Eine Malaise-Falle am Nordhang der Wasserkuppe oberhalb von Dietges.
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Eine Malaise-Falle am Nordhang der Wasserkuppe oberhalb von Dietges.

Malaise-Fallen aufgestellt

Erforschung des Insektensterbens im Biosphärenreservat Rhön 

  • Rainer Ickler
    vonRainer Ickler
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Die Erforschung des Insektensterbens wird jetzt auch in der hessischen Rhön wissenschaftlich untersucht. Dafür sind vier Malaise-Fallen, in die Insekten fliegen sollen, aufgestellt worden.

Rhön - Auf einer landwirtschaftlichen Fläche unterhalb der Wasserkuppe steht eine der vier Fallen, in denen das Insektenvorkommen in der Rhön gezählt werden soll. Sie sind Teil eines bundesweiten Monitoringprojekts, das insgesamt 80 Standorte umfasst.

„Ziel ist es, die Veränderung der Menge der Fluginsekten über einen längeren Zeitraum hinweg zu kontrollieren. Es ist ein Projekt des Netzwerks Longterm Ecological Resarch Deutschland und der Nationalen Naturlandschaften“, erklärt das Biosphärenreservat in einer Pressemitteilung.

Insektensterben in der Rhön: Krefelder Studie dokumentiert Insektensterben

Hintergrund ist die Krefelder Studie, die einen dramatischen Insektenschwund in Deutschland in den vergangenen 30 Jahren dokumentiert und seit ihrer Veröffentlichung im Jahr 2017 weltweit Beachtung erfahren hat.

Das neue Projekt untersucht das Insektensterben auf Agrarlandschaften, in naturnahen Wäldern, Auenwäldern und Auengrünland sowie in Schutzgebieten wie etwa dem Biosphärenreservat Rhön. In der Hessischen Rhön befinden sich die vier Standorte auf einer extensiv beweideten Wiese, auf einer Fläche, die an eine intensiv bewirtschafte landwirtschaftliche Fläche angrenzt, in einem Waldgebiet sowie in einer Kernzone, in der jegliche Nutzung verboten ist.

Malaise-Falle

Mit Malaise-Fallen, die nach dem schwedischen Entomologen René Malaise benannt sind, können fliegende Insekten gefangen und dokumentiert werden. Bestehend aus Moskitonetz-Gewebe und einem schrägen Dach sind sie wie ein Zelt aufgebaut. Die Insekten fliegen gegen die Mittelwand der Konstruktion und bewegen sich senkrecht nach oben, dem Licht entgegen. Durch eine Öffnung an der Spitze der Falle gelangen sie dann in eine Flasche, die mit einem flüssigen Konservierungsmittel gefüllt ist. Sie wird regelmäßig geleert. / ic

Alle 14 Tagen werden die Flaschen von den Rangern geleert, sodass bis Ende Oktober insgesamt 60 Proben (15 pro Falle) zusammenkommen. Anschließend wird die Biomasse der Insekten zentral bei der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Gelnhausen untersucht.

Insektensterben in Rhön: Kooperationsprojekt geplant

Noch nicht untersucht werden die Artenzusammensetzung der Insekten sowie deren zeitliche Veränderung. Hierfür plant die Hessische Verwaltung für die Zukunft ein Kooperationsprojekt mit dem Senckenberg Forschungsinstitut Frankfurt, der Universität Duisburg-Essen und dem Nationalpark Kellerwald.

Ein zweites Projekt zur Erforschung des Insektensterbens wird im bayerischen Teil des Biosphärenreservates durchgeführt. Dort werden Maßnahmen für einen verbesserten Insektenschutz erprobt. Der World Wide Fund for Nature (WWF), Nationale Naturlandschaften, die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und das Leibniz-Zentrum erforschen Maßnahmen zum besseren Insektenschutz gemeinsam mit Landwirten.

Bayerisches Biosphärenreservat wird zu Modelllandschaften für Insektenschutz

Das bayerische Biosphärenreservat wird zusammen mit vier weiteren deutschen Schutzgebieten zu einer Modelllandschaften für Insektenschutz in landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaften.

Getestet und bewertet werden sollen bereits bekannte insektenfördernde Maßnahmen auf den bewirtschafteten Flächen im Biosphärenreservat sowie in angrenzenden Arealen. Das sind zum Beispiel Blühstreifen, Brachstreifen, Bepflanzung und Mähen der Straßenränder, insektenschonender Maschineneinsatz, veränderte Mähzeiten, Beweidung statt Mähen, optimierte Düngung durch Senkung der Menge. Im Fokus stehen nicht nur die naturschutzfachlichen Maßnahmen, sondern auch Fragen der Umsetzbarkeit.

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