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Insekten schützen und Energie sparen – Fulda macht bei Test neuer Straßenbeleuchtung mit

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Fulda ist seit 2019 die erste Sternenstadt in Deutschland. Nun ist Fulda eine von wenigen Städten bundesweit, in denen ein neues Straßenbeleuchtungssystem erprobt werden soll.

Von unserem Redaktionsmitglied Marius Scherf

Seit Anfang Januar können Spaziergänger in den Fuldaauen im Bereich Langebrückenstraße seltsame, wie Windsäcke anmutende Trichter an gut einem Dutzend Laternen baumeln sehen. Dabei handelt sich um Insektenfallen, die mit einem neuen Projekt in Verbindung stehen, an dem Fulda als eine von nur vier deutschen Städten teilnimmt.

„Die Stadt ist Teil eines Verbundprojekts im Rahmen des Bundesprogramms biologische Vielfalt. Es geht um Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung“, erklärt Johannes Heller, Pressesprecher der Stadt Fulda. Mit den Fallen soll erprobt werden, wie viele Insekten von dem bisher ausgestrahlten Licht angezogen werden.

Licht nur dort, wo es gebraucht wird

Bei dem auf eine Dauer von vier Jahren angelegten Verbundprojekt „Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung“ wird vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Zusammenarbeit mit dem Fachgebiet Lichttechnik der Technischen Universität Berlin ein neues Beleuchtungskonzept entwickelt: In Zukunft soll durch eine optimierte Lampenabschirmung die Abstrahlung des künstlichen Lichts auf die Flugbahnen von nachtaktiven Insekten minimiert werden.

Das von Laternen ausgestrahlte Licht soll nur noch dorthin fallen, wo es auch gebraucht wird – auf Gehwege oder Straßen. Denn laut Bundesamt für Naturschutz entfalten herkömmliche Leuchten nicht nur eine erheblich Sogwirkung auf Insekten, sondern streuen unnötig Licht in alle Himmelsrichtungen. Die Insekten können Mond und Sterne zur Orientierung nicht mehr von der Lampe unterscheiden. Geblendet und desorientiert verenden sie irgendwann an den Leuchten.

160.000 Euro Zuwendung

„Die Stadt Fulda wurde bereits Ende 2017 auf das Forschungsvorhaben angesprochen und nach einer Teilnahme gefragt“, sagt Heller. Das Bundesumweltministerium subventioniert das Projekt mit 2,37 Millionen Euro. Fulda erhält Zuwendung in Höhe von 160.000 Euro.

„Im Spätherbst 2021 werden die neuen Leuchten angebracht. Es bleiben aber vergleichbare Streckenabschnitte mit der alten Beleuchtung als Kontrolle erhalten“. Die angebrachten Fallen sollen dann einen direkten Vergleich bezüglich der Anziehungskraft auf Insekten zwischen den alten und neuen Straßenleuchten ermöglichen.

Workshops für Schüler und Erwachsene

Im Rahmen der Umweltbildung sollen laut Heller bei dem Projekt auch Schülergruppen und Erwachsene in Workshops die Möglichkeit bekommen, etwas über die eingefangenen Insekten zu lernen, etwa welche verschieden Gruppen es gibt.

„Schließlich werden die Auswirkungen des Projektes evaluiert. Ziel ist es, bundesweit eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit bezüglich des Themas Umrüstung auf nachhaltige Beleuchtungslösungen zu erreichen“, sagt Heller.

Sternenstadt Fulda

Themenspezifisch passe das Projekt zudem in die Entwicklung der Sternenstadt Fulda. 2019 war die Stadt zur ersten in Deutschland gekürt worden. Mit dem Titel werden Orte von der „International Dark Sky Association“ gewürdigt, die besonders schonend mit ihrer Nachtbeleuchtung umgehen und so einer zunehmenden Lichtverschmutzung vorbeugen.

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