Die IHK Fulda übt Kritik am Landesentwicklungsplan Hessen 2020. Hier ist das Schild des Sitzes in Fulda abgebildet.
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Die IHK Fulda übt Kritik am Landesentwicklungsplan Hessen 2020.

Region Fulda im Nachteil

IHK übt Kritik am Landesentwicklungsplan Hessen 2020

Der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK) hat sich kürzlich mit dem Landesentwicklungsplan (LEP) von Kommunalpolitik und Wirtschaft aus der Region Fulda auseinandergesetzt und übt nun Kritik. Eingeflossen sind dabei die Bedenken der Industrie- und Handelskammer Fulda für Osthessen.

Fulda - In einer Pressemitteilung der IHK Fulda äußerte sich der IHK-Präsident Dr. Christian Gebhardt zum Landesentwicklungsplan Hessen 2020 wie folgt: „Alles in allem bleibt das Werk deutlich hinter den Erwartungen der heimischen Wirtschaft zurück.“

Außerdem sagte Gebhardt: „Schlimmer noch – die Region Fulda wird gegenüber anderen in Hessen schlechter gestellt. Ein wesentlicher Nachteil ist der um 6,5 Millionen Euro geringere Mittelzufluss aus dem Kommunalen Finanzausgleich, wenn Kommunen im Kreis als Verdichteter Raum eingestuft werden. Wir werden dafür abgestraft, in den vergangenen Jahren viel für Arbeit, Aus- und Weiterbildung, Infrastruktur und gute Lebensverhältnisse getan zu haben.“

IHK Fulda kritisiert Landesentwicklungsplan: Wenig Verständnis für die Neuaufteilung der Kommunen

Wie die IHK mitteilte, käme es im Landkreis Fulda bei einer Umsetzung des Planes zu einer Neuaufteilung der Versorgungsbereiche. Sie gehe zugunsten von Mittelzentren, die zum Teil auch außerhalb des Landkreises liegen, an der gelebten Praxis der Bürger vorbei. Dass Flieden, Neuhof und Kalbach dem Mittelzentrum Schlüchtern, Bad Salzschlirf der Stadt Lauterbach und Tann sowie Hilders der Stadt Hünfeld zugeordnet werden sollen, stehe im Widerspruch zu den funktionierenden Strukturen im Landkreis Fulda.

Wenig Verständnis bringt der IHK-Präsident auch für die Einordnung der Kommunen Fulda, Petersberg, Künzell (die Gemeinde Künzell hatte zuletzt auf eine Änderung des Landesentwicklungsplans gedrängt), Eichenzell, Neuhof und Flieden in den Verdichteten Raum auf, nur weil sie an der Autobahn A 66 und der Bestands- beziehungsweise Ausbaustrecke der Deutschen Bahn von Fulda nach Hanau liegen. „Dann müssten folgerichtig alle Kommunen in Hessen entlang wichtiger Verkehrsachsen zum verdichteten Raum erklärt werden“, urteilte Gebhardt.

Prognose der HessenAgentur: Bevölkerungsrückgang in Neuhof und Flieden bis zum Jahr 2035

Eine Durchdringung einer Gemeinde mit einer Bahnlinie oder einer Autobahn bedeute allerdings nicht automatisch eine bessere Einwohner-Arbeitsplatz-Dichte (E-A-D). Bis zum Jahr 2035 prognostiziere die HessenAgentur für Neuhof einen Bevölkerungsrückgang von 4,3 Prozent und für Flieden von 2,9 Prozent. Deshalb müssten diese Gemeinden, laut der IHK, weiterhin im Ländlichen Raum bleiben. Selbst die geografisch günstige Lage an der Autobahn A 66 habe seit dem Lückenschluss keine Impulse gebracht, die eine Einstufung in den Verdichteten Raum rechtfertigen.

Region Fulda würde als Verlierer dastehen - IHK-Präsident Gebhardt warnt

Auch die Stadt Fulda unterschreite das Kriterium als Oberzentrum im verdichteten Raum. Denn laut Landesentwicklungsplan müssten dafür mindestens 500.000 Einwohner mit kulturellen, sozialen und medizinischen Leistungen und Gütern des weiteren Bedarfs versorgt werden. Fulda hat aber nur ein Einzugsgebiet von rund 300.000 Einwohnern und sollte daher weiterhin als Oberzentrum im ländlichen Raum eingestuft werden.

„Es hat wenig mit ausgewogener Landesentwicklung zu tun, wenn die Region Fulda als Verlierer in Hessen dasteht“, betonte Gebhardt. „Eine wachsende Region wie unsere darf gegenüber anderen Landesteilen keine Nachteile erfahren“, fordert der IHK-Präsident. „Konstruktiven Gesprächen ohne Denkverbote stehen wir offen gegenüber.“

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