Eine Ärztin impft einen Mann mit dem Influenza-Impfstoff.
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In osthessischen Praxen ist der Impfstoff wieder ausgegangen. Im Dezember soll es Nachschub geben.

Zusätzliches Risiko in Corona-Zeiten

Impfstoff für Grippe knapp - Ärzte in Fulda warten auf Nachschub

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Die Bereitschaft der Deutschen, sich gegen Grippe impfen zu lassen, bleibt hoch. In osthessischen Praxen ist der Impfstoff wieder ausgegangen. Anfang Dezember wird eine Nachlieferung von 5000 bis 10.000 Dosen erwartet.

Region - „Was aktuell verfügbar ist, das ist ein Impfstoff speziell für Senioren und Risikopatienten“, berichtet Ralph Hönscher, Allgemeinmediziner in Petersberg in Fulda und Vorsitzender des Ärzteverbundes „Gesundheitsnetz Osthessen“ (GNO). Verglichen mit dem starken Ansturm vor einigen Wochen lasse die Nachfrage in der Region aber mittlerweile nach. „Die meisten Menschen, die sich impfen lassen wollten, sind geimpft“, sagt Hönscher. Die Impfbereitschaft sei deshalb sei hoch, weil die Grippe während der Corona-Pandemie als besonderes, zusätzliches Risiko angesehen werde.

Laut Robert Koch-Institut (RKI) ist die bundesweite Aktivität der akuten Atemwegserkrankungen in der Bevölkerung in der Woche bis zum 15. November – der jüngsten bisher erfassten Woche – im Vergleich zur Vorwoche bundesweit gesunken. Im ambulanten Bereich wurden im Vergleich zur Vorwoche insgesamt weniger Arztbesuche wegen Grippe registriert, die Werte befänden sich insgesamt im Bereich der Vorjahre.

In der Corona-Pandemie: Ärzte in Fulda rechnen mit weniger Grippekranken

Mediziner rechnen damit, dass es in diesem Winter weniger Grippekranke geben wird. Die derzeitigen Hygiene- und Abstandsregeln senkten nicht nur die Verbreitung von Covid-19, sondern auch die von anderen Infektionskrankheiten wie etwa Grippe und Erkältungen.

Grippeimpfungen in Osthessen

Die Grippe ist meldepflichtig in Deutschland. Deshalb haben die Behörden einen guten Überblick über die Entwicklung. Noch gibt es nur sehr vereinzelt Grippekranke in den drei osthessischen Landkreisen. Das ist für Ende November aber nichts Ungewöhnliches.

Der Landkreis Fulda meldet von September bis jetzt insgesamt drei Fälle – das sind so viele wie im Vorjahr. Der Main-Kinzig-Kreis verweist darauf, dass die Grippesaison erst noch bevorsteht.

Das sieht der Vogelsbergkreis genauso: „Bislang hatten wir einen Fall im zweiten Halbjahr 2020. Die Grippesaison startet erst Mitte Januar, erst dann beginnen die Zahlen anzusteigen, von daher ist es völlig normal, dass wir zu diesem Zeitpunkt keine hohen Fallzahlen haben.“ / vn

Erst Ende Oktober – nach dem Ende des Winters auf der Südhalbkugel – hatten Forscher im Fachblatt „The Lancet“ von einem historischen Tiefststand an Grippeerkrankungen in Australien und Neuseeland berichtet. Als Erklärung dafür verwiesen auch sie auf die Corona-Maßnahmen wie etwa Abstandhalten, Mund-Nasen-Schutz und Schulschließungen.

Keine Grippefälle seit Ende April: Statistik sorgt für Fragezeichen - Verarbeitungsstau ein Grund?

Die Epidemiologin Rachel Baker von der Princeton Universität (USA) warnt in einem Aufsatz nun aber, das Ausbleiben vieler Infektionen könne dazu führen, dass die Menschen in späteren Jahren anfälliger für Infektionen seien. Deutsche Experten halten das jedoch für Spekulation.

Video: In vielen Praxen geht der Grippe-Impfstoff aus

Für Fragen sorgen Angaben einer Statistik der Weltgesundheitsorganisation WHO. Ihre „Influenza Laboratory Surveillance Information“ (Information aus der Überwachung der Grippe-Labore) zeigt, dass ab Ende April keine Grippefälle mehr gemeldet wurden. Der Arzt Hönscher aus Fulda hatte auf die Schnelle keine Erklärung dafür. Aufsätze haben sich noch nicht damit befasst. Denkbar wäre, dass es einen Stau bei der Verarbeitung der Meldungen gibt.

Interview mit Ralph Hönscher, Vorsitzender Gesundheitsnetz Osthessen: Schutzimpfung bei älteren Menschen wird empfohlen

Raten Sie aktuell weiter zur Grippe-Schutzimpfung?
Ja. Durch die Impfung können Betroffene ihr Risiko, an einer Grippe zu erkranken, in etwa halbieren. Was vielleicht noch wichtiger ist: Im Vergleich zu ungeimpften profitieren geimpfte Personen selbst im Erkrankungsfall von der Impfung, da eine Grippe-Erkrankung bei ihnen zumeist milder und mit weniger Komplikationen verläuft. Sie kommen seltener in Krankenhaus.
Für wen ist diese Impfung besonders wichtig?
Wir empfehlen die Schutzimpfung vor allem älteren Menschen. Von dieser Gruppe sind die meisten schon geimpft. Wichtig ist sie aber auch bei chronisch Kranken wie Diabetikern oder Menschen mit Herzerkrankungen oder chronischer Bronchitis. Die Grippe ist während der Corona-Pandemie eine zusätzliche Gefahr für diese Menschen.
Sie raten zur Impfung, obwohl es in diesem Winter vermutlich weniger Grippekranke gibt?
Ja, das tue ich. Es stimmt schon: Die derzeit breit befolgten allgemeinen Schutzmaßnahmen gegen Corona – Abstand halten, Maske tragen, Händewaschen – helfen auch gegen die Ausbreitung der Grippe. Wie sehr sie helfen, das werden wir sehen. Es ist aber nicht davon auszugehen, dass von der Grippe in diesem Jahr gar keine Gefahr ausgeht. 

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