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Neue Riesenrutsche für das Rosenbad - RhönEnergie und Stadt planen Park & Slide-Anlage

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Von: Volker Nies

So wird die Rutsche neben dem neuen Parkhaus aussehen. Das Schwimmbecken wird noch an die Rutsche herangeführt. Derzeit wird hier das Parkhaus errichtet.
So wird die Rutsche neben dem neuen Parkhaus aussehen. Das Schwimmbecken wird noch an die Rutsche herangeführt. Derzeit wird hier das Parkhaus errichtet. © Wiegand Waterrides

Das Rosenbad erhält im Juli eine neue Attraktion – Deutschlands erste Lotusrutsche mit Looping: Vom Dach des neuen Parkhauses führt sie ins Schwimmbecken. Die Rutsche wird von der Firma Wiegand in Rasdorf gebaut. Aus ungewöhnlichen Gründen gibt die EU viel Geld.

April, April!

Für alle Rutschen-Freunde aus der Region Fulda haben wir an dieser Stelle schlechte Neuigkeiten. Eine wie in diesem Artikel beschriebene Attraktion ist am Rosenbad nicht geplant. Es handelt es sich nämlich um einen Aprilscherz.

Die meisten unserer Leser werden sicher schnell gemerkt haben, dass an der Geschichte etwas faul ist. Das zeigen auch die Kommentare unter unserem entsprechenden Facebook-Beitrag. Wir hoffen, dass wir Ihnen trotz der schwierigen Zeiten ein Schmunzeln entlocken konnten!

Fulda/Rasdorf - Die Rutsche wird eine Attraktion der Superlative: Mit einer Länge von 80 Metern und einer Höhe von knapp neun Metern wird sie die längste Freiluft-Rutsche der Region. „Vor allem aber ist Fuldas Riesen-Rutsche die erste Lotus-Rutsche Deutschlands, also eine Rutsche mit Looping“, berichtet Unternehmer Hendrik Wiegand, Chef von Wiegand Waterrides in Rasdorf. Lotus-Rutsche, das bedeutet: Der Nutzer rutscht erst einmal nach unten, schießt dann wieder hoch, dreht sich – und gleitet dann nach unten.

Neue Riesenrutsche für das Rosenbad in Fulda

„Man kann als Schwimmer rutschen, man kommt aber auch im Reifen hinunter. Die Riesen-Rutsche ist Osthessens erste Reifen-Rutsche“, sagt Wiegand. Einzigartig ist auch die Verbindung von Parken und Rutschen. Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) spricht deshalb von einer „Park & Slide“-Anlage.

Die Riesenrutsche soll bereits Mitte Juli in Betrieb gehen. Es wird dann Stadtführungen geben, die das Stadtschloss und die Rutsche miteinander verbinden. „Fulda gestern und morgen“ soll die Führung heißen.

Dass Fulda die Rutsche so schnell bekommt, liegt an der weltpolitischen Lage. Die Anlage ist schon fast fertig produziert. „Wir wollten die Rutsche ursprünglich an einen Freizeitpark in Kalifornien liefern. Wegen der derzeit astronomischen Container-Kosten haben die Amerikaner aber darum gebeten, den Auftrag zu stornieren. Dank der Anfrage aus Fulda konnten wir den Kundenwunsch erfüllen – und zugleich Tolles für Fulda schaffen“, sagt Wiegand.

Für Rosenbad-Besucher wird es zwei Wege geben, die Rutsche zu benutzen: Die erste Möglichkeit ist klassisch: Der Schwimmer nutzt von der Liegewiese aus eine Treppe oder den Fahrstuhl und gelangt so zum Start der Rutsche. Die zweite Möglichkeit ist ungewöhnlich: Man kann den Rosenbad-Besuch an der Rutsche beginnen. Fußgänger und Autofahrer, die das Parkhaus nutzen, können den Freibad-Besuch mit einer Rutschfahrt beginnen. „Das ist einmalig in deutschen Freibädern“, schwärmt der Oberbürgermeister.

Im Obergeschoss des Parkhauses werden Umkleidekabinen und Duschen installiert. Der Besucher packt seine Sachen in einen verschließbaren Drahtkorb. Der Korb wird an einer kleiner Seilbahn auf die Liegewiese gebracht, wo ihn der erfrischte Schwimmer entgegen nimmt. Wegen des starken Gefälles dürfen Kinder nicht allein rutschen: Rutscher müssen mindestens 14 Jahre alt oder 1,40 Meter groß sein. Wer jünger oder kleiner ist, darf in Begleitung eines Erwachsenen hinunter.

RhönEnergie und Stadt planen Park & Slide-Anlage

So attraktiv wie die Rutsche ist die Finanzierung. Die Stadt Fulda und die RhönEnergie bekommen kurzfristig einen Zuschuss der Europäischen Union von fünf Millionen Euro. Die Rutsche kostet zwar nur 350.000 Euro, aber Rutsche und Parkhaus gelten fördertechnisch als Einheit. Damit bezahlt Brüssel jetzt auch das Parkhaus, die Erneuerung der Parkflächen am Eingang und die Vergrößerung des Schwimmbecken, die nötig ist, damit man sicher von der Rutsche ins Becken kommt.

Das entspricht einer Förderquote von 90 Prozent. Eine so hohe Quote ist äußerst selten. Die restlichen zehn Prozent müssen sich Stadt und RhönEnergie teilen. Wie sie das tun, ist offen. RhönEnergie-Chef Martin Heun ist dennoch begeistert: „Die Superrutsche ist eine tolle Idee. Zwar ist noch nicht final geklärt, wer das letztlich bezahlt, aber wir sollten da nicht kleinlich sein. Schließlich untermauern wir damit den Anspruch, Hessens Bäderstadt Nr. 1 zu sein.“

Bei dem Zuschuss profitiert Fulda von den aktuellen Turbulenzen in Frankfurt. Die fünf Millionen Euro aus einem EU-Innenstadt-Programm waren für die Stadt Frankfurt reserviert. Die Main-Metropole wollte damit Hauptstraßen zu Radwegen umbauen. Doch Brüssel hat die Auszahlung in dieser Woche gestoppt. Denn die Staatsanwaltschaft hat Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) wegen Korruption angeklagt.

Damit ist es nach der strengen EU-Richtlinie „Saubere Hände“ nicht mehr möglich, Fördermittel an die Stadt Frankfurt auszuzahlen. „Die Regelung ‚Saubere Hände‘ war für Staaten gedacht, in denen Regierungen häufiger in Korruptionsfälle verwickelt sind. Jetzt wird die Richtlinie erstmals in Deutschland angewandt“, bestätigt ein Sprecher der EU-Kommission.

Rutsche erhält hohen Zuschuss von der EU

Als amtierender Präsident des Hessischen Städtetags erfuhr Fuldas Oberbürgermeister Wingenfeld, dass Brüssel nun plötzlich Fördermittel von fünf Millionen Euro für ein hessisches Projekt frei hat. Binnen weniger Stunden stampfte die Stadt Fulda einen Förderantrag aus dem Boden – und ebenso schnell kam die Zusage aus Brüssel.

Für die Nutzung der Rutsche wird man vermutlich Eintritt zahlen müssen. Die Höhe ist offen. Die Europäische Union drängt aber in Einrichtungen, die von ihr bezuschusst werden, auf niedrige Gebühren.

Die Rutsche geht Mitte Juli in Betrieb. Landtagspräsident und Ministerpräsidentenkandidat Boris Rhein hat bereits zugesagt, dass er zur Einweihung kommt. „Entweder bin ich dann neuer Regierungschef, oder ich amtierte weiter als Landtagspräsident. Niemand soll sagen, dass ich nicht baden gehe“, sagt Rhein unserer Zeitung.

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