Foto: Stadtarchiv Fulda/Schöpe

850 Jahre Künzell: Mit Bachrain zusammengewachsen (mit Audio-Datei der neuen Hymne)

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Künzell-Bachrain - Mit einer Hymne zur 850-Jahr-Feier hat die Gemeinde Künzell die Zukunft von Künzell-Bachrain besungen. Denn nicht immer waren sich Künzeller und Bachrainer einig. Es gab Bestrebungen, dass Bachrain ein eigener Ortsteil wird. Dazu ist es aber nie gekommen.

Von unserem Redaktionsmitglied Daniela Petersen

Das allererste Gebäude am Bachrain war vermutlich ein Vorgängerbau der Bachmühle. In der Zeit des Abtes Hadamar (927-956) wird eine Siedlung „Grcibah“ genannt, die sich dort befand. Im Saalbuch von 1708 wird die Bachmühle erwähnt, die seit 1939 zu Fulda zählt, damals aber zur Gemarkung der Gemeinde Künzell gehörte.

Mit der Industrialisierung ging es los

In den Quellen heißt es, dass 1763 fünf „Seelen“ am Bachrain wohnten. Die große Besiedelung erfolgte aber erst Ende des 19. Jahrhunderts, im Zuge der Industrialisierung. 1891 lebten am Bachrain bereits 311 Menschen – das waren ungefähr so viele wie damals in Künzell, wo die Zahl von 316 Menschen genannt wird.

„Als Firmen wie die Gummiwerke entstanden, suchten die Arbeiter nahegelegene Wohnungen. Das Land am Bachrain gehörte Künzeller Bauern, die ihre Flächen an die Arbeiter verkauften“, erklärt Winfried Reith. Er und Kurt Diegelmann sind bei den Heimatfreunden, einer Untergruppe des Rhönklubs in Künzell, die sich mit der Geschichte der Gemeinde beschäftigt.

Don-Bosco-Schule als Bindeglied

Vor allem der Bau der Schule 1917 und die eigene Kirche St. Maria Hilf Bachrain, die zwischen 1924 und 1926 entstand, verliehen Bachrain mehr Eigenständigkeit. Hinzu kamen eine Feuerwehr, die in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiert, und zwei Gesangvereine, die sich 1921 gründeten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam am Bachrain schließlich der Wunsch auf, ein eigenständiger Ort zu werden. „Damals gab es zwischen Künzell und Bachrain einen Kilometer unbebautes Land“, weiß Diegelmann. Trotzdem hätten die Künzeller es abgelehnt, dass Bachrain ein eigener Ortsteil werde. Hermann Heres, der von 1948 bis 1969 Bürgermeister von Künzell war, habe versucht, Künzell und Bachrain zusammenzuführen, erklärt Diegelmann. „Er wollte eine gemeinsame Kirche, eine gemeinsame Schule und ein gemeinsames Gemeindezentrum.“ So sei die Don-Bosco-Schule entstanden, die an der Grenze zwischen Künzell und Bachrain liegt, offiziell aber zum Wohnbereich Künzell zählt. Die Kirchengemeinden konnten jedoch nicht zusammengelegt werden. „Sowohl Künzell als auch Bachrain wollte die Kirchen erhalten“, erklärt Diegelmann.

Differenzen abgelegt

Von den Differenzen, die es einst zwischen Künzell und Bachrain gab, spüren die beiden Heimatforscher nichts mehr. „Ich bin in den 1950ern zur Schule gegangen. Wir hatten viele Bachrainer in der Klasse. Das ist dadurch zusammengewachsen“, sagt Reith, und Diegelmann ergänzt: „Die früheren Probleme gibt es nicht mehr. Das liegt auch daran, dass der Ortsteil mittlerweile Künzell-Bachrain heißt.“

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