paar Gäste verschreckt, im Falle eines schwer eindämmbaren Ausbruchgeschehens aber bis hin zur erneuten vorübergehenden Schließung führen könnte.

Maritim

„Wir sind wie alle anderen Hotels am kämpfen“, berichtet Wolfgang Sulzbacher, Geschäftsführer des Maritim-Hotels am Schlossgarten in Fulda. Vor allem die Beherbergung von Tagungs- und Veranstaltungsgästen sei nahezu komplett zum Erliegen gekommen. „Zum Glück können wir das bislang durch Privatpersonen, also Touristen, abfedern“, berichtet Sulzbacher. Auf diese Art könne man überleben, zumindest solange, wie es keine weiteren Restriktionen gibt. „Dann wäre die weitere Zukunft eine Sache der Glaskugel“, stellt er fest. Insgesamt seien aktuell 20 bis 30 Prozent weniger Gäste im Haus als im Vorjahr.

Ein Problem sei zudem die fehlende Planungssicherheit. „Wir hatten zum Beispiel Anfragen für eine Tagung, die dann wieder abgesagt wurde, weil die Teilnehmer aus dem Raum München kommen – und damit aus einem Hotspot“, führt Sulzbacher aus. Von der Politik würde sich Sulzbacher für die Hoteliers ähnliche Unterstützung wünschen wie für andere Branchen. „Der Automobilindustrie oder der Luftfahrt wird massiv geholfen, doch im Tourismus passiert da aktuell noch sehr wenig“, stellt der Geschäftsführer fest.

Dass eine komplette Schließung selbst für namhafte und offenkundig gut aufgestellte Häuser zur einzigen Option werden kann, hat das Ende des Hessischen Hofs in Frankfurt der Branche bitter vor Augen geführt. Allerdings ist die Situation in der preisintensiven Metropole mit ihren vielen Hotels, die um die Gunst der Gäste buhlen, eine ganz andere als in Osthessen.

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