AfD stark, Grüne schwach: Mehr als 400 Schülerinnen und Schüler durften wählen

Auch wenn sie noch nicht wahlberechtigt sind, durften sie dennoch die Landtagswahl durchspielen: Mehr als 400 Schülerinnen und Schüler haben in der Region an der Juniorwahl teilgenommen. Viele Jugendliche wählten AfD, die Grünen spielten quasi keine Rolle.
Kreis Fulda - Schon bei der „echten“ Landtagswahl vor zwei Wochen zeigte sich für den Kreis Fulda eine Tendenz: Die AfD schnitt im Landesvergleich in der Region Fulda besonders stark ab, die Grünen vielerorts besonders schlecht. Die Jugendlichen in den Schulen scheinen diese politische Meinung zu teilen, mehr noch: An den Schulen, die dem Wahlkreis II zugeordnet wurden, war die AfD stärkste Kraft. Bei der Juniorwahl wird seit 1999 hessenweit der demokratische Prozess des Wählens durchgespielt. Teilgenommen haben die Jahrgangsstufen 9 bis Q1.
Juniorwahl in Fulda: AfD stärkste Kraft im Wahlkreis 15
40 Prozent der Stimmen hat die AfD an den teilnehmenden Schulen im Wahlkreis Fulda II(siehe Infokasten) erhalten. Damit liegt die Partei vor der CDU (31,9 Prozent) und weit vor der SPD (8,8 Prozent). „Dass die AfD bei den Jugendlichen unserer Gemeinde ein hohes Ansehen genießt, ist uns im Unterricht nicht verborgen geblieben“, sagt Andree Harms, Schulwahlleiter der Von-Galen-Schule in Eichenzell und Politiklehrer. An der Eichenzeller Schule war die AfD mit 36 Prozent der Stimmen die stärkste Kraft. Überraschend sei neben dem klaren Erfolg der AfD das schlechte Abschneiden der Grünen gewesen, berichtet Harms. „Sie erhielten nur zwei Stimmen und damit eine weniger als die Satirepartei „Die Partei“. Das überrasche, weil Klimaschutz den Schülern durchaus wichtig sei, sagt der Politiklehrer.
An den teilnehmenden Schulen aus dem Wahlkreis I in Fulda zeigt sich ein nicht ganz so deutliches Bild. Hier stimmten 16,7 Prozent der Schüler für die AfD. Stärkste Partei wurde die CDU mit 27,8 Prozent. Darauf folgten neben der AfD die SPD (13,8 Prozent) und FDP (10,8 Prozent).
Während die Grünen im Wahlkreis II in der Versenkung verschwanden, machten im Wahlkreis I 8,6 Prozent der Schüler ihr Kreuz bei den Grünen. Auffallend: Das starke Abschneiden von „Die Partei“ (4 Prozent) und der Tierschutzpartei (3,9 Prozent).
Dass so viele Schüler ihr Kreuz bei der AfD gemacht haben, ist bedenklich.
Dr. Ulf Brüdigam, Schulleiter der Freiherr-vom-Stein-Schule sieht das starke Abschneiden der AfDbei der Juniorwahl in der Region darin begründet, dass viele Jugendliche empfänglich für einfache, populistische Forderungen sind. „Wir leben in herausfordernden Zeiten, das spüren die Schüler und suchen nach einfachen Lösungen.“ Auch einen gewissen Hang zur Rebellion liest der Schulleiter aus dem Ergebnis.
Hinzu komme auch das, was die Schüler zuhause von ihren Eltern in Gesprächen über die Politik und einzelne Parteien „vorgelebt bekommen“. Dass so viele Schüler ihr Kreuz bei der AfD gemacht haben, bezeichnet er dennoch als „bedenklich“. Rechte Ideen kämen bei jungen Menschen derzeit besser an als linke.

Auffällig sei für ihn, dass wenige Schüler sich bei der Wahl für die Grünen entschieden hätten, obwohl das Thema Klimaschutz die Schüler durchaus bewege. „Da haben die Grünen bei den jungen Menschen aktuell an Akzeptanz verloren“, vermutet Brüdigam. „Harte Einschnitte“ für Familien im Zuge des Heizungsgesetzes würden viele zu Hause mitbekommen.
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Das Ergebnis will die Fuldaer Europaschule als Grundlage für die künftige demokratische Bildung an der Schule nehmen. „Es geht darum, grundsätzliche Werte wie Offenheit, Vielfalt und Toleranz zu vermitteln und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass ein Leben in der Demokratie nicht selbstverständlich ist.“
Schulen
Wahlkreis I:
Konrad-Zuse-Schule Hünfeld (Berufsbildende Schule), St. Lioba Schule, Antonius-von-Padua-Schule (beides Förderschule), Wigbertschule Hünfeld (Gymnasium), Geschwister-Scholl-Schule Fulda (Grund- und Hauptschule), Bildungsunternehmen Dr. Jordan (Realschule), Richard-Müller-Schule (Berufsbildende Schule), Freiherr-vom-Stein-Schule Fulda (Gymnasium), Marianum Fulda (Realschule und gymnasiale Oberstufe), Eduard-Stieler-Schule (Berufsbildende Schule), Winfriedschule Fulda (Gymnasium)
Wahlkreis II:
Johannes-Kepler-Schule Neuhof (Gesamtschule), Biebertalschule Hofbieber (Haupt- und Realschule), Mittelpunktschule „Hohe Rhön“ Hilders (Haupt- und Realschule) und Von-Galen-Schule Eichenzell (Haupt- und Realschule)
Das Abschneiden der AfD beschäftigt auch Sandra Hartung, Rektorin der Realschule des Bildungsunternehmens Dr. Jordan. „Wir sind eine weltoffene Schule, haben viele Schüler mit Migrationshintergrund und versuchen im Unterricht über den Tellerrand hinauszublicken“, sagt Hartung. Bei der Juniorwahl erreichte die AfD an der Realschule 24,4 Prozent der Stimmen und liegt fast gleichauf mit der CDU (24,8 Prozent).
„Dass so viele Schüler die AfD gewählt haben, ist bedenklich“, sagt die Rektorin. Sie glaubt, dass das Abstimmen der Schüler auch durch das Elternhaus, und wie dort über einzelne Parteien geredet wird, geprägt sei. Hinzu komme, dass die jungen Menschen im Alltag mit vielen negativen Schlagzeilen konfrontiert sind – egal ob die Coronakrise, der Ukraine-Krieg oder nun der Krieg zwischen Israel und der Hamas. Es sei nicht ausgeschlossen, dass Schüler als Folge „einfache Antworten“ bei der AfD suchen. Das Ergebnis soll nach den Herbstferien „möglichst intensiv“ besprochen werden.