Foto: Johanna Lippmann

Interview mit Meret Becker: Zirkus ist auf eine sehr lustige Weise brutal

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Meret Becker (50) ist bekannt als Schauspielerin. Aber sie ist auch als Sängerin auf der Bühne zu erleben, so am Freitag, 22. November, um 20 Uhr im Schlosstheater Fulda. Unter dem Titel „Le Grand Ordinaire“ tritt sie zusammen mit The Tiny Teeth auf. Dazu beantwortete sie unserer Zeitung Fragen per Mail.

Von unserem Redaktionsmitglied Anke Zimmer

Ihr Abend ist als „Collage“ aus Bildern und Liedern angekündigt. Was darf ich mir darunter vorstellen?

Es geht mir nicht darum, Meinungen oder Realitäten zu verkünden, sondern es ist ein assoziatives Denken oder Sich-Erinnern, das ich durch Musik und fragmentarische Bilder sehr subjektiv wiedergebe. Der Abend ist auch immer noch nicht fertig. Vielleicht wird er es nie.

Das wiederkehrende Thema ist der Zirkus. Was bedeutet Zirkus für Sie?

Ich mag an ihm das Tragisch-Komische. Er ist auf eine sehr lustige Weise brutal und makaber, gleichzeitig offen und verspielt. Mir schweben dabei so viele Bilder im Kopf rum. Großartige Künstler wie Buster Keaton, Charles Chaplin oder Georges Carl. Geschichten aus Büchern, Filmen oder Erzählungen. Dinge, die ich erzählt oder mitbekommen habe. Alles, was da so schief gehen kann... Zirkus ist eine Erinnerung, die fast alle Menschen teilen, wobei die Erinnerungen unterschiedlicher nicht sein könnten. Sie haben eins gemeinsam – Sehnsucht.

Das andere Thema ist das Reisen...

Reisen, Weglaufen, das ist eine Sehnsucht nach Freiheit. Paradoxerweise bauen Menschen trotzdem Mauern und Grenzen.

Ihr Promo-Bild irritiert mich. Ihr Kopfschmuck sieht aus wie eine Trense. Während andere Künstler sich als Direktor oder Zeremonienmeister in der Manege inszenieren, treten Sie als Zirkuspferd auf?

Ich finde, das Bild ist eine logische und amüsante Schlussfolgerung. Denn nicht nur die Pferde laufen da dressiert durch die Manege, auch die Menschen. Mitunter werden sie dort hineingeboren und haben nicht darum gebeten. Wobei man sagen muss, dass sie in der Realität meist sehr stolz darauf sind. Übrigens ist der Zirkus der wahrscheinlich erste Ort gewesen, in dem die Stärke von Frauen wertgeschätzt wurde.

Wie wird der Abend ablaufen? Auf welche Überraschungen dürfen sich die Theaterbesucher gefasst machen?

Es ist ein Konzert. Auch wenn viele theatralische Elemente vorkommen: Ich belästige keinen, und jeder darf seinen eigenen Gedanken nachgehen. Ein schönes Bild übrigens, seinen eigenen Gedanken nachgehen.

Sie kommen mit Ihrer Band The Tiny Teeth nach Fulda. Was macht die Band aus?

Mit Buddy Sacher musiziere ich seit 27 Jahren, uns verbindet eine tiefe Freundschaft. Er ist für mich der größte Gitarrist und ein Glück. Ben Jeger kenne ich mittlerweile auch schon über zehn Jahre, und ich bin so froh, ihn gefunden zu haben. Er komponiert wunderschöne Stücke und spielt neben Piano und Akkordeon auch großartig Glasharfe. Uwe Langer spielt sämtliche Blechblasinstrumente mit einer anrührenden Durchlässigkeit und ist normalerweise Teil der 17 Hippies. Und Dirk-Peter Kölsch habe ich bei einem Jazz-Projekt kennen gelernt. Mir fiel sofort der schöne Schatz an Spielzeug auf, den er da in sein Trommelspiel einbaut, die Fantasie, mit der er spielt.

Man kennt Sie als Sängerin und Schauspielerin... Gibt es eine Hochzeit, auf der Sie nicht tanzen?

Die Grenzen sind einfach fließend. Es gibt aber ganz, ganz viel, das ich nicht tanze.

In welcher Sparte fühlen Sie sich am wohlsten?

Die Sparten sind mir halt wurscht. Sicher ist Musik ein Genre, das einen unmittelbar berührt. Ich glaube, das geht den meisten Menschen so, egal ob sie selber welche machen oder nur konsumieren.

Und was steht als nächstes auf Ihrem Plan?

Ich hab grad einen ganz schönen Ritt hinter mir mit „Die 5 Glorreichen Sieben“ und nun die Tour von „Le Grand Ordinaire“ direkt im Anschluss, da bin ich ausgelastet. Im Dezember feiern wir die Premiere von der dritten Staffel „Babylon Berlin“, die am 24. Januar anläuft. Das Schöne ist, dass es schon gedreht ist und wir einfach nur alle zusammen ins Kino gehen.

Karten für das Konzert gibt es im Vorverkauf zum Preis von 21,16 Euro bis 31,24 Euro in allen Geschäftsstellen unserer Zeitung. Restkarten an der Theaterkasse.

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