Den Dackel Adrienne würde das Ehepaar gerne adoptieren. / Fotos: Sebastian Kircher

„Hund muss zum Halter passen“: Tierheim will lebhaften Dackel nicht an Rentner abgeben

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Künzell/Lauterbach - Weil Sie zu alt seien, bekommt ein Ehepaar aus Künzell keinen Hund aus dem Tierheim. Wir haben bei den Tierheimen in der Region nachgefragt: Das Alter ist nicht grundsätzlich ein Ausschlusskriterium – aber der Hund muss zu dem Halter passen. Welpen und junge Tiere könnten ältere Personen überfordern.

Von unserem Redaktionsmitglied Sebastian Kircher

Ein Rentner aus Künzell kann die Welt nicht mehr verstehen. Der 78-Jährige und seine 76-jährige Frau sind regelmäßig im Tierheim Lauterbach und haben sich bei den Besuchen in den Dackel Adrienne verliebt. So sehr, dass das Ehepaar den Hund aufnehmen wollte. „Wir hatten bereits früher Dackel, haben einen großen Garten zum Spielen. Adrienne würde sich bei uns wohlfühlen“, ist der Mann überzeugt. „Aber das wurde uns verwehrt – mit der Begründung, dass wir zu alt wären. Das ist doch ungerecht.“

Susanne Rodemer, Leiterin des Tierheims Lauterbach, erklärt: Ganz so einfach ist es nicht. „Niemand wird bei uns nur wegen des Alters abgelehnt. Alt zu sein heißt noch lange nicht, dass man sich nicht um Tiere kümmern kann.“ Aber bei der Kombination der Künzeller Familie und Dackel Adrienne habe das Tierheim-Team Bedenken gehabt.

„Ein großer Garten reicht nicht“

Der Hund wird zwar im September neun, ist bei einer Dackel-Lebenserwartung von etwa 15 Jahren also schon recht betagt. „Aber Adrienne verhält sich, als wäre er drei. Der ist richtig wild, braucht ständig Action“, erläutert Rodemer und fügt an: „Da reicht ein großer Garten nicht. Der Dackel will beschäftigt werden, man muss mit ihm Gassi gehen, und er sucht den Kontakt zu anderen Hunden.“

Das hätten sowohl die Leiterin als auch die anderen Tierheim-Mitarbeiter dem Ehepaar nicht zugetraut. „Wenn das Tier dann nach wenigen Monaten von uns zurückgenommen werden muss, weil eine Familie überfordert ist, hilft das niemandem – dem Hund nicht, den Haltern nicht und uns auch nicht“, betont sie. Einen älteren Hund, der etwas gemächlicher ist und eher die Ruhe sucht, haben wir derzeit leider nicht im Angebot“, sagt Rodemer.

Ehepaar will weiter um Adrienne kämpfen

Ähnlich läuft das beim Tierheim Fulda-Hünfeld ab. Dessen Vorsitzender Herbert Heurich sagt: „Alter ist kein Ausschlusskriterium.“ Aber es könne ein Faktor sein: „Jeder Mensch ist anders – der eine läuft mit 70 noch Marathon, der andere ist da schon auf Krückstock und Rollator angewiesen. Und genauso ist es beim Hund.“ Nur weil ein Hund alt ist, heiße das nicht, dass er nur rumliege. Tendenziell gelte aber, dass „Welpen und junge Tiere ältere Personen überfordern können“.

Die Verantwortlichen der Heime betonen: „Wir wollen, dass die Tiere in gute Hände kommen.“ Da sei es manchmal auch nötig, harte Entscheidungen zu treffen. Für das Künzeller Ehepaar ist das nur schwer nachzuvollziehen. Sie wollen nun den Vorstand des Lauterbacher Heims einschalten, kündigt der Mann an: „Der Dackel sitzt immer so einsam in seinem Käfig. Bei uns ginge es ihm besser.“

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