Foto: Hartmut Zimmermann

Vor 75 Jahren: Hochrangige Offiziere suchen Schutz im Milseburgtunnel

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Kleinsassen - Kurz vor Ostern nahmen die US-Truppen Fulda ein. Die Reste der deutschen Wehrmacht zogen sich daraufhin in die Rhön zurück, um eine Gegenwehr gegen die vorrückenden Amerikaner zu organisieren. Eine wichtige Rolle sollte dabei der bombensichere Milseburgtunnel spielen.

Von unserem Redaktionsmitglied Rainer Ickler

Dort stand in der Karwoche ein 400 Meter langer Zug des Oberkommandos der Wehrmacht West (OKW) mit vielen hochrangigen Offizieren. Die deutschen Soldaten waren auf dem Rückzug und suchten Schutz in Rhöner Dörfern. Viele quartierten sich dort ein. Allein in Kleinsassen sollen sich in der Karwoche „einige Hundert Soldaten“ befunden haben, schreibt Joachim Jenrich in seinem Buch „Die Milseburg – Perle der Rhön“.

Funkstation errichtet

Auf der Maulkuppe wurde eine Funkstation errichtet, die den Kontakt zum OKW herstellen sollte. Der Zug, gezogen von zwei Lokomotiven, bestand aus Kommandoabteilen, Versorgungs- und Schlafwagen. Tagsüber blieb er im Tunnel, nachts wurde er herausgefahren, um für Frischluft zu sorgen, schreibt Jenrich.

Die Amerikaner bekamen davon Kenntnis und versuchten, den Tunneleingang und die Strecke zu bombardieren. Dabei kam es zu Fehlabwürfen bei Schackau und Kleinsassen. Noch heute sind die Bombentrichter im Wald westlich der Ziegenköpfe zu sehen, hat Jenrich herausgefunden.

Keiner traute sich mehr auf die Straße

Um den Zug und den Tunnel vor Tieffliegern zu schützen, wurden Flakgeschütze auf die Anhöhe von Danzwiesen gebracht. Aber als das Fernmeldekabel gekappt wurde, hatte der Generalfeldmarschall von Kesselring an Bord des Zuges keinen Kontakt mehr zu anderen Truppenteilen und musste annehmen, dass die deutsche Abwehr zusammengebrochen war. In der Nacht auf Karfreitag verließ der Zug den Tunnel und fuhr in Richtung Vacha.

Am Ostermorgen flogen viele US-Kampfflugzeuge über Kleinsassen, haben Zeitzeugen wie Veronika Zengerle vor einigen Jahren berichtet. Vermutlich waren sie auf der Suche nach dem Zug. Keiner der Einwohner traute sich mehr auf die Straße. Viele suchten Schutz in der Kirche und beteten, dass der Ort verschont bleiben möge.

Große Erleichterung

Dies war der Fall. Mit dem Kommandozug verließen die deutschen Soldaten aus Angst vor den anrückenden US-Trupen Kleinsassen. Dies hat vermutlich das Rhöner Dorf vor größeren Zerstörungen bewahrt.

Am 6. April zogen die Amerikaner in Kleinsassen ein. Überall wurden weiße Fahnen gehisst. Bei der Bevölkerung herrschte große Erleichterung, dass es keine nennenswerten Schäden gegeben hatte.

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